Donnerstag, 26. Februar 2015

Sparpläne für Dividendeninvestoren


Die Deutschen sind mit der Wertentwicklung ihren Geldanlagen unzufrieden, heißt es in einer repräsentativen Umfrage. Der Großteil der Ersparnisse liegt auf Giro-, Tagesgeld- und Festgeldkonten, die in der andauernden Niedrigzinsphase faktisch keinen Ertrag mehr bringen. Eine Änderung der Anlagestrategie kommt aber für die meisten trotzdem nicht in Frage, lieber wird das Geld ausgegeben. Obwohl schon so oft gesagt wurde, dass Aktien langfristig die rentabelste Form der Geldanlage ist, verhallen alle Aufrufe, doch wenigstens einen Teil des Ersparten an der Börse zu investieren, seit Jahren ungehört.

Bei dem Bildungsniveau, das Deutschland mittlerweile erreicht hat, wundert mich das nicht. Ich bin mir sicher, dass nur eine kleine Minderheit überhaupt versteht, was eine Aktie ist und wie das dahinterstehende Unternehmen Geld verdient. Vom Studium erfolgreicher Investoren und der eigenverantwortlichen Beschäftigung mit Geldanlage und Vermögensbildung ganz zu schweigen.


Dabei braucht es keine großen Summen, um ein Aktienportfolio aus Qualitätsunternehmen aufzubauen. Das wichtigste ist ein klares Ziel vor Augen zu haben und möglichst frühzeitig damit zu beginnen. Für Einsteiger sind Sparpläne eine interessante Möglichkeit, regelmäßig in Dividendenaktien zu investieren. Die Angebote einiger großer Onlinebroker habe ich mir näher angesehen:

  • Consorsbank: Über 170 sparplanfähige Aktien (DAX-Werte und internationale Werte des STOXX Global 150), Sparrate ab 25 EUR monatlich oder vierteljährlich, Kosten von 1,5% Provision plus 1,95 EUR bei Namensaktien
  • DAB-Bank: 85 sparplanfähige Aktien (DAX, MDAX und fünf US-Werte), Sparrate ab 125 EUR alle ein, zwei, drei oder sechs Monate, Kosten von 2,50 EUR plus 0,25% Provision
  • ING-DiBa: 50 sparplanfähige Aktien (DAX und 20 internationale Werte, überwiegend aus den USA), Sparrate ab 50 EUR alle ein, zwei oder drei Monate, Provision von 1,75%

Das Angebot der Consorsbank überzeugt durch die umfangreiche Aktienauswahl und die niedrige Mindestsparrate, allerdings erscheint das Gebührenmodell mit einer Kombination aus Provision und einer extra Gebühr für Namensaktien zumindest für Einsteiger eher schwierig. Die DAB eignet sich wegen der vergleichsweise geringen Provision vor allem bei hohen Sparraten, allerdings ist das Angebot internationaler Aktien sehr klein. Die ING-DiBa bietet insgesamt nur 50 Aktien im Sparplan an, aber einige der bekanntesten Dividendenwerte sind enthalten und das Gebührenmodell ist einfach und transparent.


Ich habe mich entschlossen, ergänzend zu den Investitionen in Dividendenaktien nach meinen Kaufkriterien das Sparplanangebot bei meinem Broker, der ING-DiBa, auszuprobieren. Dazu habe ich zweimonatliche Sparpläne für vier Dividendenzahler eingerichtet:


Die Coca-Cola Company (850663) produziert, vertreibt und vermarktet alkoholfreie Erfrischungsgetränke. Das US-amerikanische Unternehmen arbeitet im Lizenzsystem und besitzt die Rechte an 500 Marken weltweit. Coca-Cola zahlt seinen Aktionären seit 94 Jahren eine Dividende und hat diese 53 Jahre in Folge erhöht.


Die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (843002) ist ein weltweit tätiger Versicherungskonzern mit dem Kerngeschäft der Übernahme von Risiken als Rückversicherer. Dazu kommen Versicherungs- und Vorsorgelösungen im Erstversicherungsgeschäft, der Bereich Munich Health und das Kapitalanlagemanagement. Munich RE hat die Dividende seit 1969 mindestens stabil gehalten oder erhöht.


Nestlé (A0Q4DC) ist der weltgrößte Nahrungsmittelhersteller. Neben den bekannten Marken bei Tiefkühlprodukten, Getränken, Milchprodukten und Süßwaren findet man Produkte des Schweizer Konzerns auch im pharmazeutischen Bereich sowie den Bereichen Spezial-, Baby- und Tiernahrung wieder. Das Unternehmen hat seine Dividende zuletzt 18 Jahre in Folge erhöht.


