Mittwoch, 17. Juni 2015

Meine Strategie für die Kapital-Anlage

Ich gebe jeden Monat weniger Geld aus als ich einnehme. Das klingt banal, ist aber der erste Schritt meiner Anlagestrategie. Damit bin ich schon im Vorteil gegenüber sehr vielen anderen Menschen: Einige erzielen ein so niedriges Einkommen, dass sie das Geld vollständig für ihren Lebensunterhalt brauchen. Andere könnten sparen, geben aber trotzdem alles für Luxusgüter, Urlaubsreisen, teure Hobbies usw. aus, sei es unbedacht oder mit Absicht. Ich bin davon überzeugt, dass mehr Anstrengung für die persönliche Bildung und Gesundheit sowie ein bewussteres Konsumverhalten die finanzielle Situation eines Menschen verbessern können. Aber letztlich ist jeder für sich selbst verantwortlich.

Von dem ersparten Einkommen lege ich mir im zweiten Schritt eine Reserve für Notfälle zurück. Mein Hort - ich liebe dieses altmodische Wort - besteht aus Bargeld, einigen Goldmünzen und einem Tagesgeldkonto. Zusammen beträgt der Wert immer ungefähr ein halbes Jahresnettogehalt. Es geht mir dabei nicht um Vermögenszuwachs, sondern um ein Gefühl von Sicherheit, schnellen Zugriff und Liquidität in jeder denkbaren Situation.

Was dann vom Gehalt noch übrig ist, investiere ich drittens (fast) vollständig in angemessen bewertete Aktien von Qualitätsunternehmen, die regelmäßig einen Teil ihrer Gewinne als Dividende ausschütten. Das mache ich seit über sieben Jahren so. Um diszipliniert an der Sache dranzubleiben, sind für mich drei Dinge wichtig: Realistische und doch ehrgeizige Ziele, eine systematische Anlagemethode und regelmäßige Belohnungen. Konkret heißt das:
  • Ich möchte bis zum Ende dieses Jahres 100.000 EUR in Dividendenaktien investiert haben und danach weiter zukaufen, bis ich langfristig ein spürbares Zusatzeinkommen aus Dividenden erziele, mit dem ich einen Teil meines Lebensunterhalts finanzieren kann. Je nachdem wie sich meine Lebensumstände entwickeln, will ich es mir leisten können, weniger zu arbeiten und mehr Zeit für mich zu haben oder später ohne Einbußen den Ruhestand genießen.
  • Dazu kaufe ich regelmäßig jeden Monat, unabhängig von Börsennachrichten und gesamtwirtschaftlicher Lage, mit dem gesamten verfügbaren Kapital Unternehmen, die meinen Einstiegskriterien möglichst nahe kommen. Oft sind es große Blue-Chip-Werte der Branchen Energie, Gesundheit sowie Konsumgüter und Nahrungsmittel. Ich halte die Aktien für immer und verkaufe nur, wenn die Dividende gekürzt wird.
  • Ich beschäftige mich intensiv mit meiner Anlagestrategie und lerne ständig dazu. Dafür werde ich mit jeder eingehenden Dividende belohnt und manchmal, wenn ich einen Meilenstein erreiche, gönne ich mir auch etwas Besonderes.
Machen diese drei Schritte schon eine umfassende Kapital-Anlage-Strategie aus? Nicht ganz, denn ich habe noch nicht alle Vermögensbestandteile, Ansprüche und Risiken berücksichtigt. Da wäre ein Depot mit ETFs, das ich mit einer kleinen Monatsrate bespare und das nicht so recht zu meinem Ziel eines auskömmlichen Dividendenstroms passt. Außerdem eine Riester-Rentenversicherung, in die ich eher aus steuerlichen Gründen einzahle als zum Kapitalaufbau und zur ergänzenden Vorsorge. Und es gibt den Anspruch auf eine Altersversorgung aus meiner beruflichen Tätigkeit. Dessen Höhe ist schwer zu ermitteln, deshalb gehe ich einfach davon aus, dass mir später zumindest eine Grundversorgung sicher ist. Das größte Risiko für den Erhalt und Zuwachs meines Geldvermögens sehe ich in familiären Unterhaltsverpflichtungen. Insbesondere im Falle der Pflegebedürftigkeit meiner Eltern würde der Staat mich wohl in Anspruch nehmen. Daher überlege ich, mittelfristig eine Immobilie zur Eigennutzung zu kaufen. Das wäre nach meinem Verständnis zwar keine ertragbringende Investition, sondern Konsum. Allerdings werden Immobilien im deutschen Rechtssystem besser geschützt als Geldvermögen und ich könnte zur Finanzierung auch das ETF-Depot und den Riestervertrag einsetzen.

