Montag, 21. Dezember 2015

Diversifikation oder Dividende?

Nach einigem Überlegen habe ich mich vor ein paar Tagen entschieden, die Aktien des US-Pipelineriesen Kinder Morgan Inc. (A1H6GK) vollständig aus meinem Portfolio zu verkaufen. Der Verlust auf das investierte Kapital von etwa 40% ist zwar schmerzlich. Dennoch hat aus meiner Sicht letztlich kein Weg am Verkauf vorbeigeführt:
  • Offensichtlich hat Kinder Morgan sein eigenes Geschäftsmodell falsch eingeschätzt. Ich kann jedenfalls einem Management, das erst eine Steigerung der Dividende um 10% jährlich in Aussicht stellt und wenige Wochen später eine Kürzung derselben um 75% vornimmt, nicht vertrauen. Ein Qualitätsunternehmen sieht anders aus.
  • Mein Ziel ist es, ein verlässliches und stetig wachsendes Zusatzeinkommen aus Dividenden zu erwirtschaften. Ein Unternehmen, das seine Dividendenzahlungen nicht dauerhaft aufrechterhalten kann, passt grundsätzlich nicht in diese Strategie.
  • Abwarten und hoffen, dass Kinder Morgan seine schwierige Lage überwinden und in einigen Jahren wieder zu alter Dividendenstärke zurückkehren wird, wäre reine Spekulation. Aber ich spekuliere nicht.
  • Mit der einfachen Regel, dass eine Aussetzung oder Kürzung der Dividende automatisch zum Verkauf der Aktie führt, bin ich bisher gut gefahren. Bei AGF Management, Coca-Cola Amatil oder Seadrill, die ich auch nach Dividendenkürzungen verkauft habe, sind die Kurse noch weiter gefallen und höhere Dividenden nicht in Sicht.
Es stellt sich nun die Frage, ob Unternehmen, deren Geschäft mit Rohstoffpreisen zusammenhängt, für eine dividendenorientierte Anlagestrategie generell ungeeignet sind. Das hätte zur Folge, dass ich mich noch von weiteren Aktien trennen müsste, z.B. von BHP Billiton, Chevron und Shell. Womöglich sogar von BASF und Siemens, die auch im Öl- und Gasgeschäft aktiv sind. Mein Aktienportfolio würde schrumpfen und vor allem aus amerikanischen Nahrungsmittel- und Konsumgüterunternehmen sowie ein paar Pharmawerten bestehen. Diese Dividendenaristokraten mit jahrzehntelanger Dividendenhistorie gelten im Allgemeinen als sichere Zahler.

Der Verzicht auf Diversifikation zugunsten (vermeintlich) sicherer Dividenden ist für mich jedoch keine Lösung. Auf die Streuung des Anlagerisikos auf Unternehmen aus unterschiedlichen Staaten und Branchen habe ich von Anfang an geachtet. Ich kann die Entwicklung der Wirtschaft oder einzelner Unternehmen nicht vorhersehen. Heute herrscht in der Rohstoffbranche Depression und in der Chemie- und Pharmabranche Übernahmefieber, morgen kann es wieder ganz anders sein. Als langfristiger Investor kann ich schlechte Phasen aussitzen und zugleich von den Gewinnen und Dividenden der Unternehmen profitieren, denen es gerade gut geht. Deshalb investiere ich breit gestreut und habe inzwischen ein Depot aus 41 Aktien aufgebaut. Das ist quasi mein kleines Beteiligungsunternehmen, das unablässig Dividendenzahlungen produziert. Damit fühle ich mich wohl und wenn eines meiner Unternehmen als Dividendenzahler ausfällt, ist das leichter zu verkraften als mit einem konzentrierten Portfolio aus wenigen Aktien.

Je diversifizierter das Depot, desto sicherer sollten also meine Dividendeneinnahmen insgesamt gesehen sein. Ich lege mich daher fest, bei Rohstoff- und Energieaktien künftig von meiner bisherigen automatischen Verkaufsregel abzuweichen. Wenn das Geschäftsmodell intakt und das Management vertrauenswürdig erscheinen, werde ich diese Unternehmen auch nach Dividendenkürzungen halten und gegebenenfalls nachkaufen. Der erste Fall, bei dem dies passieren könnte, ist BHP Billiton plc (908101), in das ich bereits einen kleinen Teil meines Verkaufserlöses von Kinder Morgan investiert habe. Außerdem habe ich im Dezember meine Positionen in Hershey Co. (851297), Koninklijke DSM N.V. (A0JLZ7), Main Street Capital Corp. (A0X8Y3), Royal Dutch Shell plc A (A0D94M) und SES Global S.A. (914993) aufgestockt.

Damit sind meine Investitionen in Dividendenaktien für das Jahr 2015 abgeschlossen. Im kommenden Januar werde ich Bilanz ziehen und mir neue Ziele für 2016 setzen. Vielen Dank fürs Lesen meines Blogs.

Kommentare:

  1. Wo erhält man zeitnah die Nachricht, dass ein Unternehmen die Dividende gekürzt oder ausgesetzt hat?

    LG

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  2. Auf mydividends.de erfährst du davon innerhalb von 24 Stunden. Entweder täglich rein kucken oder deren Feed abonnieren. Ich habe den Feed auf dem Smartphone und ziehe mir einmal täglich die Meldungen runter.

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    1. Ok danke. MyDividends kenn ich, aber das sind hauptsächlich nur US Aktien oder halt große bekannte Werte aus Europa aber halt nicht alle.

      Gibts noch was anderes?

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    2. Ich kann finanznachrichten.de empfehlen, dort habe ich bisher jede Aktie gefunden. Man kann auch eine Watchlist anlegen und bekommt dann ohne großes Suchen auf einen Blick alle ad-hoc-Meldungen und Informationen über die Unternehmen, die einen interessieren.

      Natürlich erfährt man von Dividendenkürzungen leider auch dort immer erst hinterher.

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