Die Procter & Gamble Company (P&G) (852062) ist ein US-amerikanischer, weltweit vertretener Konsumgüterkonzern. P&G entwickelt und produziert ein umfangreiches Portfolio an Markenartikeln für die Bereiche Kosmetik, Textil- und Haushaltspflege, Hygiene und Gesundheit. Das Unternehmen schüttet seit 1891 eine Dividende aus und hat sie seit 58 Jahren ununterbrochen erhöht.



Freitag, 20. Februar 2015

Die Dividendenstrategie erfordert Eigenverantwortung



Wenn es um Geldanlage und Vermögensbildung geht, vertraue ich nicht den Banken, dem Staat, Verbraucherzentralen oder irgendwelchen „Experten“. Diese verfolgen immer auch eigene Interessen, die nicht unbedingt mit meinen Belangen übereinstimmen. Ich behalte lieber selbst die Verantwortung für mich, um meine finanziellen Ziele zu erreichen. Was bedeutet Eigenverantwortung für einen Dividendeninvestor?


Als erstes gilt es, ein Ziel zu definieren und zu seiner Erreichung konkrete Arbeitsschritte festzulegen. Ich möchte einen möglichst großen Teil meiner Lebenshaltungskosten aus Dividendeneinnahmen bestreiten und habe mir für das Jahr 2015 vorgenommen, mein Dividendendepot auf 100.000 EUR auszubauen. Dafür lege ich jeden Monat erspartes Geld in Dividendenaktien an.


Zweitens braucht es eine klare Strategie zur Umsetzung der festgelegten Arbeitsschritte. Jeder Aktieninvestor sollte akzeptieren, dass die Zukunft ungewiss ist. Auch wenn es verlockend erscheint, lassen sich vergangene Entwicklungen nicht in die Zukunft fortschreiben. Niemand kann vorhersehen, wie sich die Wirtschaft, die Börsenkurse oder die Dividendenzahlungen einzelner Unternehmen entwickeln werden. Daraus leite ich meine wertorientierte Anlagestrategie ab, nämlich unabhängig von Börsenkursschwankungen vor allem Qualitätsunternehmen auszuwählen, die Produkte und Dienstleistungen anbieten, die immer gebraucht werden, wie z.B. Energie, Nahrungsmittel und alltägliche Konsumgüter. Außerdem habe ich von Anfang an auf eine ausreichende Diversifikation geachtet, so dass einzelne Fehlinvestitionen keine großen Auswirkungen auf das Gesamtportfolio haben.


Da ich die Aktien langfristig halten will, ist es als drittes wichtig, sich vor einer Investition möglichst umfassend zu informieren. Meine erste Anlaufstelle ist das Internetportal MyDividends, das börsentäglich über dividendenrelevante Neuigkeiten berichtet. Außerdem schaue ich immer wieder auf die Zusammensetzung der S&P Dividendenindizes, die alle bedeutenden Aktienmärkte der Welt abdecken. Ferner beobachte ich die Aktivitäten anderer Dividendenblogger, die meiner Meinung nach qualitativ hochwertige Informationen bieten, vor allem hier und hier.


Im vierten Schritt kommen Unternehmen, die mir interessant erscheinen, zur weiteren Analyse auf meine Watchlist. Erst wenn ich das Geschäftsmodell eines Unternehmens verstanden habe, seine Zukunftsaussichten möglichst gut einschätzen kann und es meine Kaufkriterien erfüllt, kommt es für eine Investition in Betracht.


Dieser Auswahlprozess erfordert Motivation, kostet etwas Zeit und ich kann niemanden für die Anlageentscheidungen verantwortlich machen außer mir selbst. Der Lohn der Arbeit sind ein besonnenes und an eigenen Zielen orientiertes Verhalten unabhängig von Börsenkursschwankungen und Anlageempfehlungen, ein immer besseres Wissen über das Funktionieren von Marktwirtschaft und Unternehmen sowie ein ständig wachsendes Aktienportfolio aus Qualitätsunternehmen, die mir regelmäßig und über die Jahre steigende Dividenden auszahlen.

