Montag, 30. Mai 2016

Wenn ich heute nochmal anfangen würde

Aller Anfang ist schwer, so lautet ein altes Sprichwort. Für jemanden, der sein Geld in Aktien investieren möchte, mag das früher einmal richtig gewesen sein. Es gab kein Internet, in dem man sich auf unzähligen Börsenseiten und Finanzblogs kostenlos informieren kann. Es gab keine Direktbanken, bei denen man schon mit wenig Startkapital sehr günstig Aktiensparpläne einrichten kann. Stattdessen war man von Lehrern und Bankbeamten abhängig, die einem bedenkliches Wissen vermitteln oder eigene Interessen verfolgen.

Heute ist es verhältnismäßig einfach, mit dem Investieren in Aktien zu beginnen. Wenn ich heute nochmal anfangen würde, dann würde ich zunächst im Internet recherchieren, um mir ein grundlegendes Verständnis über Aktien anzueignen. Ich würde mir überlegen, welche finanziellen Ziele ich erreichen will und dann eine passende Anlagestrategie entwickeln. Ich würde Bloggern mit ähnlichen Zielen folgen und ein Online-Musterdepot einrichten. Wer für diese ersten Schritte geeignete Informationsquellen sucht, für den hat Alexander Wolf von "Aktien kaufen für Anfänger" das kostenlose eBook "Die 62 besten Finanzseiten & Finanzblogs" verfasst, das ich wärmstens empfehlen kann. Und zwar nicht nur, weil darin auch mein Blog aufgenommen wurde, sondern weil potenziellen Aktienanlegern damit aller Anfang leicht gemacht wird.

Auch meine Anlagestrategie hat sich unter dem Einfluss verschiedener Finanzblogs entwickelt. Seitdem investiere ich regelmäßig in solide Dividendenzahler, die ich langfristig im Aktiendepot halte und die mir ein nettes Zusatzeinkommen aus Dividenden verschaffen. Dabei achte ich auf eine breite Streuung nach Branchen und Ländern. Angefangen habe ich vor acht Jahren mit fünf Aktien. Wer sich an meiner bodenständigen Strategie orientieren und heute damit anfangen möchte, der könnte sich die folgenden fünf Qualitätsunternehmen in ein Startdepot legen: 

Abbott Laboratories (850103) ist ein breit aufgestellter Gesundheitskonzern aus den USA und entwickelt, produziert und vertreibt Produkte und Dienstleistungen in den Geschäftsfeldern Pharma, Nahrungsergänzung und Medizintechnik. Das Unternehmen zahlt seit 1924 Dividenden aus und hat seine Ausschüttungen in den vergangenen 44 Jahren in Folge erhöht. Abbott hat angekündigt, den US-Medizintechnikkonzern St. Jude Medical zu übernehmen. Mit dem Geschäft wäre Abbott der weltweit führende Medizintechnikanbieter für die Behandlung von Herz- und Nervenerkrankungen. Der Aktienkurs hat während des letzten Jahres um 20% nachgegeben, so dass das Unternehmen aktuell für ein attraktives KGV von unter 20 und einer Dividendenrendite von rund 2,7% zu erwerben ist.

Bayer AG (BAY001) ist ein weltweit präsentes Unternehmen in den Bereichen Pharma und Agrarchemie. Die Gewinn- und Dividendenentwicklung der Leverkusener war in der Vergangenheit zuweilen recht schwankend. Das sollte sich allerdings nach dem Kauf des planbaren Geschäfts mit rezeptfreien Medikamenten von Merck sowie der Ausgliederung des volatilen Chemiegeschäfts mit Kunst- und Werkstoffen unter dem Namen Covestro ändern. Immerhin wurde die Dividende in diesem Jahr schon zum sechsten Mal in Folge angehoben. Zudem bietet Bayer aktuell für die Übernahme des US-Unternehmens Monsanto und würde somit zum globalen Marktführer für Saatgut und Pflanzenschutz aufsteigen. Aufgrund der sehr guten langfristigen Aussichten, einem KGV von 17 und einer Dividendenrendite von 3% bietet die Aktie von Bayer nach meiner Meinung aktuell eine historische Kaufchance.

