Montag, 4. Juli 2016

Commonwealth Bank 1993 bis heute

Die Commonwealth Bank of Australia war über viele Jahrzehnte ein Staatsbetrieb, der erst in den Jahren 1991 bis 1996 privatisiert wurde. In drei Stufen zog sich die australische Regierung aus der Bank zurück und wandelte sie in eine börsennotierte Aktiengesellschaft um. Im Jahr 1993, der zweiten Stufe der Privatisierung, wurden Aktien der Commonwealth Bank zum Preis von 9,35 AUD für private Investoren an der Börse ausgegeben. Wie ich im letzten Beitrag erwähnt habe, bin ich vor ein paar Wochen einem Australier begegnet, heute 72 Jahre alt. Er konnte damals Aktien für diesen Preis kaufen. Und noch viel wichtiger: Er hält sein Aktienpaket bis heute.

Wie hat sich seine Investition aus dem Jahr 1993 nun entwickelt? Aus 9,35 AUD für eine Commonwealth-Bank-Aktie wurden bis jetzt rund 74 AUD im Jahr 2016. Aktiensplits gab es keine. Somit errechnet sich eine Gesamtrendite von 691% bzw. eine jährliche Rendite von 9,4%. Der Einfachheit halber bin ich von einer Anlagedauer von genau 23 Jahren ausgegangen und habe steuerliche Betrachtungen außen vor gelassen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, ist aber auch nicht umwerfend.

Mit Begeisterung erzählte mir der Australier von den üppigen Dividenden, die er von der Commonwealth Bank kassiert. Das wollte ich genauer wissen und habe die Dividendenhistorie auf der Internetseite der Bank nachvollzogen. Die Dividenden werden halbjährlich ausgeschüttet. Ein Anleger aus dem Jahr 1993 kann - wohlgemerkt für eine Investition in Höhe von 9,35 AUD - folgende Dividendeneinnahmen verzeichnen:


1993: 0,46 AUD
1994: 0,72 AUD
1995: 0,84 AUD
1996: 0,97 AUD
1997: 1,03 AUD
1998: 1,07 AUD
1999: 1,24 AUD
2000: 1,33 AUD
2001: 1,43 AUD
2002: 1,51 AUD
2003: 1,64 AUD
2004: 1,89 AUD
2005: 2,06 AUD
2006: 2,37 AUD
2007: 2,62 AUD
2008: 2,66 AUD
2009: 2,35 AUD
2010: 3,02 AUD
2011: 3,25 AUD
2012: 3,61 AUD
2013: 3,83 AUD
2014: 4,16 AUD
2015: 4,20 AUD

Es kommen also zusammen 48,26 AUD an Dividenden zum Kursgewinn von 64,65 AUD hinzu. Aus 9,35 AUD wurden somit in 23 Jahren 122,26 AUD. Demnach hat mein australischer Urlaubsbekannter eine Gesamtrendite von über 1.200% bzw. eine jährliche Rendite von 11,8% erzielt. Das hört sich doch schon sehr gut an. Und dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass mit einer Wiederanlage der Dividenden natürlich noch höhere Renditen möglich waren.

Das Interessanteste an der Geschichte ist für mich die Tatsache, dass die Commonwealth Bank of Australia (882695) die Aktie mit der höchsten Marktkapitalisierung im australischen Leitindex ASX 200 ist. Sie wurde 1911 gegründet, hat über 800.000 Aktionäre und 50.000 Mitarbeiter. Sie wird in Untersuchungen regelmäßig zu den sichersten Banken der Welt gezählt. Und dennoch lässt sich mit einem solchen Blue Chip im Depot eine jährliche Performance im zweistelligen Bereich erzielen. Von 1993 bis 2016. Warum nicht auch von 2016 bis 2039? Genau deshalb verzichte ich auf Spekulationen mit Trendaktien und Pennystocks und bleibe bei meiner konservativen, langfristigen und stressfreien Anlagestrategie in große Dividendenwerte. Darum geht es hier.

Kommentare:

  1. Hallo "Armer Charlie",
    positiv erwähnenswert ist noch, dass es für australische Aktien keinen Quellensteuerabzug gibt. Damit sind sie - unter diesem Aspekt - praktisch genauso interessant wie US- und britische Aktien. Bei letzteren warten wir mal ab... :)

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    1. Hallo Felix,

      danke für den Hinweis, aber das stimmt nicht ganz. In Australien schwankt die Quellensteuer je nach Aktie zwischen 0% und 30%. Man kann auf den Unternehmenswebseiten nachschauen, wie viel Prozent abgezogen werden. Bei der Commonwealth Bank fällt auf die Dividende keine Quellensteuer an (die deutsche Abgeltungssteuer dafür natürlich in voller Höhe). Ich habe noch die APA Group im Depot, da werden Teile der Ausschüttung mit 10% und 15% besteuert.

      Verlassen kann man sich auf diese Regeln aber nicht, wie Du richtig sagst, denn Steuersätze können sich ändern.

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  2. Hallo Charlie,

    vielen Dank für die Vorstellung. Finde den Wert bzgl. Dividende interessant, der Kurs hat sich wohl auch die letzten 3 Jahre nicht bewegt, aber bei 5,7% Dividendenrendite, ok.

    Ich wollte dich aber fragen, was du von xxx (xxx) hältst? Hast du dir die auch mal angesehen? Beobachte die schon länger und aktuell sind die wieder unter 20EUR zu haben. Schau dir mal die Div-Historie an. Was mich nur stutzig macht ist, dass sie dieses Jahr nicht um einen Cent erhöht haben ...

    http://www.westpac.com.au/about-westpac/investor-centre/dividend-information/dividend-payment-history/

    Gruss Thomas

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    1. Thomas zum zweiten - Sorry9. Juli 2016 um 14:26

      Sorry, für die xxx ... wollte ich noch reinkopieren! Also:

      Westpac Banking (854242)

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    2. Hallo Thomas,

      es gibt ja vier große Banken in Australien: Commonwealth Bank, Australian and New Zealand Banking Group, National Australia Bank und Westpac Banking Group.

      Ich habe mich seinerzeit für die Commonwealth Bank entschieden, einfach weil ich aus einer Branche oft den Marktführer und/oder die Aktie mit der höchsten Marktkapitalisierung auswähle.

      Das heißt aber nicht, dass Westpac der schlechtere Wert wäre. Die Dividendenhistorie ist in der Tat beeindruckend. Eventuell erhöhen sie dieses Jahr noch im Dezember?

      Viele Grüße,
      Charlie

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  3. Hallo Charlie,

    leider gibt es bei der Commonwealth Bank schwere Vorwürfe, die laut des Artikel aus der NZZ sogar ein Insolvenz zu Folge haben könnten. Es wird schon für erste Sammelklagen getrommelt.

    Wie beurteilst Du diese Nachricht?

    https://www.nzz.ch/wirtschaft/commonwealth-bank-australiens-groesste-bank-in-der-bredouille-ld.1309544

    Beste Grüße

    Paul

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    1. Hallo Paul,

      von den Vorwürfen gegen die Commonwealth Bank habe ich bislang nur über Seeking Alpha erfahren, das ist ein interessanter Artikel der NZZ und eine berechtigte Frage, danke!

      Laut den Berichten hat die Bank viele Verdachtsfälle von Geldwäsche nicht an die Behörden gemeldet, weil bestimmte Bareinzahlungen aufgrund eines Softwarefehlers niemandem auffällig erschienen sind. Das geschah offenbar über einen langen Zeitraum hinweg, ohne dass die interne Revision auf diesen Mangel aufmerksam wurde.

      Aus meiner Sicht ein klassisches Defizit im internen Kontrollsystem der Bank, zudem peinlich für die Mitarbeiter der Revision. Der Fehler muss natürlich behoben werden und verdient meiner Meinung nach auch eine angemessene Bestrafung.

      Welche Folgen mögliche Sammelklagen haben könnten, kann ich nicht einschätzen. Zumal ich nicht erkennen kann, wer durch diesen Fehler außer der australischen Regierung einen Schaden erlitten haben könnte. Und die Regierung wird kaum die größte Bank des Landes in die Insolvenz schicken und damit die ganze Volkswirtschaft in schwere Turbulenzen stürzen.

      Das eigentliche Bankgeschäft läuft derweil ungestört weiter und die Bankkunden sind von der Sache nach meinem Eindruck nicht betroffen. Deshalb sehe ich die Lage weit weniger dramatisch als den Fall der Wells Fargo Bank, die ihren Kunden ungefragt Konten und Versicherungen andrehte.

      Der Kursverfall der Aktie könnte also eine gute Kaufgelegenheit darstellen. Eventuell schlage ich in den nächsten Monaten zu.

      Beste Grüße
      Charlie

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  4. Hallo Charlie,

    vielen Dank für Deine Einschätzung.

    Ich werde die Nachrichtenlage im Auge behalten und berichten. Die Höhe der Strafe und die Reaktion der Märkte wird interessant.

    Viele Grüße
    Paul



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