Samstag, 14. Februar 2015

Aufstockung von zwei Dividendenaktien



Um mein Ziel für das Jahr 2015 zu erreichen, habe ich im Januar wieder in den Ausbau meines Dividendendepots investiert. Inzwischen ist es aufgrund der stark angestiegenen Börsenkurse schwierig geworden, vernünftig bewertete Qualitätsaktien zu finden, die meine Kaufkriterien vollständig erfüllen. Es gibt aber fast in jeder Marktsituation interessante Gelegenheiten, wie bei diesen zwei Unternehmen, die ich nachgekauft habe:


Die BayWa (519406) ist ein Handels-, Logistik- und Dienstleistungskonzern in den Segmenten Agrar, Energie und Bau. Das Unternehmen wurde 1923 in München gegründet und ist heute mit 3.000 Standorten in 17 Staaten vertreten. Im Agrarsegment vermarktet die BayWa landwirtschaftliche Erzeugnisse, Betriebsmittel, Landtechnik und Obst. Das Energiesegment steht für den Vertrieb fossiler Brennstoffe und Komplettlösungen für erneuerbare Energien. Im Bausegment werden Baustoffe aller Art verkauft und geliefert. In den vergangenen zehn Jahren hat die BayWa ihre Dividende je Aktie von jährlich 0,26 EUR auf 0,75 EUR erhöht. Der Gewinn je Aktie konnte im selben Zeitraum von 0,71 EUR auf 2,85 EUR gesteigert werden. Die Aktie wird gemessen an den Zahlen des Geschäftsjahres 2013 bei einem Kurs um die 30 EUR mit einem KGV von 10,5 und einer Dividendenrendite von 2,5% gehandelt.


Der Kurs der BayWa war wegen niedriger Getreidepreise und gesunkener Gewinnerwartungen innerhalb weniger Monate um ein Drittel gesunken. Ich halte den Kursverfall für übertrieben, weil das Unternehmen zu den weltweiten Top 10 der landwirtschaftlichen Vollsortimenter zählt und bei einer wachsenden Weltbevölkerung in diesem Zukunftsmarkt hervorragend positioniert ist. Die BayWa hat ihre Dividende zehn Jahre in Folge gesteigert und für das abgelaufene Geschäftsjahr 2014 die die elfte Erhöhung in Aussicht gestellt, das kommt bei deutschen Unternehmen nicht so häufig vor. Deshalb war die Kursschwäche für mich der richtige Kaufzeitpunkt.


GlaxoSmithKline (GSK) (940561) ist eines der weltweit führenden Gesundheits-, Pharma- und Konsumgüterunternehmen mit Sitz in Großbritannien. Das Unternehmen erforscht, entwickelt und produziert Medikamente und Impfstoffe. Auf die Erforschung und Entwicklung neuartiger Arzneimittel wird besonders großer Wert gelegt. Außerdem bietet GSK ein umfangreiches Portfolio an Arzneimitteln, Nahrungsergänzungsmitteln, Kosmetika und Präparaten zur Gesundheitsvorsorge und Selbstmedikation. GSK hat seine Dividende je Aktie von 2005 bis 2014 jährlich von 0,42 GBP auf 0,80 GBP erhöht. Der Gewinn je Aktie konnte im selben Zeitraum von 0,82 GBP auf 0,95 GBP gesteigert werden. Die Aktie ist bei einem Kurs um die 14 GBP mit einem KGV von 14,7 und einer Dividendenrendite von 5,7% attraktiv bewertet.


GSK wird im Vergleich zu anderen Pharmaunternehmen wegen seines schwachen Wachstums und seiner Dividendenausschüttungsquote von über 80% kritisch gesehen. Ich mache mir darüber keine ernsthaften Sorgen. GSK weist eine Marktkapitalisierung von über 70 Mrd. GBP auf und hat 2014 bei einem Umsatz von 23 Mrd. GBP einen Gewinn von 6,6 Mrd. GBP erzielt. Welches Unternehmen dieser Größenordnung kann mir schon eine Einstiegsdividendenrendite von über 5% bieten? GSK wird auch in den kommenden Jahren Produkte verkaufen, Gewinne erzielen und einen großen Teil davon an seine Aktionäre ausschütten. Wenn die Nachrichten schlecht sind, die Kurse fallen und andere Anleger verkaufen, genau dann kaufe ich GSK gerne nach.

Freitag, 6. Februar 2015

Armer Charlie, reicher Charlie


Die Medien und offizielle Statistiken sagen mir, dass ich in einer privilegierten Situation lebe und mich inmitten des höchsten Wohlstands aller Zeiten befinde. Materiell fehlt es an nichts, die privaten Vermögen sind hoch, die Volkswirtschaft wächst. Als Anleger in den USA und Europa kann ich ohne Mühe allein durch Kurssteigerungen an der Börse aus meinem Verdienst noch mehr Geld machen.


