Sonntag, 1. Februar 2015

Siemens: Eine deutsche Dividendenaktie



Vergangene Woche habe ich die Dividende für meine Aktien von Siemens (723610) bekommen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Unternehmen ist das Geschäftsjahr von Siemens nicht das Kalenderjahr, sondern der Zeitraum vom 1. Oktober bis 30. September. Die jährliche Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2014 fand am 27. Januar 2015 statt, die Auszahlung der Dividende von 3,30 EUR je Aktie erfolgte einen Tag später am 28. Januar 2015. 


Eine Börsenweisheit lautet, dass man sich nicht in eine Aktie verlieben darf. Denn nur wer einem Unternehmen stets kritisch und neutral gegenüber steht, kann nach objektiven Kriterien über Kauf oder Verkauf der Aktie entscheiden. Ich folge dieser Ansicht im Fall von Siemens nicht ganz: Die Entwicklung von Siemens in über 165 Jahren von einer kleinen Werkstatt zu einer Weltfirma finde ich einfach ungemein spannend und lehrreich. Als Aktionär und damit Miteigentümer dieses Unternehmens fühle ich mich wie ein kleiner Teil seiner großartigen Leistungen in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Siemens gehört zu den Aktien, die ich am liebsten niemals verkaufen möchte.


Aber erfüllt Siemens aktuell auch die Regeln für Dividendenaktien in meinem Portfolio? 


Siemens ist ein weltweit führendes Unternehmen der Elektronik und Elektrotechnik. Das Geschäftsmodell ist sicher auf Anhieb nicht so leicht zu verstehen wie das von Nestlé oder anderen Konsumgüterherstellern. Zudem hat sich Siemens im Laufe der Jahrzehnte immer wieder verändert, weil Teile des Geschäfts aufgegeben wurden, wie etwa die Telekommunikation oder zuletzt das Hausgerätegeschäft mit der Bosch Siemens Hausgeräte GmbH. Dafür sind neue Unternehmen hinzugekommen, aktuell vor allem aus der Energiebranche. Vor dem Kauf der Aktie und später in regelmäßigen Abständen sollte sich ein langfristig orientierter Investor deshalb näher über das Unternehmen und die Art und Weise, wie es Geld verdient, informieren. Ich verlasse mich dazu nicht auf die Analysen von Anderen, sondern lese selbst auf der Investoren-Seite des Unternehmens nach. So lerne ich im Laufe der Zeit immer mehr über das Unternehmensgeschäft und werde insgesamt zu einem besseren Aktieninvestor.


Siemens möchte sich mit der im Jahr 2014 erarbeiteten „Vision 2020“ langfristig an der Wertschöpfungskette der Elektrifizierung ausrichten und setzt dabei auf seine Stärken in Automatisierung und Digitalisierung. Als Aktionär halte ich die Entscheidungen des Managements zur Stärkung des Kerngeschäfts für richtig. Ich glaube, dass das Geschäft mit industriellen Kunden und Staaten mehr Gewinne verspricht, weil es planbarer und weniger wettbewerbsintensiv ist als das Geschäft mit privaten Endkunden. Außerdem gefällt mir, dass im Unternehmen die Führungsebenen verringert und die Organisation verschlankt worden sind. Dadurch rücken die einzelnen Organisationseinheiten näher an die Kunden und der Konzern kann schneller auf neue Situationen reagieren. Ich bin zuversichtlich, dass Siemens für die maßgeblichen Trends in der industriellen Entwicklung gut aufgestellt ist und damit auch künftig viel Geld verdienen und Dividenden ausschütten wird.


Viele meiner Dividendenaktien sind aus den Branchen Energie und Finanzen. Das Schwergewicht im Depot bilden außerdem Unternehmen aus den USA, weil dort Dividendenzahlungen traditionell eine große Rolle bei der Aktienanlage spielen. Deshalb bietet mir Siemens als deutsches Unternehmen der Elektrotechnologie eine willkommene Diversifikation und senkt das Risiko des Gesamtportfolios.


In den vergangenen zehn Geschäftsjahren von 2005 bis 2014 hat Siemens seine Dividende je Aktie von 1,35 EUR auf 3,30 EUR erhöht. Die Dividende wurde dabei zwar nicht jedes Jahr erhöht, aber auch nie gesenkt. Wenn wir noch weiter zurückgehen, wurde die Dividende seit 20 Jahren mindestens stabil gehalten. Im Gegensatz dazu musste der US-amerikanische Konkurrent General Electric die Dividende im Jahr 2009 kürzen. Diese Aktie wäre für mich deshalb kein Kaufkandidat.


Auch den Gewinn je Aktie konnte Siemens in zehn Jahren von 3,43 EUR auf 6,37 EUR steigern. Die Dividendenerhöhungen wurden somit nachhaltig erwirtschaftet. Mit einer Ausschüttungsquote von etwa 50% steht das Unternehmen finanziell grundsolide da.


Die Aktie ist bei einem Kurs um die 95 EUR mit einem KGV von 14,9 und einer Dividendenrendite von 3,5% angemessen bewertet.


Wenn sich keine besseren Gelegenheiten ergeben und ich genügend Geld zur Verfügung habe, beabsichtige ich Siemens-Aktien aufzustocken, um mein Ziel für das Jahr 2015 zu erreichen. Da es die nächste Dividendenzahlung aber erst wieder in einem Jahr gibt, würde ich mit dem Kauf bis zu einem Kursrücksetzer auf etwa 85 EUR warten.


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