Freitag, 19. Mai 2017

Die Börse ist wie Baseball



Keine Sportart finde ich so verwirrend wie Baseball. Vor ein paar Jahren habe ich einmal ein Match in den USA besucht. Gleich zu Beginn ermahnt mich ein Sitznachbar, ich solle gefälligst meine Kappe abnehmen, wenn die Nationalhymne gespielt wird. Die Nationalhymne bei einem gewöhnlichen Ligaspiel? Seltsam. Außerdem bin ich doch gar kein Amerikaner. Egal. Angestrengt versuche ich, dem Spielverlauf zu folgen.


Los geht's. Ein Pitcher will den Ball zu seinem Catcher werfen. Dazwischen steht allerdings der Batter mit seinem Schläger. Tatsächlich, er trifft! Ich klatsche. Mehrere Zuschauer drehen sich um und werfen mir kritische Blicke zu. Ups, das war wohl die gegnerische Mannschaft. Wie soll man sich hier aber auch auskennen? Schon das Spielfeld im Form eines Viertelkreises ist mir ein Rätsel. Und warum rennt der Spieler dort jetzt los und alle jubeln? Es ist doch gar nichts passiert. Na gut, wenn alle klatschen, dann mache ich es eben auch. So geht das stundenlang. Irgendwann gebe ich auf und verlasse entnervt das Stadion. Draußen gibt es ohnehin viel interessantere Dinge zu entdecken.


Im Grunde genommen geht es am Aktienmarkt genauso zu wie beim Baseball. 

Sonntag, 7. Mai 2017

Übernahme von Veresen

Pembina Pipeline Corp. (A1C563) wird den kleineren Wettbewerber Veresen Inc. (A1H5KV) in einer Transaktion aus Cash und Aktien im Wert von 9,7 Mrd. CAD oder 18,65 CAD je Aktie kaufen. Das haben die beiden Unternehmen am 1. Mai bekannt gegeben. Durch die freundliche Übernahme entsteht ein neues führendes Energieinfrastrukturunternehmen in Kanada. Der Abschluss des Geschäfts wird für das dritte oder vierte Quartal 2017 erwartet.

Veresen halte ich seit dem Jahr 2013 in meinem Aktiendepot. Meine zuverlässige Depotbank wird mir voraussichtlich bald das Kaufangebot von Pembina zustellen und mich um eine Weisung bitten, was mit den Anteilen von Veresen passieren soll. Letztlich stehen drei Möglichkeiten zur Auswahl:

1. Ich nehme das kombinierte Cash-Aktien-Angebot an. Dann erhalte ich eine Auszahlung von rund 4,85 CAD sowie 0,3127 Pembina-Aktien für jede Veresen-Aktie. Und bleibe damit Aktionär des fusionierten Unternehmens.
2. Ich nehme das reine Cash-Angebot an und lasse mich für 18,65 CAD je Aktie auszahlen. Dann bin ich alle Veresen-Anteile los und werde auch nicht Aktionär des fusionierten Unternehmens.
3. Mir ist das alles zu kompliziert und ich verkaufe sämtliche Veresen-Aktien vor der Transaktion zu aktuellen Kursen an der Börse.

Die Option, einfach abzuwarten und gar nichts zu tun, lasse ich außen vor. Denn mir sind die möglichen Folgen zu ungewiss. Werden die verbleibenden Aktionäre von Veresen zwangsweise abgefunden, womöglich zu einem niedrigeren Preis? Oder gibt es einen Nachschlag, falls nicht genügend Aktionäre das Angebot annehmen? Oder verbleiben die alten Veresen-Aktien einfach im Depot, für immer, weil nach der Fusion mit Pembina kein Handel mehr stattfindet? Bevor ich hier zeitintensive Recherchen anstelle, konzentriere ich mich lieber auf die Vor- und Nachteile der drei genannten Optionen.

1. Cash-Aktien-Angebot

Die Fusion eröffnet offensichtlich erhebliche Wertsteigerungspotenziale für die Aktionäre:

  • Pembina bietet Pipeline-, Lager- und Verarbeitungsanlagen schwerpunktmäßig für Öl an, Veresen überwiegend für Gas. Die Portfolios ergänzen sich produkttechnisch und geographisch sehr gut und führen zu einer größeren Reichweite und Diversifikation des fusionierten Unternehmens.
  • Die zusammengeführten Bilanzen von Pembina und Veresen machen das neue Unternehmen finanziell robuster, erhöhen dadurch die Sicherheit gerade in Zeiten niedriger Rohstoffpreise und erleichtern den Zugang zu Kapital zur Finanzierung neuer Wachstumsprojekte.
  • Wichtig für mich ist auch die Perspektive in Sachen Dividende. Während Veresen seit einer Dekade eine unveränderte Dividende von 1,00 CAD je Aktie pro Jahr in monatlichen Raten zahlt, hat Pembina seine Ausschüttungen von 1,37 CAD auf 1,90 CAD erhöht. Das größere Unternehmen sollte in der Lage sein, höhere Gewinne zu erwirtschaften und steigende Dividenden bei gleichzeitig niedrigerer Ausschüttungsquote zu zahlen.

