Freitag, 23. Januar 2015

Meine Regeln für den Kauf von Dividendenaktien



Ich möchte ein Aktienportfolio haben, das sich aus Qualitätsunternehmen zusammensetzt, die ich zu einem guten Preis erwerben und langfristig halten kann. Da ich einen gewöhnlichen Vollzeitjob ausübe und meine knappe Freizeit nicht mit tiefgehenden Aktienanalysen verbringen will, brauche ich einfache und schnell anwendbare Regeln, um die passenden Dividendenaktien für mein Depot zu finden. Zwei hervorragende Dividendenaktien, die ich nach den folgenden Regeln gekauft habe, sind die Bank of Nova Scotia und Chevron.


1. Einfaches Geschäft 
Mein erstes Kriterium ist immer die Frage nach dem Geschäftsmodell. Nur wenn ich verstehe, was das Unternehmen macht und bei vernünftiger Betrachtung mit einiger Wahrscheinlichkeit erwarten kann, dass es mit seinem Geschäft voraussichtlich noch viele Jahre Erfolg haben wird, kommt die Aktie für mich in Betracht. Diese Fragen habe ich mir schon beim Kauf meiner ersten Aktien gestellt und das hat sich absolut bewährt.
 
2. Diversifikation

Die zweite Regel heißt Diversifikation. Ich verlasse mich nicht auf wenige Unternehmen, sondern teile das Geld, das mir für Investitionen zur Verfügung steht, lieber in kleinere Beträge für mehrere Aktien auf. Dadurch ist die Anzahl der Aktien in meinem Portfolio über die Jahre gestiegen und ich habe das Risiko von Fehlinvestitionen abgemildert. Ein Verlust oder eine Dividendenkürzung bei einem Unternehmen wirken sich auf den gesamten Ertrag meines Portfolios nur noch geringfügig aus. Ich diversifiziere meine Aktienkäufe nach Branchen, Ländern und Währungen.

3. Zehn Jahre steigende oder gleichbleibende Dividende

Drittens muss das Unternehmen seit mindestens zehn Jahren seine Dividende erhöht oder zumindest konstant gehalten haben. Je höher die Steigerungsrate, desto besser. Es gibt z.B. Listen der Dividendenaristokraten, die dieses Kriterium erfüllen, ich recherchiere die Daten aber immer auch selbst auf den Internetseiten der Unternehmen. Damit hole ich mir nur Unternehmen in mein Depot, die eine langfristige aktionärsfreundliche Dividendenpolitik etabliert haben.

4. Zehn Jahre steigende Gewinne

Viertens sollte das Unternehmen im selben Zeitraum auch den Gewinn pro Aktie (EPS) gesteigert haben, so dass die Dividenden tatsächlich aus dem laufenden Geschäft und nicht nur durch Steigerung der Ausschüttungsquote, Aufnahme von Schulden oder aus der Substanz des Unternehmens finanziert werden. Das ist der mühsamste Teil der Analyse, weil ich das EPS oft in alten Geschäftsberichten im Internet nachlesen muss.

5. KGV maximal 15

Im fünften Schritt schließe ich Aktien aus, die an der Börse momentan überbewertet sind. Dazu schaue ich einfach auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das nicht höher als 15 sein sollte. Nur für sehr defensive Aktien z.B. der Nahrungsmittel- oder Konsumgüterbranche bin ich bereit, das bis zu 20-fache des Gewinns zu bezahlen.

6. Dividendenrendite mindestens 3,0%

Als sechstes und letztes Kriterium achte ich auf eine Dividendenrendite von mindestens 3,0% zum Zeitpunkt des Kaufs. Häufig weisen Aktien mit einer noch höheren Dividendenrendite nur sehr geringe jährliche Dividendenwachstumsraten auf, während Aktien mit sehr niedriger Dividendenrendite die Dividende jährlich oft im zweistelligen Prozentbereich anheben. Ich versuche abzuwägen und Aktien auszuwählen, die bei beiden Kriterien vernünftige Werte im Vergleich zu Unternehmen derselben Branche bieten.

Kommentare:

  1. Meine bevorzugte Datenquelle für 10 Jahre EPS-Entwicklung ist Morningstar.
    (Beispiel: http://financials.morningstar.com/ratios/r.html?t=GLAXF - wo genau liefert GlaxoSmithkline da ein EPS-Wachstum ab?)

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  2. Danke für den Kommentar.
    Zuerst schaue ich in den Berichten der Unternehmen selbst nach. Ich finde es für einen ersten Eindruck immer ganz aufschlussreich, ob ein Unternehmen die Dokumente nutzer-/aktionärsfreundlich auf seiner Internetseite präsentiert.
    GSK berichtet für das Geschäftsjahr 2005 ein EPS von 82p (http://www.gsk.com/media/279911/annual-review-2005.pdf). Für 2014 ist von einem Core EPS von 95,4p die Rede (http://www.gsk.com/media/594405/q4-2014-results-announcement.pdf). Das bedeutet im Ergebnis ein Wachstum.
    Ich bin kein Kaufmann und meine Analysen wollen auch keinen wissenschaftlichen Anspruch erheben. Aber ich lerne sehr gerne dazu, falls ich nicht die richtigen Zahlen zugrundegelegt habe.

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  3. Hallo Armer Charlie,
    danke für den Einblick in Deine Kriterien. Dein Punkt (1) liegt bei mir irgendwo mitten drin im Arbeitsablauf, da ich noch keine Watchlist habe und erstmal Kandidaten per online-Filter zusammen suche.
    Dabei bereitet mir sei einigen Wochen die langjährige Steigerung des EPS Kopfzerbrechen, was durch modische Aktienrückkaufprogramme verfälscht werden kann. Auf der Suche nach Herkunft von Dividenden und deren Steigerung experimentiere ich derzeit mit Umsatzsteigerung und Gewinnsteigerung in absoluten Zahlen ohne PS.
    Zu Punkt (3) eine Frage: müssen tatächlich 10 Jahre Dividendendaten vorliegen oder ziehst Du auch Dividendenstarter in Betracht, die während weniger als 10 Jahren beständig erhöht haben?
    Herzlichen Gruß
    Martin

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    1. Hallo Martin,
      die Kriterien sind immer noch eine Orientierung für meine Aktienkäufe, aber ich halte mich nicht mehr hundertprozentig dran. Zum Beispiel erfüllen vor allem meine zyklischen Werte das Kriterium der langjährigen Gewinnsteigerung nicht. Auch ein KGV von 15 wird man bei den aktuellen Börsenkursen kaum noch finden. Aber wenn ich so durch mein Depot schaue, dann zahlen meines Wissens tatsächlich alle Unternehmen seit mindestens 10 Jahren eine Dividende. Ich könnte mir auch noch 8- oder 9-jährige Dividendenzahler vorstellen, aber weniger würde ich nicht in Betracht ziehen.
      Beste Grüße,
      Charlie

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