Sonntag, 15. März 2015

Kurze Gebrauchsanleitung für Geld



Wenn ich mit Bekannten über Wirtschaft und Finanzen spreche, spüre ich oft Unverständnis und eine Abneigung, sich mit Geldfragen zu beschäftigen. Vor allem herrscht ein Gefühl der Ohnmacht gegen eine Politik der Niedrigzinsen und Geldentwertung. Keiner glaubt daran etwas ändern zu können, also wird hart verdientes Geld eben nicht mehr gespart, sondern lieber ausgegeben. Vom Aktienmarkt halten die meisten nichts und Buffett und Munger werden für Spekulanten gehalten.

Zwar versuche ich dann, die Vorteile von Dividendenaktien zu erklären. Aber ich stelle meistens fest, dass es besser ist, viel grundlegender und ganz von vorne anzufangen. Deswegen habe ich eine persönliche „Schritt-für-Schritt-Gebrauchsanleitung“ zum Umgang mit Geld entwickelt, nach meinen Erfahrungen, höchst subjektiv und ohne Gewähr:


Horten: Ich mag den altmodischen Begriff des Hortens. Er vermittelt ein Gefühl von Sicherheit und Selbstbestimmtheit in einer Zeit von weltweiter Überschuldung und vollständiger Kontrolle der persönlichen Finanzen durch den Staat. Da ich nicht weiß, was die Zukunft bringen wird, lege ich von meinem monatlichen Gehalt zuerst Geld in einen sicheren Hort beiseite. Mein Hort ist eine finanzielle Reserve, die ich im Notfall schnell zur Hand zu haben will: Bargeld in verschiedenen Währungen, Goldmünzen und ein Tagesgeldkonto. Mit dieser Mischung hoffe ich, den Wert, d.h. die Kaufkraft des gehorteten Geldes erhalten zu können. Ich achte darauf, dass meine Rücklage insgesamt immer mindestens ein halbes Netto-Jahresgehalt ausmacht.


Investieren: Erst wenn der Hort aufgefüllt ist, denke ich über die Investition der übrigen Mittel nach. Investieren bedeutet, Geld in Sachanlagen und Wertpapieren anzulegen, um dafür Erträge zu bekommen und so das Privatvermögen zu vermehren. Ich kaufe jeden Monat angemessen bewertete Aktien und erhalte dafür regelmäßige Erträge in Form von Dividenden. Das Ziel der Investitionen sind langfristig steigende Erträge, mit denen ich einen Teil meiner Lebenshaltungskosten finanzieren will. Außerdem habe ich noch ein kleineres Depot mit Indexfonds sowie eine Riesterrentenversicherung, die schon lange läuft und die ich wegen der Steuervorteile nicht aufgeben möchte. Der Kauf einer selbstbewohnten Immobilie ist nach meinem Verständnis keine Investition, sondern Konsum. Denn sie wirft keine Erträge ab, ganz im Gegenteil, man muss regelmäßig Geld für Reparaturen und Modernisierungen ausgeben, um den Wert der Immobilie zu erhalten. Nur eine vermietete Immobilie wäre eine investive Form der Geldanlage, die mir aber zu kompliziert ist. Die wichtigste und effektivste Investition ist oft die Investition in die eigene Arbeitskraft: Wer stetig in sein berufliches Fortkommen investiert, hat in der Regel gute Chancen auf eine ertragreichere, also besser bezahlte Stelle.


Konsumieren: Ich verfolge ehrgeizige Investitionsziele, möchte aber trotzdem nicht auf alles verzichten. Dennoch versuche ich, so wie ich wertorientiert investiere, auch möglichst bewusst zu konsumieren. Wertorientiert Geld ausgeben heißt für mich zweierlei: Erstens müssen es nicht unbedingt immer die billigsten Produkte sein, sondern diejenigen, die mir gute Qualität zu einem angemessenen Preis bieten. Und zweitens ist es die Konzentration des Konsums auf Dinge, die mir etwas bedeuten: Erlebnisse, Gesundheit, Reisen, Bücher, gutes Essen. Ein sehr wirksamer Schritt zu einem bewussten Konsumverhalten ist die Kündigung aller Newsletter von Elektromärkten und Versandhändlern.


Spekulieren: Wer an der Börse mit Wertpapieren spekuliert, erhofft sich einen Gewinn durch eine Preisveränderung. In Zeiten von Rekordständen an den Aktienmärkten könnte es sich z.B. anbieten, auf fallende Kurse zu spekulieren. Oder man wettet auf die Fortsetzung des Trends und weiter steigende Kurse. Bei Eintreten des erwarteten Ergebnisses lassen sich in kurzer Zeit hohe Gewinne erzielen - falls nicht, drohen Verluste. Niemand kann den künftigen Verlauf von Aktienkursen vorhersagen. Deshalb sind mir langweilige Sparpläne zur Vermögensbildung lieber als riskante Spekulationsgeschäfte. Ich bin Investor und kein Spekulant. Meinen Spiel- und Spekulationstrieb stille ich außerhalb der Aktienmärkte: Ich wette mit Kleinstbeträgen auf Fußballergebnisse.


Spenden: Wenn ich die Mittel dafür habe und von einer Sache überzeugt bin, dann gebe ich dafür hin und wieder eine Geldspende. Von übertriebenem Gutmenschentum halte ich nichts, aber es verschafft mir doch ein Gefühl von Zufriedenheit, etwas Sinnvolles mit meinem Geld ermöglichen zu können. Ich möchte daher künftig jeden Monat eine kleine Summe spenden, habe mich jedoch noch nicht für eine Organisation oder ein Projekt entscheiden können. Mir gefällt die Vorstellung, als Spender zu bestimmten Werten zu stehen und dafür in die Gesellschaft zu investieren.


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