Mittwoch, 16. September 2015

Drei Dividendenideen aus Grossbritannien


In Sachen Aktienanlage sind die Briten den Deutschen deutlich voraus. Die vollständige Liberalisierung des Finanzmarktes in den 1980er Jahren machte London zur Finanzhauptstadt Europas. Die ausgeprägte Aktienkultur wird von der Politik durch die Förderung der Altersvorsorge mit Aktien unterstützt. Für mich als dividendenorientierten Investor Grund genug, um nach dem niederländischen Aktienmarkt einmal einen genaueren Blick auf Grossbritannien zu werfen:
  • Große Auswahl: Wenn ich nach ausländischen Aktien für mein Dividendenportfolio suche, dann sind die jeweiligen Börsenindizes für mich eine wahre Fundgrube. Dabei wird schnell klar, dass die Briten viel breiter aufgestellt sind als wir. Der FTSE 100 ist der wichtigste Index und enthält die 100 größten und umsatzstärksten Unternehmen an der Londoner Börse. Der FTSE 250 ist der Midcap-Index mit 250 Unternehmen mittlerer Größe. Zusammen bilden sie den FTSE 350.
  • Eigene Währung: Mit britischen Aktien hole ich mir nicht nur ein weiteres Herkunftsland ins Depot, sondern ich nehme auch an der Wertentwicklung des britischen Pfund teil. Das kann für Euroanleger auf der einen Seite riskant sein. Andererseits finde ich das Pfund in letzter Zeit vertrauenswürdiger als den Euro. Und eine eigene Währung ist ein zusätzliches Element zur Diversifizierung meines Aktienportfolios, die mir grundsätzlich sehr wichtig ist.
  • Steuerfreiheit: Ein unschlagbares Argument ist die Quellensteuerfreiheit von Dividendenausschüttungen für ausländische Investoren. Mein Ziel, ein spürbares Zusatzeinkommen aus Dividenden zu erwirtschaften, erreiche ich natürlich einfacher und schneller, wenn ich die Dividenden ohne Abzüge ausgezahlt bekomme.
Bei meiner Recherche nach möglichen Dividendenaktien habe ich bekannte britische Unternehmen wie GlaxoSmithKline und Imperial Tobacco ausgespart und gezielt nach kleineren Werten gesucht, die meinen üblichen Kaufkriterien nahe kommen. Das Ergebnis sind die folgenden drei Ideen für ein dividendenorientiertes Aktiendepot:

Britvic plc (A0HMX9) produziert und vertreibt alkoholfreie Softgetränke in Grossbritannien, Irland und Frankreich. Britvic hat mehrere starke Eigenmarken entwickelt, u.a. Robinsons, J20 und Tango, und besitzt die exklusive Lizenz für mehrere Getränkemarken von PepsiCo. Die Briten möchten international weiter expandieren und haben kürzlich die Übernahme eines brasilianischen Getränkeunternehmens angekündigt. Seit 2006 wird eine Dividende gezahlt, die seither von 0,10 GBP auf 0,21 GBP im Jahr 2014 gewachsen ist. Der Gewinn je Aktie stieg im selben Zeitraum von 0,18 GBP auf 0,41 GBP. Bei einem Kurs um 6,50 GBP ist die Aktie mit einem KGV von rund 16 und einer Dividendenrendite von 3,2% attraktiv bewertet.

Dechra Pharmaceuticals plc (578968) ist ein global tätiges Pharmaunternehmen für die Tiermedizin. Dechra entwickelt, produziert und verkauft Medikamente, Diät- und Futtermittel für Haustiere, Nutztiere und Pferde. Das Unternehmen wurde im Jahr 2000 an die Londoner Börse gebracht und ist seitdem stark gewachsen. Die Dividende wurde in den letzten zehn Jahren in Folge von 0,06 GBP auf 0,16 GBP erhöht. Der Gewinn je Aktie stieg im selben Zeitraum von 0,14 GBP auf 0,39 GBP. Wirklich günstig wird man einen Wachstumswert wie Dechra nur schwer bekommen. Trotzdem scheint die Aktie bei einem Kurs von 9,75 GBP mit einem KGV von 25 und einer Dividendenrendite von 1,6% derzeit etwas überbewertet.

