Freitag, 25. September 2015

Commonwealth Bank of Australia: Kapitalerhöhung um eine Aktie

Im vergangenen Monat August bekam ich ein Schreiben meiner Depotbank, dass die Commonwealth Bank of Australia eine Kapitalerhöhung gegen Bareinzahlung durchführt. Als Aktionär der Commonwealth Bank erhielt ich das Recht, an der Kapitalerhöhung teilzunehmen und neu ausgegebene Aktien der Gesellschaft zu beziehen. Der Preis für die neuen Aktien war mit 71,50 AUD festgelegt. Der Börsenkurs bewegte sich zu der Zeit bei etwa 80 AUD. Das Angebot erschien also durchaus attraktiv. Was an der Sache kurios war: Die Anzahl meiner bestehenden Aktien der Commonwealth Bank berechtigte mich zum Kauf von genau einer einzigen neuen Aktie. Ich hatte bis dahin zwar schon andere Kapitalmaßnahmen, wie Aktiensplits oder Spin-Offs erlebt, mich aber noch nie an einer Kapitalerhöhung beteiligt. Aus Neugier erteilte ich meiner Bank den Auftrag, hier tätig zu werden und eine Aktie in mein Depot zu holen. Das ging ganz einfach, weil im Servicebereich schon ein elektronisches Auftragsformular hinterlegt war, das ich nur noch anklicken und mit einer TAN bestätigen musste.

In der folgenden Wartezeit von rund drei Wochen bekam ich dann ein ungutes Gefühl: Der Aktienkurs an der Börse fiel fast bis auf den Bezugspreis, so dass das Angebot im Rahmen der Kapitalerhöhung gar nicht mehr attraktiv erschien. Und ich war wohl nicht der Einzige, der so dachte: Die Commonwealth Bank wollte Aktien für 5,1 Mrd. AUD ausgeben, um Vorgaben der australischen Aufsichtsbehörde über die Finanzreserven der Banken zu erfüllen. Papiere im Wert von 2,1 Mrd. AUD gingen an institutionelle Investoren, die restlichen 3,0 Mrd. AUD sollten von Kleinaktionären kommen. Es fanden sich zunächst allerdings nur Abnehmer für 1,5 Mrd. AUD. Erst nach einer weiteren Angebotsrunde konnte die Kapitalerhöhung Mitte September  abgeschlossen werden.

Vor wenigen Tagen kam dann die Abrechnung meiner Bank: Ich habe tatsächlich eine neue Aktie der Commonwealth Bank für 71,50 AUD, umgerechnet 44,84 EUR, bekommen. Dazu wurde mir aber noch die übliche Provision von 9,90 EUR in Rechnung gestellt. Damit hat mich die Aktie letztlich 54,74 EUR gekostet. An der Börse Frankfurt wird das Papier aktuell bei etwa 45 EUR gehandelt. Im Ergebnis war die Teilnahme an der Kapitalerhöhung also kein gutes Geschäft für mich.

Dennoch bereue ich die Entscheidung nicht, bin ich doch wieder um ein paar Erfahrungen reicher geworden:
  • Auch als ausländischer Kleinanleger besteht die Chance, bei Kapitalmaßnahmen berücksichtigt zu werden.
  • Die Abwicklung von Kapitalerhöhungen über meine Bank ist unkompliziert und zur üblichen Orderprovision möglich.
  • Kapitalerhöhungen gegen Bareinzahlung lohnen sich wegen der Provision erst ab einer gewissen Mindestsumme, ähnlich wie Aktienkäufe an der Börse.
  • Neue Aktien sollten mit einem möglichst hohen Abschlag auf den Börsenkurs angeboten werden, sonst kann ein direkter Kauf über die Börse der günstigere Weg sein.
Die Commonwealth Bank of Australia (882695) ist eine der großen Universalbanken Australiens und bietet Privat- und Geschäftskunden ein vollständiges Portfolio an Finanzdienstleistungen an. Die Commonwealth Bank wurde 1911 gegründet und hat heute über 800.000 Aktionäre und 52.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen ist ein zuverlässiger Dividendenzahler: In den letzten zehn Jahren stieg die Ausschüttung von 2,24 AUD je Aktie auf 4,20 AUD. Der Gewinn je Aktie ist im selben Zeitraum von 3,04 AUD auf 5,60 AUD gewachsen. Nur während der Finanzkrise im Jahr 2009 musste die Bank die Dividende einmal geringfügig kürzen. Die Ausschüttungsquote liegt regelmäßig bei ungefähr 75%. Das Unternehmen wird zu den am besten kapitalisierten Banken der Welt gezählt. Momentan ist die Aktie für ein KGV von ca. 13 zu haben und bietet eine Dividendenrendite von 5,7%. Die Aktie der Commonwealth Bank of Australia ist eine solide Kapitalanlage, die ich langfristig halten werde.
  

Kommentare:

  1. Irgendwie komm mir das seltsam vor. Wenn du sagst dass die Bank so gut kapitalisiert ist, warum muss sie dann eine Kapitalerhöhung durchführen? Und wenn der Umfang der Kapitalerhöhung so gering ist dass du nur eine Aktie bekommst, warum lässt man dann nicht ein Jahr die üppige Dividende ausfallen um das Kapital mit weniger Transaktionskosten aufzubringen?

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    1. Es ist ganz einfach, jedenfalls aus meiner Sicht:
      1) Die Commonwealth Bank of Australia ist regelmäßig unter den TOP 50 der sichersten Banken der Welt, einer Untersuchung des Global Finance Magazins, und sie wird von den Ratingagenturen mit AA bewertet. Eine Kapitalerhöhung haben alle vier großen Banken in Australien durchgeführt, um strengere Finanzmarktvorschriften zu erfüllen.
      2) Das Verhältnis der Kapitalerhöhung war 23:1, d.h. für 23 bestehende Aktien konnte man eine neue erwerben. Die DiBa hat Aktienbruchteile abgerundet. So hatte ich mit meinem Bestand eben nur Anrecht auf eine neue Aktie.
      3) Ob die Commonwealth Bank das zusätzliche Kapital durch eine Aussetzung der Dividende hätte günstiger aufbringen können, weiß ich nicht. Für mich als dividendenorientierten Anleger wäre die Aktie dann aber nicht mehr interessant.

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  2. Das Verwässerungsverhältnis von 23:1 klingt ja als ob das Kapital um etwa 4,6% aufgestockt würde - das wäre also durch die Dividende zu decken gewesen. Da die aber von den Aktionären versteuert werden muss, finde ich die Vorgehensweise nicht optimal. Nun ja, wenn viele so wie du auf eine ununterbrochene Dividendenhistorie schauen, dann könnte es sogar ein bisschen Sinn machen um den Kurs langfristig zu stützen. Als kurzfristige Kapitalallokation finde ich es wenig sinnvoll...

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