Mittwoch, 10. Februar 2016

Weckt den schlafenden Riesen!

An der deutschen Börse ist ein Unternehmen notiert, das im Dornröschenschlaf liegt. Die Finanzmedien berichten nur selten über die Aktie. Vielen Anlegern dürfte die Börsennotiz des Unternehmens gar unbekannt sein. Und das, obwohl sich der Marktwert auf rund 29 Mrd. EUR beläuft. Ein schlafender Riese sozusagen. Die Aktie erfüllt alle Kriterien eines Qualitätsunternehmens nahezu mustergültig und ist dazu noch deutlich unterbewertet:
  • Das Geschäftsmodell des Unternehmens ist einfach und klar verständlich. Die Produkte werden auf der ganzen Welt für ihre deutsche Ingenieurskunst geschätzt. Das Unternehmen hält eine starke Marke, die jeder kennt und deren Ursprünge bis ins Jahr 1909 zurückreichen.
  • Das Unternehmen verdient viel, sehr viel Geld. Im Jahr 2005 wurde ein Jahresüberschuss von 824 Mio. EUR erwirtschaftet. 2014 waren es schon 4,4 Mrd. EUR. Der Gewinn je Aktie ist dementsprechend von 19 EUR auf rund 102 EUR gestiegen.
  • Die Dividendenzahlungen wurden in diesem Zeitraum von 1,15 EUR auf 4,80 EUR erhöht. Das ist zwar ein schönes Wachstum, lässt aber noch viel Spielraum nach oben, denn die Ausschüttungen machen nicht einmal 5% des Gewinns aus.
  • Das Management des Unternehmens leistet hervorragende Arbeit. Im Jahr 2015 wurde ein neuer Absatzrekord erzielt, so dass mit einem weiteren Gewinnanstieg zu rechnen ist.
  • Dazu kommt ein riesiges Finanzpolster. Die Liquiditätsreserven betragen 16,9 Mrd. EUR. Das sind etwa 390 EUR je Aktie und bedeutet, dass 60% des Marktwerts mit Cash gedeckt sind!
  • Trotzdem wird die Aktie an der Börse mit einem KGV von nur 6,3 gehandelt - eine extrem niedrige Bewertung für die hohe Unternehmensqualität.
Erraten, welches Unternehmen ich meine?

Es geht um die AUDI AG (675700), einen der weltweit führenden Autohersteller im Premiumsegment und Teil des Volkswagen-Konzerns. Und daraus ergeben sich zugleich eine Reihe von Problemen:
  • Die Volkswagen AG hält 99,55% des Aktienkapitals der Audi AG. Im regulären Börsenhandel befinden sich lediglich 0,45% bzw. 193.000 freie Aktien. Der geringe Free Float führt zu hohen Spreads, an vielen Börsentagen werden nur wenige Stücke gehandelt.
  • Zudem ist in einem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag zwischen der Audi AG und der Volkswagen AG festgelegt, dass die außenstehenden Aktionäre lediglich eine Ausgleichszahlung in Höhe der jährlichen Dividende für eine VW-Stammaktie erhalten. Die Erträge von Audi kommen somit fast vollständig dem VW-Konzern bzw. den Eigentümerfamilien Porsche und Piech zugute.
  • Es ist unbekannt, was VW in Zukunft mit Audi vorhat. Eigentlich ist eine eigene Börsennotiz von Audi für nur 0,45% der Aktien mit allen damit verbundenen Kosten und Berichtspflichten unwirtschaftlich und nicht nachvollziehbar.
Als Aktieninvestor stelle ich mir die Frage, ob die genannten Nachteile und Unwägbarkeiten eine derart niedrige Börsenbewertung von Audi rechtfertigen. Ich meine Nein:
  • Die frei umlaufenden Aktien machen bei aktuellen Kursen um 640 EUR immer noch gut 130 Mio. EUR aus. Es gibt sicher Unternehmen mit einer niedrigeren Marktkapitalisierung. Und als Buy-and-Hold-Anleger stört mich ein niedriges Handelsvolumen nicht.
  • Außerdem ist Audi ist viel mehr als der Autohersteller Audi. Zur Audi AG gehören auch der Autohersteller Lamborghini, der Motorradhersteller Ducati und 8,33% der Anteile am FC Bayern München. Diese Vermögenswerte, die Kapitalreserven und die Ertragsstärke von Audi spiegeln sich nicht annähernd im Aktienkurs wider.
  • Selbst wenn man nur ein KGV von 9 zugrundelegt, eine für BMW und Daimler nicht unübliche Bewertung, müsste die Audi-Aktie mehr als 900 EUR kosten, also über 40% mehr als jetzt.
Ich besitze bislang keine Aktien von Audi, da Unternehmen in zyklischen Branchen wie der Autoindustrie üblicherweise keine zuverlässigen Dividendenzahler sind und somit nicht in meine Anlagestrategie passen. Audi könnte zu den aktuellen Kursen jedoch ein sehr gutes Value-Investment sein.

