Mittwoch, 19. August 2015

Warum ich nicht PayPal kaufe

Seit der Abspaltung von eBay ist die PayPal Holdings Inc. (A14R7U) als eigenständiges Unternehmen an der Börse notiert. PayPal bietet eine Internetplattform für elektronischen Zahlungsverkehr an. Das System ist sehr einfach mit einer E-Mail-Adresse zu nutzen und gilt als sicher und vertrauenswürdig. 169 Millionen Kundenkonten weltweit sind bei PayPal registriert. Über den Börsengang Ende Juli und die überragenden Wachstums- und Gewinnaussichten von PayPal im digitalen Bezahlmarkt wurde in den Medien ausführlich berichtet.

Vor kurzem haben nun sogar zwei bekannte deutsche Value- bzw. Dividendeninvestoren die Aktie von PayPal gekauft und in ihren Blogs darüber geschrieben. Hier sind die Links:

Das hat mich überrascht und ich habe mir überlegt, ob PayPal auch für mein Aktienportfolio eine Bereicherung sein könnte. Mein Ausgangspunkt für die Kapitalanlage ist immer das Ziel, das ich erreichen will: Ein breit gestreutes Depot aus Qualitätsunternehmen aufzubauen und diese langfristig zu halten, um aus den regelmäßigen Dividendenzahlungen ein stetig steigendes Zusatzeinkommen zu erzielen. Dazu lege ich jeden Monat Geld zurück, das ich in Anlehnung an meine definierten Kaufkriterien in angemessen bewertete Dividendenaktien investiere. Wenn ich PayPal daran messe, komme ich zu einem sehr eindeutigen Ergebnis:

Geschäftsmodell:
PayPal verdient sein Geld mit einer Dienstleistung, die ich zwar grundsätzlich verstehe: Die elektronische Durchführung und Annahme von Zahlungen. PayPal wird in der Welt des Onlinehandels weithin akzeptiert und ist eine bekannte und starke Marke. Was ich an dem Geschäftsmodell jedoch nicht überblicke, ist die dahinterstehende Technologie und die Chancen in den nächsten 10 oder 20 Jahren. Ob ich und 169 Millionen weitere Onlinekäufer dann noch PayPal oder eine andere Technologie eines anderen Unternehmens nutzen werden, kann ich nicht abschätzen. Daher halte ich mich lieber an Charlie Mungers Rat und bin bei Aktien von Technologieunternehmen - und dazu zähle ich auch PayPal - sehr zurückhaltend.

Gewinn- und Dividendenwachstum:
PayPal kann als neues und unabhängiges Unternehmen keine Gewinn- und Dividendenhistorie vorweisen. Ein Unternehmen, dass keine Dividenden zahlt, passt nun eindeutig nicht zu meiner Anlagestrategie. Und ob sich die Hoffnungen auf Kurs- und Gewinnsteigerungen, die mit ein Auslöser für die Trennung von eBay waren, realisieren lassen, ist reine Spekulation. Es wird vermutlich stark auf das Geschick des Managements bei der Gewinnung neuer Kunden und der Erhöhung der Anzahl der Zahlungsvorgänge mit PayPal ankommen. Darauf möchte ich mich lieber nicht verlassen. Wie sagte schon Warren Buffett: Investiere nur in Unternehmen, die auch von einem Idioten geleitet werden können.

Bewertung:
Die derzeitige Bewertung von PayPal an der Börse mit einem KGV von über 40 spiegelt die hohen Erwartungen der Marktteilnehmer wider. Ich halte diese Erwartungen für irrational, denn in der sich schnell verändernden Fintech-Branche sind die Erträge, die PayPal in Zukunft wahrscheinlich erwirtschaften kann, nicht sicher zu prognostizieren. Selbst wenn alle sonstigen Voraussetzungen für einen Kauf erfüllt wären: Auch für ein Qualitätsunternehmen möchte ich keinen überhöhten Preis bezahlen.

Fazit:
Ich kann den Kauf von PayPal-Aktien im Rahmen einer Value- oder Dividendenstrategie nicht nachvollziehen. Es handelt sich in meinen Augen nicht um eine Investition, sondern eine Spekulation auf noch höhere Börsenkurse, die von Medien, Analysten und Zockern angetrieben wird. Nun ist Spekulieren an sich nicht verboten und auch nicht unethisch. Und in manchen Situationen ist es auch angebracht, von seiner Anlagestrategie abzuweichen. Allerdings hat die Vergangenheit gezeigt, dass Spekulationen und viel strategisches Hin und Her mit Aktien meist ein sicherer Weg zum Reichtum für Banken, Broker und Börsen sind, aber leider nicht für private Kleinanleger.

Um mein Ziel zu erreichen, brauche ich PayPal nicht. Ich bleibe bei meiner ruhigen und systematischen Strategie der konservativen Investitionen in Dividendenaktien und werde weiterhin in diesem Blog darüber schreiben.

Kommentare:

  1. hy charly,

    man sollte nicht immer mit der Herde rennen,leider wird in einigen Blogs vieles von US Dividenden Jägern übernommen, wie wir beide schon gesagt hatten, mir fehlen da Europäische Aktien.

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    1. Hallo Dieter,

      für dividendenorientierte Anleger ist die Auswahl bei US-Aktien einfach viel größer als bei europäischen Aktien. Aber du hast natürlich recht, dass man nicht blind der Masse folgen sollte, und bei PayPal werde ich das auch nicht tun.

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  2. Der springende Punkt ist für mich die Unsicherheit im Fintech Bereich. Ich bin jetzt kein Experte in Paypals Geschäftsbereich. Aber ich bin schon länger im P2P Lending aktiv, wo imho Lending Club in einer ähnlichen Situation ist.

    Primus aber auch Dinosaurier der Branche: Allein in Europa gibt es > 100 Mitbewerber. Nichts außer ein Gamble.

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    1. Generell kaufe ich die Marktführer einer Branche, wie z.B. PayPal im Bereich Fintech, schon ganz gerne. Aber wie du richtig sagst, wenn ich die Branche nicht verstehe, hilft mir auch die Marktführerschaft nichts. Es wäre nur eine riskante Wette, auf die ich lieber verzichte.

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  3. Bleibt abzuwarten, wie sich das ganze in Zukunft noch entwickeln wird. Ich jedenfalls bin sehr gespannt darauf.

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  4. Hallo Armer Charlie,

    was ich noch nicht verstehe ist, wieso Paypal aktuell in Dividenden-Blog's so heiß läuft, wo noch gar nicht feststeht, ob Paypal Dividende zahlen wird.
    Selbst der Termin der Hauptversammlung steht noch nicht fest: http://www.hauptversammlungs-termine.de/dividenden-kalender-paypal.html

    Liebe Grüße
    Annegret

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    1. Hallo Annegret, wahrscheinlich haben viele Dividendeninvestoren die Hoffnung, dass sich PayPal in Zukunft zu einem Dividendenzahler entwickeln wird und wollen von Anfang an dabei sein. Wir werden sehen, ob diese Einschätzung richtig ist. Ich bleibe bei PayPal weiterhin erst mal außen vor.

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