Freitag, 20. März 2015

Verkauf wegen Dividendenkürzung



Ich baue ein Aktienportfolio aus Qualitätsunternehmen auf, die verlässliche, langfristig steigende Gewinne erwirtschaften und mir einen Teil davon regelmäßig als Dividende auszahlen. Monat für Monat investiere ich Geld, das nicht in meine Rücklage oder in den Konsum fließt, am Aktienmarkt. Dabei fühle ich mich recht sicher, weil ich mich an meinen Kriterien für den Kauf von Dividendenaktien orientieren kann.


Schwieriger fällt mir der Verkauf von Werten aus meinem Portfolio. Grundsätzlich möchte ich auch hier strategisch vorgehen, um unabhängig von Börsennachrichten und Empfehlungen von „Experten“ eigenverantwortliche und überlegte Entscheidungen treffen zu können. Bisher habe ich für eine Verkaufsstrategie nur ein einziges Kriterium festgelegt: Die Reduzierung oder Streichung der Dividendenzahlung. Folgende Aktien wurden in den letzten Wochen und Monaten verkauft:


AGF Management Ltd. (861655) ist eine kanadische Investment- und Vermögensverwaltungsgesellschaft. AGF bezahlt seit 46 Jahren eine Dividende und war Teil des S&P Canadian Dividend Aristocrats Index. Im Dezember 2014 beschloss das Unternehmen eine Neuausrichtung, wonach künftig mehr Kapital für Wachstumsinvestitionen und Aktienrückkäufe ausgegeben werden soll. Die Quartalsdividende ab dem ersten Quartal 2015 beträgt deshalb statt zuletzt 0,27 CDN nur noch 0,08 CDN.


Coca-Cola Amatil Ltd. (855416) ist ein australischer Getränkeabfüller und produziert und vertreibt als Lizenznehmer die Erfrischungsgetränke der Marke Coca-Cola sowie Spirituosen in Australien, Neuseeland, Indonesien und einigen weiteren pazifischen Staaten. Das Unternehmen gab im Februar 2015 bekannt, dass die Dividende für das Geschäftsjahr 2014 im Vergleich zur Vorjahresdividende von 0,56 AUD auf 0,42 AUD gesenkt wird.


Seadrill Ltd. (A0ERZ0) ist ein norwegisches Offshore-Bohrunternehmen mit Sitz auf den Bermudas und betreibt Bohrinseln, -plattformen und -schiffe für die Öl- und Gasindustrie zum weltweiten Einsatz in unterschiedlich tiefen Gewässern. Das Unternehmen teilte im November 2014 mit, dass die Dividende aufgrund des Ölpreisverfalls und des schwierigen finanziellen Umfelds ausgesetzt wird.


Zunächst muss ich mir ehrlich eingestehen, dass es ein Fehler war, in diese Werte zu investieren. Ich habe die Unternehmen vor der dem Kauf kaum analysiert und mich nur von den verlockend hohen Dividendenrenditen blenden lassen. Der Verkauf jeweils einige Tage nach Ankündigung der Dividendenkürzungen bzw. -streichung war natürlich mit hohen Verlusten verbunden. Daher habe ich mir überlegt, andere oder zusätzliche Kriterien zu definieren, nach denen ich künftig über Aktienverkäufe entscheiden könnte.


Es wäre möglich, Unternehmen trotz einer Dividendensenkung im Depot zu halten und erst eine bestimmte Zeit, z.B. ein oder zwei Jahre, abzuwarten, ob die Dividende dann wieder gezahlt oder so weit gesteigert wird, dass es den Verlust dieses Zeitraums ausgleicht. Ich habe mich gegen diese Möglichkeit entschieden, weil mir das zu ungewiss erscheint und eine Dividendenkürzung generell meinem Ziel zuwiderläuft, ein nennenswertes, verlässliches Zusatzeinkommen aus Dividenden zu erzielen.


Ideal wäre es, eine Dividendenkürzung zuverlässig vorhersehen und die Aktie rechtzeitig vorher verkaufen zu können. Indikatoren dafür könnten Gewinnrückgange über mehrere Jahre oder hohe Ausschüttungsquoten sein. Beispielsweise ist der Gewinn je Aktie von Procter & Gamble Co. (852062) in den Jahren 2009 bis 2012 von 4,26 USD auf 3,66 USD gesunken, die Dividende wurde trotzdem jährlich von 1,64 USD auf 2,14 USD gesteigert. Während die Ausschüttungsquote vor 10 Jahren noch unter 40% lag, beträgt sie inzwischen über 60%. Andererseits haben Unternehmen anderer Branchen, z.B. Altria Group Inc. (200417), im Allgemeinen recht hohe Ausschüttungsquoten von etwa 80%. Soll ich deshalb die beiden Aktien, die mir bislang zuverlässig jedes Jahr steigende Dividenden gezahlt haben, verkaufen? Mir ist es nicht gelungen, hier objektive Maßstäbe festzulegen und deswegen habe ich darauf verzichtet.


Ich könnte auch verkaufen, wenn eine Aktie meines Portfolios an der Börse gerade überbewertet ist, also mit einem überdurchschnittlich hohen KGV gehandelt wird, und/oder mit einem sehr hohen Kursgewinn im Depot liegt, den ich mit einem Verkauf realisieren könnte. Ein solches Vorgehen wäre aber aus meiner Sicht kontraproduktiv, da ich die Basis für mein laufendes Dividendeneinkommen, nämlich Anteile an Qualitätsunternehmen, schmälern würde. Außerdem würden auf realisierte Kursgewinne Steuern fällig, ich müsste für die frei gewordenen Mittel nach neuen, attraktiver bewerteten Investitionsmöglichkeiten suchen und für die Transaktionen noch Gebühren bezahlen. Deshalb erscheint es mir sinnvoller, einmal gekaufte Aktien langfristig zu halten und neue Gelder sowie eingenommene Dividenden in Unternehmen zu investieren, die aktuell günstig oder angemessen bewertet sind.


Das Ergebnis meiner Überlegungen ist also, dass es auch künftig bei einem einzigen Kriterium für den Verkauf von Aktien bleibt, nämlich der Reduzierung oder Streichung der Dividende.


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