Die Übernahme von Veresen durch Pembina erscheint für die Unternehmen, die Kunden und die Aktionäre sehr positiv. Ich wäre gerne Aktionär des neuen fusionierten Unternehmens. Der einzige Wermutstropfen an dem Cash-Aktien-Angebot ist so gesehen die Cash-Komponente. Denn durch die Teilauszahlung und die Zuteilung von nur etwa 0,3 Pembina-Aktien für meine Veresen-Aktien werden mein Anteil am neuen Unternehmen und die Gewichtung in meinem Gesamtdepot minimal ausfallen. 

Dienstag, 2. Mai 2017

Dividendeneinnahmen im April 2017

Nachfolgend veröffentliche ich die Liste meiner Dividendeneinnahmen nach Steuerabzug im April 2017:


WertpapiernameDividende
ALTRIA GROUP42,16 €
BK NOVA SCOTIA30,24 €
COCA-COLA CO.25,51 €
COMMONW.BK AUSTRALIA71,06 €
GLAXOSMITHKLINE 58,37 €
MAIN STREET CAP.12,79 €
NESTLE115,55 €
NIKE12,41 €
REALTY INCOME14,59 €
SES247,49 €
STELLA-JONES8,18 €
VERESEN8,53 €
W.P. CAREY34,38 €
WAL-MART STRS17,59 €

698,85 €

Zwei Aktien machen im April über die Hälfte der Dividendeneinnahmen aus. Die höchste Zahlung stammt vom luxemburgischen Satellitenbetreiber SES S.A. (914993). Ein wenig bekannter Spezialwert mit einer progressiven Dividendenpolitik. Ich habe meine Position vor ein paar Wochen weiter aufgestockt. Das Unternehmen ist mit einem KGV von etwa 10 und einer Dividendenrendite von über 6% attraktiv bewertet. Hier ist mehr über SES zu lesen. 

Den Dividendenklassiker Nestlé S.A. (A0Q4DC) habe ich zuletzt Anfang des Jahres nachgekauft. Die Schweizer liefern die zweithöchste Zahlung dieses Monats. Und das trotz Abzugs einer Quellensteuer von 35% auf die Bruttodividende. An der Stelle möchte ich auch mal meine Depotbank loben. Die ING-DiBa hat zur Dividendenabrechnung gleich den Tax-Voucher für die Rückerstattung von 20% der Quellensteuer übersandt. Dazu eine kurze Erklärung des Verfahrens mit einem Link zum Antragsformular. So stelle ich mir eine kundenfreundliche Bank vor. Ich kann die ING-DiBa nur wärmstens weiter empfehlen. 

Insgesamt hat mir mein Aktienportfolio von Januar bis April 2017 Dividendeneinnahmen von 2.127,40 EUR netto gebracht.

Montag, 10. April 2017

Dividendeneinnahmen im März 2017

Nachfolgend veröffentliche ich die Liste meiner Dividendeneinnahmen nach Steuerabzug im März 2017:


WertpapiernameDividende
APA GROUP 69,16 €
BHP BILLITON 54,64 €
BROOKFIELD INFR. 90,10 €
CHEVRON 43,12 €
CON. EDISON  27,50 €
ELI LILLY 20,76 €
FORTIS 24,08 €
HERSHEY CO. 14,78 €
IMPERIAL BRANDS 22,75 €
INTL BUS. MACH. 22,36 €
JOHNSON+JOHNSON 31,86 €
MAIN STREET CAP. 14,61 €
MCDONALDS 37,46 €
MICROSOFT 21,89 €
REALTY INCOME 16,78 €
ROCHE HOLDING INH. 98,99 €
ROYAL DUTCH SHELL A 75,14 €
SSE 31,51 €
UNILEVER N.V. 40,82 €
UNITED TECHN. 26,35 €
VECTOR GROUP 63,25 €
VERESEN 9,82 €

857,73 €

Der Schneeball aus Dividendenzahlungen rollt weiter und wird immer größer. Über 857 EUR Einnahmen im März 2017 bedeuten eine Steigerung um 156,65 EUR bzw. 22,3% gegenüber dem Vorjahresmonat. Ein neues persönliches All-Time-High ist erreicht! Natürlich ist dabei zu berücksichtigen, dass ich in den ersten Monaten des Jahres immer vom Steuerfreibetrag profitiere und die Dividenden ohne Abzug der Kapitalertragssteuer vereinnahmen kann. Ob ich den Wert im laufenden Jahr also nochmal toppen kann, ist ungewiss. 