Ich betrachte meinen Ansatz zur Kapital-Anlage als dauerhaften Prozess, den ich immer wieder überprüfen und unterschiedlichen Einflussfaktoren anpassen muss, ohne das langfristige Ziel aus den Augen zu verlieren. Und auch wenn es ein paar offene Fragen und Unsicherheiten gibt: Ein guter Plan heute ist besser als ein perfekter Plan morgen.

Dieser Artikel ist mein Beitrag zu Privatiers Blogparade über Kapital-Anlage, bei der Blogger dazu aufgerufen sind, ihre unterschiedlichen Strategien zur Diskussion zu stellen.
   

Kommentare:

  1. Hallo Armer Charlie,

    ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bedanken, dass Du an der Blogparade "Meine Strategie für die Kapitalanlage" teilgenommen hast. Vielen Dank für Deinen Beitrag!

    Inzwischen habe ich eine Zusammenfassung aller Beiträge erstellt:
    http://der-privatier.com/ergebnisse-der-blogparade-meine-strategie-fuer-die-kapital-anlage/
    die ich wirklich jedem empfehlen möchte.

    Hier gibt es eine ziemlich eindeutige generelle Richtung, aber auch viele sehr interessante Abweichungen und Details. Unbedingt lesen!

    Gruß, Der Privatier

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    1. Hallo Privatier,

      die Blogparade hat wirklich sehr interessante und lesenswerte Ansätze ergeben, die für jeden Kapitalanleger eine Hilfe sein können.

      Falls es noch einmal eine Blogparade geben sollte, zu der ich etwas beitragen kann, mache ich gerne wieder mit.

      Gruß vom Armen Charlie

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  2. Hallo Charlie,

    dass sieht doch super aus. Mein Plan ist ähnlich. Der wichtigste Satz ist aber meiner Meinung nach schon ganz oben: "Ich gebe weniger aus als ich einnehme". Wer diese Grundregel beachtet und mehr oder weniger aktiv daran arbeitet die Sparquote zu erhöhen (Also versucht mehr Geld zu verdienen und weniger auszugeben), der wird wohl 90% seiner Mitmenschen finanziell überlegen sein ohne dafür riesige Einschnitte hinnehmen zu müssen.

    VG Jan

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    1. Hallo Jan,

      danke für Deinen freundlichen Kommentar. Ich finde es auch erstaunlich, dass die einfachste Regel der Kapitalanlage von so wenigen Menschen beachtet wird. Viel Erfolg für Deinen Plan.

      Gruß vom Armen Charlie

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  3. Hallo Charlie,

    sieht sehr gut aus deine Strategie. Nur der Riester-Vertrag passt nicht so ganz in die Auflistung, auch wenn du ja begründet hast, warum du einen solchen abgeschlossen hast...

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    1. Danke für deine Einschätzung, EasyWISA. Aufgrund des allgemeinen Riester-Bashings sehe ich meinen alten und gut verzinsten Vertrag mittlerweile als eine Art antizyklisches Investment. Passt doch irgendwie ganz gut in meine Strategie, finde ich.

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