Doch stimmt das wirklich? Ich glaube, das Gegenteil ist richtig: Weite Bevölkerungsschichten sind in Wahrheit in den letzten Jahrzehnten völlig verarmt. Dafür gibt es Anzeichen, die jeder aufmerksame Betrachter mit einem gesunden Menschenverstand wahrnehmen kann:
  • ·        Geistige Verarmung
Die Zeiten, in denen das Abitur und ein Hochschulstudium noch etwas wert waren, sind vorbei. Staatlich verordnete kürzere Schulzeiten und niedrigere Bildungsanforderungen sowie eine allgemeine Geringschätzung der Lehrberufe kennzeichnen die Bildungslandschaft. In überfüllten Universitäten werden Akademiker produziert, die keiner braucht. Die Hauptschulen sind zu Restschulen verkommen oder ganz abgeschafft worden. Es entstehen sogenannte bildungsferne Schichten. Das Streben nach mehr Wissen ist kein allgemeines Bedürfnis mehr. Zu besichtigen jeden Tag in den Fernsehprogrammen.
  • ·        Gesundheitliche Verarmung
Trotz höherer durchschnittlicher Lebenserwartung hat sich der Gesundheitszustand der Bevölkerung insgesamt verschlechtert. Staatliche Ernährungsberatung, Ärzte und Pharmaindustrie haben eine unheilvolle Allianz geschlossen. Es herrscht eine Mangelernährung mit zu viel Zucker, Fertigprodukten und Fast Food. Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind Volksleiden. Das ist unübersehbar, wenn wir durch eine beliebige Fußgängerzone spazieren.
  • ·        Finanzielle Verarmung

Früher konnte ein Mann mit einer Vollzeitbeschäftigung einer Familie mit Kindern ein gutes Leben ermöglichen. Heute reichen oft zwei Verdienste kaum aus, um über die Runden zu kommen. Für einen jungen Menschen sind größere Anschaffungen ohne massive finanzielle Unterstützung der Eltern unmöglich geworden. Mittlerweile sind selbst die Wohnungsmieten für manche nicht mehr finanzierbar. Viele haben das Gefühl, nur durch immer noch größere Anstrengung den Verpflichtungen hinterherzukommen, das Hamsterrad dreht sich immer schneller. Falls noch Geld zum Sparen übrig ist, hält uns die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank davon ab. Statt das Geld bei der Bank anzulegen, gibt man es eher für Dinge aus, die man eigentlich nicht braucht. Und als nächstes für Dinge, die man sich gar nicht leisten kann. Die großzügigen Finanzierungsangebote der Autohändler, Möbelhäuser und Elektronikketten laden uns dazu ein.


Was soll ich armer Charlie, der ich doch ein besseres Leben führen will, dagegen bloß tun?


Ich lese Bücher. Ich schreibe diesen Blog. Ich koche selbst, so oft es geht. Ich mache regelmäßig Krafttraining und gehe Laufen. Ich kaufe nur die Dinge, die ich wirklich brauche. Ich wohne eher bescheiden. Ich nehme keinen Kredit auf. Ich lege Geld für Notfälle zurück. Ich investiere jeden Monat nach meinen Regeln in Dividendenaktien.


Ich akzeptiere, dass ich die allgemeinen Verhältnisse nicht ändern kann. Ich bin nur für mich selbst und mein persönliches Umfeld verantwortlich. Ich bin frei, das zu tun, was ich für richtig halte. Ich bin reich.

Sonntag, 1. Februar 2015

Siemens: Eine deutsche Dividendenaktie



Vergangene Woche habe ich die Dividende für meine Aktien von Siemens (723610) bekommen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Unternehmen ist das Geschäftsjahr von Siemens nicht das Kalenderjahr, sondern der Zeitraum vom 1. Oktober bis 30. September. Die jährliche Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2014 fand am 27. Januar 2015 statt, die Auszahlung der Dividende von 3,30 EUR je Aktie erfolgte einen Tag später am 28. Januar 2015. 


Eine Börsenweisheit lautet, dass man sich nicht in eine Aktie verlieben darf. Denn nur wer einem Unternehmen stets kritisch und neutral gegenüber steht, kann nach objektiven Kriterien über Kauf oder Verkauf der Aktie entscheiden. Ich folge dieser Ansicht im Fall von Siemens nicht ganz: Die Entwicklung von Siemens in über 165 Jahren von einer kleinen Werkstatt zu einer Weltfirma finde ich einfach ungemein spannend und lehrreich. Als Aktionär und damit Miteigentümer dieses Unternehmens fühle ich mich wie ein kleiner Teil seiner großartigen Leistungen in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Siemens gehört zu den Aktien, die ich am liebsten niemals verkaufen möchte.


Aber erfüllt Siemens aktuell auch die Regeln für Dividendenaktien in meinem Portfolio? 


Siemens ist ein weltweit führendes Unternehmen der Elektronik und Elektrotechnik. Das Geschäftsmodell ist sicher auf Anhieb nicht so leicht zu verstehen wie das von Nestlé oder anderen Konsumgüterherstellern. Zudem hat sich Siemens im Laufe der Jahrzehnte immer wieder verändert, weil Teile des Geschäfts aufgegeben wurden, wie etwa die Telekommunikation oder zuletzt das Hausgerätegeschäft mit der Bosch Siemens Hausgeräte GmbH. Dafür sind neue Unternehmen hinzugekommen, aktuell vor allem aus der Energiebranche. Vor dem Kauf der Aktie und später in regelmäßigen Abständen sollte sich ein langfristig orientierter Investor deshalb näher über das Unternehmen und die Art und Weise, wie es Geld verdient, informieren. Ich verlasse mich dazu nicht auf die Analysen von Anderen, sondern lese selbst auf der Investoren-Seite des Unternehmens nach. So lerne ich im Laufe der Zeit immer mehr über das Unternehmensgeschäft und werde insgesamt zu einem besseren Aktieninvestor.


Siemens möchte sich mit der im Jahr 2014 erarbeiteten „Vision 2020“ langfristig an der Wertschöpfungskette der Elektrifizierung ausrichten und setzt dabei auf seine Stärken in Automatisierung und Digitalisierung. Als Aktionär halte ich die Entscheidungen des Managements zur Stärkung des Kerngeschäfts für richtig. Ich glaube, dass das Geschäft mit industriellen Kunden und Staaten mehr Gewinne verspricht, weil es planbarer und weniger wettbewerbsintensiv ist als das Geschäft mit privaten Endkunden. Außerdem gefällt mir, dass im Unternehmen die Führungsebenen verringert und die Organisation verschlankt worden sind. Dadurch rücken die einzelnen Organisationseinheiten näher an die Kunden und der Konzern kann schneller auf neue Situationen reagieren. Ich bin zuversichtlich, dass Siemens für die maßgeblichen Trends in der industriellen Entwicklung gut aufgestellt ist und damit auch künftig viel Geld verdienen und Dividenden ausschütten wird.


Viele meiner Dividendenaktien sind aus den Branchen Energie und Finanzen. Das Schwergewicht im Depot bilden außerdem Unternehmen aus den USA, weil dort Dividendenzahlungen traditionell eine große Rolle bei der Aktienanlage spielen. Deshalb bietet mir Siemens als deutsches Unternehmen der Elektrotechnologie eine willkommene Diversifikation und senkt das Risiko des Gesamtportfolios.


In den vergangenen zehn Geschäftsjahren von 2005 bis 2014 hat Siemens seine Dividende je Aktie von 1,35 EUR auf 3,30 EUR erhöht. Die Dividende wurde dabei zwar nicht jedes Jahr erhöht, aber auch nie gesenkt. Wenn wir noch weiter zurückgehen, wurde die Dividende seit 20 Jahren mindestens stabil gehalten. Im Gegensatz dazu musste der US-amerikanische Konkurrent General Electric die Dividende im Jahr 2009 kürzen. Diese Aktie wäre für mich deshalb kein Kaufkandidat.


Auch den Gewinn je Aktie konnte Siemens in zehn Jahren von 3,43 EUR auf 6,37 EUR steigern. Die Dividendenerhöhungen wurden somit nachhaltig erwirtschaftet. Mit einer Ausschüttungsquote von etwa 50% steht das Unternehmen finanziell grundsolide da.


Die Aktie ist bei einem Kurs um die 95 EUR mit einem KGV von 14,9 und einer Dividendenrendite von 3,5% angemessen bewertet.


Wenn sich keine besseren Gelegenheiten ergeben und ich genügend Geld zur Verfügung habe, beabsichtige ich Siemens-Aktien aufzustocken, um mein Ziel für das Jahr 2015 zu erreichen. Da es die nächste Dividendenzahlung aber erst wieder in einem Jahr gibt, würde ich mit dem Kauf bis zu einem Kursrücksetzer auf etwa 85 EUR warten.