Victrex plc  (898554) ist ein Spezialchemieunternehmen aus Grossbritannien, das Produkte aus Polyaryletherketon entwickelt und produziert. Das ist ein hochleistungsfähiger und leicht zu verarbeitender Kunststoff, der für eine Vielzahl von Anwendungen in der Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrt, Elektronik und Medizintechnik gebraucht wird. Victrex ist auf diesem Markt weltweit führend und konnte den Gewinn je Aktie in den letzten zehn Jahren von 0,29 GBP auf 0,94 GBP steigern. Die Dividende wurde im gleichen Zeitraum jährlich ununterbrochen von 0,12 GBP auf 0,45 GBP erhöht. Zudem ist Victrex schuldenfrei und konnte zuletzt sogar eine Sonderdividende von 0,50 GBP ausschütten. Die Aktie wird bei einem Kurs von ca. 17,00 GBP mit einem KGV von 18 und einer Dividendenrendite von 2,6% gehandelt.

Kommentare:

  1. Hi, sieht interessant aus, ich hab mir mal die Zahlen auf Morningstar kurz angeschaut. Wenn die richtig sind, dann ist Britvic was die Bilanz angeht extrem schlecht aufgestellt und fast kein Eigenkapital. Ohne mich näher mit der Geschichte des Unternehmens beschäftigt zu haben, würde ich es daher nicht als allzu attraktiv bewertet wahrnehmen, zumindest nach Kennzahlen wie EnterpriseValue/EBIT oder KBV. Auch wurden in der Vergangenheit offenbar Verluste gemacht, um ein geringes Eigenkapital zu akzeptieren würde ich eine hohe Gewinnsicherheit und Stabilität fordern.
    Victrex mit langristigen Gesamtkapitalrenditen um die 20% und sehr hoher Eigenkapitalquote (und sogar 2009 noch mit ordentlichen Gewinnen) würde ich von den Zahlen her ganz erheblich vorziehen, falls nicht irgendetwas gegen eine Fortsetzung des bisherigen Geschäftserfolgs spricht...

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    1. Hallo Tobi, danke für den Hinweis auf Morningstar und Deine Einschätzung zu Britvic. Das deckt sich mit den Geschäftsberichten, Britvic arbeitet wirklich mit sehr wenig Eigenkapital. Bisher habe ich die Eigenkapitalquote nicht sonderlich beachtet, weil ich Aktienrecherchen möglichst einfach halten will. Aber vielleicht muss ich meine Bewertungskriterien künftig doch ausbauen, um bessere Ergebnisse zu erhalten.

      Victrex finde ich auch sehr interessant, wobei momentan einige Chemieaktien recht attraktiv bewertet sind. Bei dem Unternehmen ist meiner Meinung nach zu bedenken, dass dieser Kunststoff ein Basismaterial ist, das auch andere herstellen können. Victrex sehe ich deshalb ein wenig wie ein Rohstoffunternehmen, das sich vor allem durch innovative Anwendungen von Wettbewerbern absetzen muss. Bislang ist Victrex das sehr gut gelungen.

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    2. Solange man Unternehmen mit sehr sicheren Gewinnen hat, ist die Eigenkapitalausstattung auch nicht das entscheidende, oft kann man mit geringerer EK-Quote ja auch höhere EK-Renditen erzielen. Allerdings muss man gerade dafür stärker in das Geschäftsmodell einsteigen, was ja auch etas kompliziert ist. Nur wenn in den Zahlen teilweise negatives materielles Eigenkapital ausgewiesen wird, dann halte ich das für ein Warnzeichen dass die Dividendensicherheit nicht gegeben ist.

      Zudem sollte man bedenken, dass hohe Verschuldungsquoten in Zeiten der beginnenden Zinswende mit höheren Kapitalkosten einhergehen dürften.
      Bei Victrex müsste man wahrscheinlich schauen wie Produktmix, Kunden und Patente aussehen wenn man es genau wissen will. Aber die Zahlen der Vergangenheit lassen auf entweder technologische oder Kostenseitige Wettbewerbsvorteile schließen, eine Gesamtkapitalrendite von 20% so lange zu halten ist in der Industrie , gerade Chemie, sonst eigentlich unrealistisch.

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  2. Die geringe Eigenkapitalquote hat mich persönlich bisher auch von GlaxoSmithKline abgehalten, so schön KGV und Dividendenrendite aussehen.

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