Ich will noch etwas Grundsätzliches anmerken: Den jetzigen Zustand, dass zwei schwerreiche Familien nach Gutdünken über das Schicksal von Audi, eines börsennotierten Unternehmens, bestimmen und die restlichen Aktionäre mit einer winzigen Ausgleichszahlung abspeisen können, finde ich unerträglich. Völlig zu Recht hat jüngst auch der norwegische Staatsfonds die Eigentümer- und Aufsichtsstruktur bei VW kritisiert.

Deshalb meine ich, dass der schlafende Riese Audi geweckt werden muss! VW sollte Gas geben und die Werte dieses Qualitätsunternehmens heben, indem es seine Anteile oder zumindest einen großen Teil davon an die Börse bringt. Audi wäre wie BMW und Daimler im DAX vertreten, dem VW-Konzern würden viele Milliarden zufließen, die er zur Bewältigung der Abgas-Affäre gut gebrauchen kann, und alle Aktionäre würden eine dem Anlagerisiko angemessene Rendite erhalten. Wenn VW das aus welchen Gründen auch immer nicht will, dann sollte es endgültig die Zündung abstellen, Audi von der Börse nehmen und die verbliebenen freien Aktionäre marktgerecht abfinden. 



Quellen:
http://www.wallstreet-online.de/nachricht/8052690-marktkommentar-audi-aktie-vw-krise-chance-bereinigung
http://www.audi.com/content/dam/com/DE/investor-relations/for-investores/investor-presentations/20151211_strotbek.pdf

Kommentare:

  1. Servus & danke.

    Das klingt tatsächlich interessant. Alleine die Tatsache, dass Audi zu VW gehört verbittet allerdings ein Investment. Denen ist nicht zu trauen. (Das habe ich auch vor dem jüngsten Skandal nicht). Audi wäre interessant, wenn VW ganz aussteigt. Das wird allerdings kaum passieren...

    Tom

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    1. Hallo Tom,

      für mich wäre Audi schon interessant, wenn VW zumindest einen Teil seiner Aktien verkaufen würde. Also eine Lösung ähnlich wie bei BMW, da mischt auch die Familie Quandt als Großaktionär mit, trotzdem wird es als DAX-Unternehmen professionell und im Sinne aller Aktionäre geführt. Mal abwarten, ob es bei Audi noch soweit kommt.

      Und Servus vom Armen Charlie

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  2. Hallo charly.
    Was hast du den noch auf deiner watchlist.
    Habe mir cobham aus uk gekauft
    Lg dieter

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    1. Hallo Dieter,

      Cobham kannte ich noch nicht, danke für deinen Hinweis!
      Meine (engere) Watchlist besteht aus diesen 6 Unternehmen:
      http://www.armercharlie.de/2016/01/meine-top-dividendenaktien-fur-2016.html
      Außerdem schaue ich mir gerade den australischen Gesundheitsdienstleister Sonic Healthcare näher an.

      Grüße vom Armen Charlie

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  4. Ich persönlich würde Daimler und BMW zu jeder Zeit Audi vorziehen.
    Insbesondere Daimler ist zu den derzeitigen Kursen für mich DIE deutsche Autoaktie.

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    1. Eine etwas genauere Begründung, warum Daimler derzeit die bevorzugte Autoaktie sein soll, wäre schön. Ich bin immer für gute Argumente dankbar und hoffe, dass mein Beitrag zu Audi trotzdem hilfreich war.

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