Nike Inc. (866993) entwickelt und vertreibt Bekleidung, Schuhe, Ausrüstung und Zubehör für Sport und Lifestyle. Dem größten Sportartikelanbieter der Welt gelingt es, mit gigantischen Marketingdeals im Profisport seine Marke so aufzuladen, dass Kunden gerne etwas mehr für die Produkte bezahlen. So steigen Umsatz, Gewinn und Dividende von Nike stetig. Die Ausschüttung wurde in den letzten 14 Jahren kontinuierlich erhöht. Für ein Qualitätsunternehmen wie Nike muss man auch an der Börse etwas mehr bezahlen. Derzeit wird die Aktie mit einem KGV von 26 und einer Dividendenrendite von 1,1% gehandelt. Das ist ambitioniert, aber seit ich die Aktie beobachte, war sie noch nie günstiger.

Royal Dutch Shell plc A (A0D94M) ist eines der größten vollintegrierten Unternehmen der Öl- und Gasindustrie. Der britisch-niederländische Energiekonzern fördert, verarbeitet, transportiert und vertreibt Erdöl und Erdgas sowie petrochemische Produkte. Ich bin davon überzeugt, dass die wachsende Weltbevölkerung auch in Zukunft mehr Öl und Gas für Energieerzeugung und Kraftfahrzeuge benötigen wird. In der aktuellen Niedrigpreisphase hat Shell zwar eine Durststrecke zu überwinden, aber das ist für ein Unternehmen, das den Zyklen des Ölpreises ausgesetzt ist, nichts Ungewöhnliches. Vielmehr ist das die Chance, sich diese solide Öl-Aktie zu einem günstigen Preis ins Depot zu holen. Shell hat seine Dividende seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr reduziert und bietet derzeit eine Rendite von über 7%.

Unilever N.V. (A0JMZB) produziert und vertreibt Konsumgüter des täglichen Bedarfs in den Bereichen Körperpflege, Wasch- und Reinigungsmittel, Nahrungsmittel und Getränke. Der weltweit zweitgrößte Konsumgüterkonzern aus den Niederlanden zahlt bereits seit 1937 Dividenden und hat seine Ausschüttung in den letzten 21 Jahren in Folge erhöht. Die Aktie von Unilever wird aktuell mit einem KGV von 23 und einer Dividendenrendite von 3,1% gehandelt. Die Bewertung ist ambitioniert, aber günstiger als die Wettbewerber Nestlé und Procter&Gamble.

Kommentare:

  1. Hallo Charlie,
    ich bin ein Anfänger was Aktien betrifft. Du hast Recht, wenn du sagst, dass es heutzutage viel einfacher ist sich über diverse Anlagestrategien zu informieren als früher. Ich habe einige Finanzblogs gelesen. Manche waren sehr ausführlich, andere widerum etwas oberflächlich. Deshalb vielen Dank für die Anlagetipps.
    Gruß Pepe

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    1. Hallo Pepe,

      praktische Anlagetipps und eigene Erfahrungen sind ein wesentlicher Bestandteil dieses Blogs. Es freut mich, wenn ich Dir damit weiterhelfen kann.

      Grüße vom Armen Charlie

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  2. Seit ungefähr 2 Jahren verfolge ich die Finanzblogger-Szene.
    Ich weiß nicht, wenn ich damals als ich mit Aktien anfing, diese Blogs gelesen hätte, ob sie mir wirklich etwas gebracht hätten.

    Es wird ziemlich viel Unsinn erzählt, da erzählen 18 bis 25 jährige wie sie großartig in Aktien investieren.
    So nebenbei erfährt man dann, das deren Depot gerade mal 5000 Euro enthält. Aktien werden in Größen von 300 - 500 Euro geordert.

    Es scheint mir, daß jeder Facebooknutzer der "Aktien" fehlerfrei schreiben kann, plötzlich einen Finanzblog betreibt, EBooks und Seminare verkauft ...

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    1. Klar gibt es Qualitätsunterschiede, sowohl bei den Bloggern als auch den Blogs. Ob und welcher Blog einem etwas bringt, hängt aber auch davon ab, wo man selbst gerade steht. Ich wäre froh, wenn ich schon im Alter von 18 bis 25 Blogs gekannt und mit dem Investieren begonnen hätte. Kleine Aktienorder von damals wären heute sehr viel wert.

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  3. Hallo CHarlie,

    deinen Blog, deine Transparenz und all die Infos finde ich toll! Vielen Dank dafür!
    Ich habe mich eingelesen und beschlossen die Strategie umzusetzen.
    Meine aktuelle Strategie an der Börse basiert auf den Directors Dealings.

    Mein erstes langfristiges Investment ist die BAYER AG, bei der es nun auch kräftige Insiderkäufe gab.

    Gerne möchte ich dich nach deiner Meinung zu der Veolia Environnement und der Bijou Brigitte AG fragen. Die Dividenden und Gewinne erfüllen zwar nicht die Kriterien, jedoch ist Veolia Environnement in dem Segment Wasser- und Abwasser tätig, der in unserer Zukunft sehr bedeutend sein wird. Zudem hat der Vorstand bis 2018 eine Dividendensteigerung von 10% pro Jahr angekündigt. Bei der Bijou Brigitte AG gab es Insiderkäufe, die mich auf einen Turnaround und steigende Dividenden hoffen lassen. Beide Unternehmen haben aktuell eine attraktive Dividendenrendite.

    Beste Grüße Paul

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    1. Hallo Paul,

      Glückwunsch zu deiner Entscheidung, in Aktien zu investieren. Ich denke, mit Bayer ist ein guter Anfang gemacht.

      Mit den beiden anderen Unternehmen tue ich mich schwerer. Wasserversorgung und Umweltdienste liegen in Europa überwiegend in der Hand der Kommunen. Veolia spielt als börsennotiertes Unternehmen in dem Bereich eine Sonderrolle, die ich nicht richtig beurteilen kann. Außerdem erhebt Frankreich auch noch eine Sondersteuer auf Aktien, ein weiteres Argument gegen Veolia.
      Bijou Brigitte wäre auch nichts für mich: Die haben zwar ein sehr einfaches Geschäftsmodell, aber jahrelange Umsatz-, Gewinn- und Dividendenrückgänge können mich nicht überzeugen. Für eine Turnaround-Spekulation ist Bijou Brigitte vielleicht geeignet. Aber das ist dann eben eine Spekulation und keine Investition.

      Beste Grüße,
      Charlie

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  4. Hallo Charlie,

    vielen Dank für deine Einschätzung.

    Zusätzlich ist die Erstattung bzw. eine Vorabbefreiung von der Quellensteuer aus Frankreich sehr bürokratisch und nicht frei von Gebühren. Die Gebühren (ca. 80€) würden die Erstattung übersteigen.


    Beste Grüße Paul


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  5. Hallo Charlie,

    ich habe mir dein Blog angeschaut und mir ist aufgefallen, dass eine Auflistung mit dem Link zu den letzten Kommentaren fehlt. Diese Funktion ermöglicht es den Besuchern laufende Unterhaltungen auf Anhieb zu finden und zu verfolgen. Ich hoffe, du kannst es integrieren.

    http://noodlegei.blogspot.de/2008/06/blogspotcom-die-letzten-kommentare.html

    Bei deinem Depot sind mir die unterschiedlichen Positionsgrößen aufgefallen z.B.
    Stella-Jones mit 3.070 €
    SSE PLC 1.970 €
    Fortis 1.382 €

    Magst du etwas über die Bestimmung der Positionsgrößen schreiben und vielleicht darüber was dich dazu bewegt oder auch nicht eine Position auszubauen.

    Morgen werde ich bei GSK zuschlagen.

    Beste Größe Paul

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    1. Danke für den Tipp mit der Kommentarfunktion, Paul. Das werde ich bei Gelegenheit ausprobieren.

      Die Positionsgrößen im Depot lassen sich eigentlich recht einfach erklären. Im Prinzip bilden die Aktien, die ich am längsten habe, durch ihren Wertanstieg auch die größten Positionen. Und die Größenordnung beim Einstieg hängt oft schlicht von den verfügbaren Mitteln ab, wobei ich in der Regel mindestens 1.500 € investiere.

      Wir scheinen tatsächlich eine ähnliche Strategie zu befolgen: GSK habe ich vor wenigen Tagen nachgekauft.

      Weiterhin viel Erfolg,
      Charlie

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  6. Hallo Charlie,

    vielen Dank für die Erklärung der Positionsgröße.

    Erwischt, ich habe in dein Depot gespickt @ GSK und fand die Aktie noch nicht heiß gelaufen.

    In deinem Portfolio kann ich keine Aktien aus der Immobilienbranche entdecken können. Ist das Absicht? Ich sammele Informationen zu Aktien aus dem Bereich, um mich für oder gegen eine Investition zu entscheiden. Das Geschäftsmodell ist leicht verständlich und wird auch in Zukunft seine Daseinsberechtigung haben. Die Dividenden steigen kontinuierlich an.
    Ich beobachte 3 Aktien:
    Vonovia SE
    W. P. Carey Inc.
    Omega Healthcare Investors Inc.

    Darf ich dich nach deiner Meinung zu der Branche bzw. den Aktien fragen.

    Beste Grüße
    Paul



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    1. Hallo Paul,

      Realty Income habe ich im Depot, die könnte man zur Immobilienbranche zählen. Allerdings orientiere mich an den 10 MSCI-Sektoren und da fallen Immobilienaktien generell in den Finanzsektor.

      Käufe oder Aufstockungen im Immobilienbereich habe ich momentan nicht geplant und ich kenne auch die drei genannten Aktien nicht genauer. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass die Immobilienmärkte sowohl in Deutschland als auch in den USA überhitzt sind und hier eher noch weitere Verluste drohen könnten. Wenn ich mich entscheiden müsste, dann für einen der beiden REITS, wegen der laufenden hohen Dividendenzahlungen.

      Gruß, Charlie

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    2. Hallo Charlie,

      vielen Dank für die schnelle Antwort und die Umsetzung der "Neuesten Kommentare".

      Ich werde die Reits weiter beobachten. Als überhitzt könnte man alle Märkte bezeichnen, da sie seit 2009 nur eine Richtung kennen.

      Ich habe die Schwäche der Märkte für einen Einstieg bei der Commonwealth und der SSE genutzt. Über welche Quellen verfolgst du die Nachrichtenlage bei deinen australischen Investitionen?

      Als nächstes scheint die Unilever mein Kauflimit zu erreichen.
      Eine sehr schöne Übersicht interessanter Werte habe ich auf folgender Seite gefunden:

      http://www.frei-mit-42.de/dividenden-champions-europa/

      Beste Grüße,
      Paul

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    3. Ein interessanter Link, danke Paul. Meine australischen Werte im Depot verfolge ich wie alle anderen Aktien auch mit www.finanznachrichten.de.

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  7. Hallo Charlie,
    in Deinem Portfolio hältst Du Unilever N.V. (A0JMZB). Hier gibt es zwei Varianten: die niederländische mit der Bezeichnung N.V. und die britische mit der Bezeichnung plc (A0JNE2). Bei der niederländischen Variante zahlen wir auf Dividenden 15% Quellensteuer, bei der britischen Variante jedoch keine Steuer, weil Großbritannien keine Quellensteuer erhebt.
    Ist es nicht günstiger, die britische Variante zu wählen?

    Herzliche Grüße und vielen Dank für diesen tollen Blog.
    Markus

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    1. Hallo Markus,
      das ist eine gute Frage. Bei der britischen Variante ist der Kaufkurs meist etwas teurer als bei der niederländischen Variante und auf die Dividende wird zwar keine Quellensteuer, dafür aber die volle deutsche Abgeltungssteuer erhoben. Die Quellensteuer der Niederlande wird auf die Abgeltungssteuer angerechnet. Womit man auf lange Sicht günstiger fährt, habe ich ehrlich gesagt noch nicht ausgerechnet. Mir ist letztlich wichtiger, dass ich zur Diversifizierung Aktien aus beiden Ländern im Depot halte.

      Viel Erfolg beim Investieren und viele Grüße,
      Charlie

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    2. Da kommt zwar der Geizhals durch, aber bei der niederländischen Variante zahlt man auf die 15% Quellensteuer immerhin keinen Soli und Kirchensteuer.
      Frei nach dem Motto: Auch kleine Fische stinken!

      Eine kleine zweite Sache: Ich möchte auf diesem Weg auch ein großes Kompliment für diesen Blog aussprechen, bin "zwischen den Jahren" auf ihn gestoßen und lese seitdem regelmäßig um die alten Beiträge noch aufzuholen.

      Immer weiter so und ebenfalls vielen Dank, dass Du uns an deinen Erfahrungen teilhaben lässt.

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    3. Das habe ich noch gar nicht bedacht, dankeschön! Damit ist die niederländische Variante im Ergebnis doch etwas günstiger.

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