Freitag, 10. Juli 2015

Zehn Jahre Riester - und ich bleibe dabei

In früheren Artikeln habe ich schon erwähnt, dass ich in eine Riester-Rentenversicherung einzahle. Über den Sinn und Unsinn von Riester-Verträgen zur Altersvorsorge wird ja heftig diskutiert. Ich habe meinen Vertrag im Jahr 2005 abgeschlossen und möchte (nachdem ich vor kurzem meinen Steuerbescheid für 2014 bekommen habe) eine 10-Jahres-Bilanz ziehen, Vor- und Nachteile abwägen und entscheiden, ob diese Form des Sparens weiterhin zu meiner Strategie passt.

Zuerst einige Eckdaten:

Bei meinem Altersvorsorgevertrag handelt es sich um eine klassische Riester-Rentenversicherung mit Zahlung einer Rente ab dem 65. Lebensjahr. Die Rente wird lebenslänglich an mich oder mindestens zehn Jahre unabhängig von meiner Lebensdauer an meine Erben gezahlt. Der Garantiezins auf das gesparte Kapital beträgt 2,75%. Bis zum Rentenbeginn muss ich 4% meines Bruttoarbeitseinkommens abzüglich der staatlichen Zulage von 154 EUR an Versicherungsbeiträgen zahlen (was sich je nach familiären Verhältnissen oder auch gesetzlichen Rahmenbedingungen aber durchaus ändern kann).

Nach zehn Jahren sieht das Ergebnis wie folgt aus:

  • Ich habe von 2005 bis 2014 eigene Beiträge (ohne die staatlichen Zulagen) von 12.381 EUR eingezahlt.
  • Die Beiträge habe ich als Sonderausgaben in meinen jährlichen Steuererklärungen angegeben und 3.532 EUR wieder erstattet bekommen.
  • Mein tatsächlicher Beitrag betrug also nur 8.849 EUR.
  • Der Wert meines Riester-Vertrags zum 31.12.2014 beläuft sich auf 14.481 EUR.
  • Damit habe ich in den bisherigen zehn Jahren Ansparphase einen Wertzuwachs von 5.632 EUR oder eine mittlere Rendite von 6,36% p.a. erzielt. Diese Rendite kann sich sehen lassen, wie ich meine.
  • Wenn ich den Vertrag mit diesem Wert ruhend stelle und keine Beiträge mehr einzahle, garantiert mir die Versicherung eine Rente von 118 EUR monatlich ab 65. Wenn ich die im Jahr 2014 geleisteten Beiträge in unveränderter Höhe weiterzahle, beträgt die garantierte Rente 412 EUR. Mögliche Überschussanteile der Versicherung sind dabei nicht berücksichtigt und könnten noch hinzukommen. Diese Zusagen finde ich eher enttäuschend, denn die Rentenzahlungen müssen später noch voll versteuert werden. Und im Vergleich dazu erhalte ich mit meinem Aktienportfolio schon jetzt Dividenden von durchschnittlich mehr als 350 EUR netto monatlich.
Das spricht in meinem Fall für und gegen die Riester-Rente:

Pro:
  • Die Rendite in der Ansparphase ist in meinen Augen durchaus gut, was im wesentlichen an der staatlichen Zulage und den Steuerermäßigungen liegt.
  • Die Versicherung zahlt mir später eine lebenslange Rente, also genau das, was ich erreichen möchte, um nicht vollständig vom Altersversorgungsanspruch aus meiner beruflichen Tätigkeit abhängig zu sein.
  • Falls ich es mir anders überlege, könnte ich den Riester-Vertrag auch zur Finanzierung einer selbstbewohnten Immobilie einsetzen.

Contra:
  • Die Kosten des Riester-Vertrags sind sehr hoch: Abschluss- und Vertriebskosten von 2% der Eigenbeiträge und staatlichen Zulagen, laufende Verwaltungskosten von 1% der eingegangenen Beiträge plus 0,011% des gebildeten Kapitals sowie eine Vertragsführungsgebühr von 1 EUR monatlich.
  • Der Wert der Rente steht nicht genau fest. Das liegt an möglichen Überschüssen der Versicherung, der Inflation und meiner nicht vorhersehbaren Steuersituation im Rentenbezugsalter. Ob ich zumindest meine Beiträge wieder zurückbekomme, hängt davon ab, wie lange ich lebe.
  • Diese Unwägbarkeiten und ein dickes Vertragswerk machen die Altersvorsorge mit Riester zu einer komplizierten Angelegenheit.

Die folgenden Möglichkeiten stehen mir zur Auswahl:

  • Kündigung: Meiner Meinung nach die schlechteste Entscheidung, denn ein Teil meiner gezahlten Beiträge wäre verloren und ich müsste zudem die staatlichen Zulagen sowie die Steuererstattungen komplett ans Finanzamt zurückzahlen.
  • Ruhendstellung: Ich könnte den Riester-Vertrag beitragsfrei stellen. Der bisher erworbene Rentenanspruch bliebe bestehen, Rückzahlungen würden nicht anfallen. Das wäre eine denkbare Option, wenn ich die Beiträge, die ich mir künftig erspare, anderweitig sicherer oder profitabler anlegen könnte.
  • Weiterführung: Ich habe mich nach einigem Überlegen dafür entschieden, vorerst weiterhin in den Riester-Vertrag einzuzahlen. Vor allem, weil ich mit Riester meine Altersversorgung auf drei Säulen stelle: den gesetzlichen Anspruch, meine Dividendeneinnahmen und die Riester-Rente. Ich gehe auch davon aus, dass meine Versicherung zahlen wird, denn das Unternehmen gehört zu den finanzstärksten der Branche. Einen hohen Vermögenszuwachs oder eine spätere Vollversorgung erwarte ich daraus nicht, denn das ist nicht der Zweck einer Riester-Rentenversicherung. Es ist, wie der Name schon sagt, eine Versicherung, mit der ich das Risiko einer möglichen Versorgungslücke im Alter im nötigsten Umfang abdecken kann. Und dafür scheint mir mein Vertrag, trotz der hohen Kosten, geeignet zu sein. Außerdem steht es mir frei, später einmal eine Immobilie damit zu finanzieren oder den Vertrag doch noch ruhend zu stellen, je nachdem, wie sich meine persönliche Zukunft entwickeln wird.
Fazit:

