Donnerstag, 16. April 2015

Fragestunde mit Charlie Munger

Manchmal kommen mir Zweifel an meiner Anlagestrategie. Sind Dividendenaktien wirklich geeignet, um meine Ziele zu erreichen? War ich bei der Aktienauswahl gewissenhaft genug? Habe ich ausreichend für Notfälle vorgesorgt? Solche Fragen gehen mir durch den Kopf. Dann fange ich an, im Internet nach neuen Informationen über Geldanlage, Aktien und Strategien zu suchen. Am liebsten sind mir persönliche Erfahrungen und Ratschläge von erfolgreichen Investoren.

Einer der erfolgreichsten Investoren ist der mittlerweile 91-jährige Vize-Vorstand von Berkshire Hathaway, Charlie Munger. Vor wenigen Wochen stellte er sich auf der Hauptversammlung der Daily Journal Corporation, bei der er Vorstand ist, den Fragen der Aktionäre. Aus einem Protokoll der Veranstaltung habe ich drei Gedanken sinngemäß herausgegriffen und für mein Anlageverhalten interpretiert:

Im technologischen Wandel überleben nur die besten Unternehmen: Einstmals gewinnbringende Geschäftsmodelle, wie das von Zeitungen, Fotoherstellern (Kodak) und Autoproduzenten (General Motors), brechen weg, weil sich durch neue Technologien die Bedürfnisse ändern und Wettbewerber am Markt durchsetzen. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass es einem Unternehmen im Technologiebereich gelingt, ein bestehendes Geschäftsmodell in ein anderes umzuwandeln. Ein seltenes Beispiel dafür ist IBM. Es ist überraschend, dass das Fernsehen die Entwicklung des Internet bisher relativ unbeschadet überstanden hat. Andererseits gibt es Geschäftsfelder, die so schwierig sind, dass das beherrschende Unternehmen kaum von einem Konkurrenten angegriffen werden kann. So versucht Daily Journal geeignete Software für die Justiz anzubieten, ein Markt, vor dem selbst Microsoft zurückschreckt.

Was ich aus Mungers Worten für mich ableite: Hände weg von Medien- und Autoaktien. Meine beiden IT-Aktien IBM und Microsoft werde ich vorläufig nicht weiter aufstocken. Interessant könnten dagegen Technologieunternehmen sein, die hochspezialisierte Dienstleistungen in einem Nischenmarkt anbieten, bevorzugt im staatlichen Bereich.

Gute Unternehmen sind teuer geworden: Jeder Anleger möchte gerne Qualitätsunternehmen besitzen. Aber im Verhältnis zu den Buchwerten und Erlösen sind gute Unternehmen sehr teuer. Jeder würde viel Geld verdienen, wenn man nur herausfinden müsste, welches Unternehmen besser als andere ist. Das ist aber nicht der Fall, es werden nur die Kurse immer weiter hochgetrieben, bis sich das Blatt wendet. Die Leute versuchen schlau zu sein, dabei reicht es schon aus, kein Idiot zu sein. Die Weltwirtschaft wächst nicht mehr 10% jährlich, deshalb wird erfolgreiches Investieren künftig schwieriger als in den letzten Jahrzehnten sein; und mit großen Aktien wird es unmöglich sein.

Deshalb nehme ich mich vor, künftig weniger Blogs von Dividendenanlegern lesen, die alle meistens die gleichen Unternehmen empfehlen. Anstatt eine Bestätigung für die eigene Strategie zu suchen, möchte ich meine Auffassung kritischer hinterfragen und im Zweifel lieber auf einen Aktienkauf verzichten. Und ich werde verstärkt nach profitablen kleinen und mittleren Aktienwerten fahnden.

Die Zukunft ist ungewiss: Die ungewöhnlich niedrigen Zinsen und die Ausweitung der Geldmenge auf der ganzen Welt werden Folgen haben. Der Wert des Geldes wird weiter verfallen. Aber niemand weiß, was genau passieren wird. Wirtschafts- und Finanzexperten, die meinen, etwas vorhersagen zu können, sind Schamanen. Es ist empfehlenswert, sich auf schlechtere Zeiten einzustellen.

Eine Reserve für alle Fälle habe ich bereits aufgebaut. Auf dem Verrechnungskonto, von dem ich meine Aktieninvestitionen finanziere, halte ich aber faktisch kein Cash, sondern lege freie Gelder ab etwa 1.000 Euro sofort an. Ich werde versuchen, meine Sparquote zu erhöhen, um auch dort ein kleines Polster anzusparen. Vielleicht bekommen wir ja doch einen ordentlichen Börsencrash, wenn die Geldblase platzt, dann habe ich mehr Mittel für neue Investitionen.

Das sind die Lehren, die ich aus Charlie Mungers Ausführungen ziehe.

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