Bemerkenswert finde ich, dass fast alle Unternehmen zu der Einnahmensteigerung beigetragen haben. Nicht nur die klassischen Dividendenaristokraten wie Johnson&Johnson und McDonalds haben ihre Ausschüttungen erhöht. Auch das zyklische Bergbauunternehmen BHP Billiton erlebt ein Comeback: Nachdem die Interimsdividende wegen der gesunkenen Rohstoffpreise im letzten Jahr erstmals von 0,62 USD auf 0,16 USD reduziert werden musste, zahlt das Unternehmen jetzt wieder 0,40 USD. Gut, dass icht trotz der Dividendenkürzung an BHP Billiton festgehalten haben. Denn mit einem breit gestreuten Aktienportfolio lassen sich solche Dividendenschwankungen von Zyklikern einfach aussitzen. Ich werde keine einzige Aktie meiner Qualitätsunternehmen mehr hergeben.

Insgesamt hat mir mein Aktienportfolio von Januar bis März 2017 Dividendeneinnahmen von 1.428,55 EUR netto gebracht.

Dienstag, 28. März 2017

Vier Geschäftsberichte, ein Kauf

Wie lese ich einen Geschäftsbericht? Und was muss in einem guten Geschäftsbericht drinstehen? Diesen Fragen bin ich in den letzten Wochen nachgegangen, weil ein Ausbau des IT-Sektors im Aktienportfolio auf meiner To-Do-Liste für dieses Jahr steht. Das ist leichter gesagt als getan. Denn ehrlich gesagt interessieren mich IT-Dinge überhaupt nicht, wie man am bescheidenen Design dieses Blogs unschwer erkennen kann. Und von IT-Firmen und deren Geschäftsmodellen verstehe ich wenig. Deshalb habe ich beschlossen, ein paar Geschäftsberichte zu lesen, um die IT-Aktie zu finden, die zu mir und meinem Depot passt.

Bei der Auswahl der Kaufkandidaten leistet mir der Aktienfinder gute Dienste. Nach einer einfachen Suche von IT-Unternehmen mit wachsenden Gewinnen und Dividenden über zehn Jahre hinweg landen Accenture, Bechtle, SAP und United Internet auf meiner Liste zur weiteren Recherche. Zugegeben, bei United Internet bin ich etwas großzügiger: Die Dividende ist im Jahr 2009 einmal ausgefallen, wurde dafür aber ein Jahr später als Bonus nachgezahlt.

Ich lade die vier aktuellsten Geschäftsberichte von den Unternehmenswebseiten herunter und überlege, wie ich die Sache angehen soll. Charlie Munger sagte einmal, dass die meisten Menschen versuchen, besonders clever zu sein, während er nur versuche, keine dummen Entscheidungen zu treffen. Sinngemäß verstehe ich diesen klugen Ratschlag so: Ich muss nicht jeden Geschäftsbericht intensiv durcharbeiten und zum IT-Experten werden. Es genügt vollkommen, die Unternehmen auszusortieren, die es nicht schaffen, ihr Geschäftsmodell so einfach zu beschreiben, dass ich es mit meinem gesunden Menschenverstand nachvollziehen kann.

Ich konzentriere mich also zunächst auf den Textteil eines Geschäftsberichts und lese den Brief des Vorstandsvorsitzenden. Erstens erwarte ich, dass ich als Aktionär und somit Eigentümer des Unternehmens eindeutig angesprochen werde. Zweitens muss der Textteil eine klare und allgemein verständliche Darstellung des Geschäftsmodells des Unternehmens mit seinen Stärken und Schwächen enthalten. Nur wenn mir das gefällt, schaue ich drittens in den Finanzteil des Geschäftsberichts. Idealerweise finde ich dort eine Übersicht zur langfristigen Entwicklung der Finanzkennzahlen, am besten über zehn Jahre. Eigentlich keine besonders anspruchsvollen Kriterien, sollte man meinen. Aber wie sich herausstellt, beherrscht nicht jeder die Kunst der klaren Kommunikation: