Freitag, 6. Februar 2015

Armer Charlie, reicher Charlie


Die Medien und offizielle Statistiken sagen mir, dass ich in einer privilegierten Situation lebe und mich inmitten des höchsten Wohlstands aller Zeiten befinde. Materiell fehlt es an nichts, die privaten Vermögen sind hoch, die Volkswirtschaft wächst. Als Anleger in den USA und Europa kann ich ohne Mühe allein durch Kurssteigerungen an der Börse aus meinem Verdienst noch mehr Geld machen.


Doch stimmt das wirklich? Ich glaube, das Gegenteil ist richtig: Weite Bevölkerungsschichten sind in Wahrheit in den letzten Jahrzehnten völlig verarmt. Dafür gibt es Anzeichen, die jeder aufmerksame Betrachter mit einem gesunden Menschenverstand wahrnehmen kann:
  • ·        Geistige Verarmung
Die Zeiten, in denen das Abitur und ein Hochschulstudium noch etwas wert waren, sind vorbei. Staatlich verordnete kürzere Schulzeiten und niedrigere Bildungsanforderungen sowie eine allgemeine Geringschätzung der Lehrberufe kennzeichnen die Bildungslandschaft. In überfüllten Universitäten werden Akademiker produziert, die keiner braucht. Die Hauptschulen sind zu Restschulen verkommen oder ganz abgeschafft worden. Es entstehen sogenannte bildungsferne Schichten. Das Streben nach mehr Wissen ist kein allgemeines Bedürfnis mehr. Zu besichtigen jeden Tag in den Fernsehprogrammen.
  • ·        Gesundheitliche Verarmung
Trotz höherer durchschnittlicher Lebenserwartung hat sich der Gesundheitszustand der Bevölkerung insgesamt verschlechtert. Staatliche Ernährungsberatung, Ärzte und Pharmaindustrie haben eine unheilvolle Allianz geschlossen. Es herrscht eine Mangelernährung mit zu viel Zucker, Fertigprodukten und Fast Food. Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind Volksleiden. Das ist unübersehbar, wenn wir durch eine beliebige Fußgängerzone spazieren.
  • ·        Finanzielle Verarmung

Früher konnte ein Mann mit einer Vollzeitbeschäftigung einer Familie mit Kindern ein gutes Leben ermöglichen. Heute reichen oft zwei Verdienste kaum aus, um über die Runden zu kommen. Für einen jungen Menschen sind größere Anschaffungen ohne massive finanzielle Unterstützung der Eltern unmöglich geworden. Mittlerweile sind selbst die Wohnungsmieten für manche nicht mehr finanzierbar. Viele haben das Gefühl, nur durch immer noch größere Anstrengung den Verpflichtungen hinterherzukommen, das Hamsterrad dreht sich immer schneller. Falls noch Geld zum Sparen übrig ist, hält uns die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank davon ab. Statt das Geld bei der Bank anzulegen, gibt man es eher für Dinge aus, die man eigentlich nicht braucht. Und als nächstes für Dinge, die man sich gar nicht leisten kann. Die großzügigen Finanzierungsangebote der Autohändler, Möbelhäuser und Elektronikketten laden uns dazu ein.


Was soll ich armer Charlie, der ich doch ein besseres Leben führen will, dagegen bloß tun?


Ich lese Bücher. Ich schreibe diesen Blog. Ich koche selbst, so oft es geht. Ich mache regelmäßig Krafttraining und gehe Laufen. Ich kaufe nur die Dinge, die ich wirklich brauche. Ich wohne eher bescheiden. Ich nehme keinen Kredit auf. Ich lege Geld für Notfälle zurück. Ich investiere jeden Monat nach meinen Regeln in Dividendenaktien.


Ich akzeptiere, dass ich die allgemeinen Verhältnisse nicht ändern kann. Ich bin nur für mich selbst und mein persönliches Umfeld verantwortlich. Ich bin frei, das zu tun, was ich für richtig halte. Ich bin reich.

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