Ich bin mit der Riester-Rentenversicherung nicht hundertprozentig glücklich und würde sie heute nicht mehr abschließen. Aber nach der 10-Jahres-Bilanz sehe ich auch keinen Grund zur Panik. Riester passt momentan ganz gut in meine Anlagestrategie und deshalb bleibe ich dabei.

Kommentare:

  1. Hallo Charlie,

    zuerst einmal ein Lob an dich, dass du regelmässig postest - auch wenn ich nicht oft einen Kommentar schreibe - ich komme doch mehrmals die Woche vorbei und lese gerne deine Artikel. Ich finde mich fast in jedem selber wieder ... Weiter so!

    Auch weil ich das Gefühl habe, dass wir vom Alter (ich bin aber erst Anfang 80 und keine 90 so wie du ;-P ) und vom Depot/Dividenden im ähnlichen Bereich laufen, schreibe ich jetzt gerne was zu meinem Riester-Stand Ende 2014.

    Im Gegensatz zu dir habe ich mich (meiner Meinung im nachhinein zum Glück) im Dez. 2006 damals für die UniProfiRente entschieden. Hier nun meine Zahlen - mit deiner "Eigenkaptialrendite-Rechnung" musste ich selber eben staunen!


    Einbezahlt 2006 - 2014 (ohne Grundzulagen): 16.612 EUR (Anmerkung: ich habe immer den max. Beitrag gezahlt
    Steuererstattung 2006 - 2014: 5.633 EUR
    tatsächlichen Beitrag somit: 10.979 EUR

    Aktueller Stand 31.12.2014 (inkl. Grundzulagen und Wertentwicklung): 26.973 EUR !!!
    Wertzuwachs zu tatsächlichen Beitrag somit: 15.994 EUR

    Und jetzt kommt der Hammer - oder wie du so schön schreibst "mittlere Rendite" bei mir auf 9 Jahre: 16,18%


    Anmerkung: Ich will hier nicht prallen oder sonst was - das sind alles echte Zahlen und die Zeit bzw. die Sparraten in der Finanzkrise 2007-2009 haben sich als Rendite-Turbo erwiesen. Und das sollten wir alle Mitnehmen: Regelmässig sparen - liegen lassen und dann irgendwann freuen.

    Fazit: Das allgemeine Riesterbashing ist für mich zwar verständlich (Versicherungen mit hohen Kosten), aber es geht auch anders - siehe oben ... Und noch einmal: Ich hatte 2006 Glück nicht an den falschen "Berater" zu kommen.

    Aber eine wichtige Frage am Ende an dich Charlie: Warum hast du 2005 nicht auf die Börse gesetzt bzw. warum siehst du einen Wechsel zu einem Fondssparplan nicht als Möglichkeit für dich an?

    Freue mich auf Feedback

    Gruss TS

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    1. Hallo TS,

      die Zahlen Deines Riester-Fondssparplans sehen ja hervorragend aus, gratuliere!

      Bei mir war es so, dass ich die Versicherung auf Empfehlung eines Bekannten in der Familie abgeschlossen habe. Deshalb kann von einer echten Beratung keine Rede sein. Aber zugegeben, ich habe mich damals auch nicht besonders für Aktien und Fonds interessiert. Tja, mit dem Alter wird man eben klüger ;)

      An einen Vertragswechsel habe ich bisher nicht gedacht, das ist eine gute Anregung. Interessant fände ich aber keinen gewöhnlichen Aktienfondssparplan, sondern Riestersparen mit Indexfonds/ETFs. Mal sehen, ob es so etwas gibt und für mich in Frage kommt.

      Danke fürs Lesen meines Blogs und Deine lobenden Worte.

      Gruß vom Armen Charlie

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  2. Eine Verständnisfrage zur Renditekalkulation. Vielleicht habe ich da ja etwas falsch verstanden, aber aktuell würde ich anders rechnen.

    Ich habe das mit der Riesterrente so verstanden, dass in der Auszahlungsphase der komplette Betrag mit dem persönlichen Steuersatz versteuert wird, nicht nur die Zinsen und nicht (nur) die Abgeltungssteuer. Dafür ist während der Einzahlphase der Beitrag steuerfrei. Richtig?

    Bei einer Einzahlung von Brutto 16612 und einer steuerpflichtigen Auszahlung von 26973 ergibt das nach meinem Verständnis einen (steuerpflichtigen) Wertzuwachs von 26973-16612=10361 und keineswegs 15994. Immer noch schön, aber nicht mehr ganz so schön. Zusätzlich werden später die ursprünglichen 16612 natürlich auch versteuert.

    Man kann die Rendite auf Nettobasis rechnen mit eingesetzten Netto 10979. Dann müsste man wissen, was nach Versteuern des Gesamtbruttobetrages von 26973 noch übrig bleibt. Beispiel: Bei einem angenommenen Grenzsteuersatz von 35% blieben 17532 netto übrig bei eingesetzten 10979 netto. Gerechnet auf die oben genannten 9 Jahre sind das 5,3%. Ganz nett, aber auch weit weg von den genannten 16%.

    Weiterhin viel Erfolg bei allen Anlagen.

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