Montag, 17. Oktober 2016

Neu im Depot: Stella-Jones

Stella-Jones Inc. (891500) ist ein holzverarbeitendes Unternehmen aus Kanada, das Eisenbahnschwellen, Leitungsmasten und Bauholz produziert und vertreibt sowie damit verbundene Dienstleistungen anbietet. Die wichtigsten Kunden von Stella-Jones sind Eisenbahngesellschaften, Energieversorger und Telekommunikationsunternehmen in den USA und Kanada. Denn Bahnschwellen und Strommasten aus Holz müssen regelmäßig nach einer gewissen Zeit ersetzt werden. Damit macht Stella-Jones etwa 75% seines Geschäfts. Der Rest kommt aus dem Verkauf von Holz für den Wohnungsbau und andere Anwendungen, wie z.B. Brücken und Stege. Das Geschäft von Stella-Jones ist sehr einfach zu erklären: Das Rohholz wird eingekauft, zu den passenden Formen und Größen verarbeitet, mit haltbarmachenden Stoffen behandelt, dann gelagert und getrocknet und schließlich an die Kunden ausgeliefert.

Was mir neben dem einfachen Geschäftsmodell an Stella-Jones gefällt, ist die Entwicklung einiger Finanzkennzahlen in den letzten zehn abgeschlossenen Geschäftsjahren:



2006 2015  
Umsatz in Mio. CAD 224 1.559 +596%
Gewinn je Aktie 0,44 2,04 +364%
Dividende je Aktie 0,04 0,32 +700%
Aktienkurs 3,50 52,51 +1.400%

(Quelle: Morningstar)

Woher kommt dieses beeindruckende Umsatz- und Gewinnwachstum? Stella-Jones wächst organisch, aber vor allem durch Übernahmen anderer Holzverarbeitungsunternehmen. Das führt zu gesteigerter Produktion und einer größeren Marktreichweite, so dass Stella-Jones von Skaleneffekten profitiert und seine Kunden besser, schneller und günstiger beliefern kann. Erklärtes Ziel von Stella-Jones ist es, zum führenden Holzlieferanten Nordamerikas zu werden. Trotz der Zukäufe steht Stella-Jones mit einer Eigenkapitalquote von über 50% finanziell solide da.

Stella-Jones hat seine Dividende in den vergangenen elf Jahren in Folge angehoben und dabei glatt verzehnfacht (für 2016 gibt es 0,40 CAD). Das Payout-Ratio liegt dennoch nur bei 17%. Eine niedrige Ausschüttungsquote ist immer positiv, denn sie lässt Spielraum für weitere Dividendenerhöhungen in der Zukunft. Und sie macht bei einem Unternehmen Sinn, wenn es eine konstant hohe Eigenkapitalrendite erwirtschaftet. Die Eigenkapitalrendite von Stella-Jones belief sich in der letzten Dekade zwischen 15% und 24%. Das ist beachtlich und zeigt, dass das Management von Stella-Jones das freie Kapital derzeit besser verwenden kann, als es in Form von Dividenden auszuzahlen.

Stichwort Management: Stella-Jones wird seit 2003 von Brian McManus, einem früheren Automechaniker, geführt. Im Studium beschäftigte sich McManus bereits in einer wissenschaftlichen Arbeit mit Stella-Jones und wechselte nach der Tätigkeit für eine Investmentbank, die wiederum Stella-Jones als Kunden hatte, in die Leitung des Unternehmens, das er vorher ausführlich studiert hatte. Für Stabilität sorgen außerdem zwei Großaktionäre: Die beiden Unternehmen Stella S.p.A. und James Jones & Sons Ltd. halten etwa 40% der Aktien. Die ganze spannende Geschichte von Stella-Jones ist hier nachzulesen.


Wo ist der Haken an der Sache? Eine langfristige Prognose des Geschäfts von Stella-Jones ist nicht einfach. Für Bahnschwellen könnten anstelle von Holz auch andere Materialien zum Einsatz kommen. Stromleitungen könnten unter der Erde verlegt oder aufgrund einer dezentraler organisierten Stromversorgung überflüssig werden. Ich halte diese Risiken für vertretbar. Denn Holz ist in Nordamerika traditionell der bevorzugte Baustoff, in großen Mengen verfügbar und auf absehbare Zeit wohl die schnellste und kostengünstigste Lösung für den Ausbau und den Erhalt der Eisenbahn- und Netzinfrastruktur.
 

Viel Wald und Holz gibt es im Yoho Nationalpark, British Columbia, Kanada. Das Foto habe ich im Jahr 2009 aufgenommen. Hätte ich damals Aktien von Stella-Jones gekauft, könnte ich mich heute über einen Kursgewinn von 900% freuen.

Bei einem aktuellen Börsenkurs von 45 CAD wird Stella-Jones mit einem geschätzten 2016er KGV von ca. 17 und einer Dividendenrendite von rund 0,9% gehandelt. Für ein Unternehmen mit jährlich zweistelligen Wachstumsraten erscheint die Bewertung attraktiv. Dafür habe ich die niedrige Einstiegsrendite in Kauf genommen und mir 100 Stück ins Depot gelegt.

Kommentare:

  1. Interessanter Artikel! Ich habe ehrlicherweise noch nie etwas von Stella-Jones gehört - nach dem Lesen deines Textes finde ich den Wert aber auf jeden Fall so interessant, dass ich mehr wissen will :-) Ich werde gleich mal etwas weiter recherchieren!

    Wie kommst du denn auf solche Unternehmen? Auf dem kanadischen Aktienmarkt habe ich mich tatsächlich bisher nie umgesehen...

    Viele Grüße
    Marielle

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Auf Stella-Jones bin ich durch einen Blog-Artikel von "Sure Dividend" vor ein paar Wochen gestoßen. Ich fand das Unternehmen auch so interessant, dass ich viel spontaner als üblich gekauft habe.

      Ansonsten kann ich dir empfehlen, einfach mal ein paar ausländische Aktienindizes durchzuscannen. Ob der TSX 60 in Kanada oder der ASX 50 in Australien, ich komme immer recht schnell auf spannende Unternehmen, die ich dann genauer unter die Lupe nehme.

      Viel Spaß bei der Recherche.
      Charlie

      Löschen
  2. Schöner Beitrag, auch wenn ich selbst nicht investieren würde ein echt schöner Fund!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für das Lob. Was spricht aus deiner Sicht noch gegen eine Investition?

      Löschen
    2. Nichts tiefergehendes, ich habe einfach den Freibetrag noch nichts ausgeschöpft und möchte so lange nur in Ausnahmefällen in Ländern investieren, in denen ich Steuern auf die Dividende abführen muss. Disney habe ich auch schon länger im Auge und wäre wohl ein Unternehmen, wo ich bei einem schönen Preis eine Ausnahme machen würde.

      Löschen
    3. Verstehe, das macht Sinn.
      Seit bekannt ist, dass AT&T (das sich in meinem Depot befindet) Time Warner kaufen will, halte ich mich übrigens von Disney erst mal wieder fern. Mit dem tollen Content von Time Warner und den Vertriebskanälen von AT&T habe ich dann schon einen Medienkonzern, der die gesamte Wertschöpfungskette abdeckt.

      Löschen
  3. hy charly,
    Welche andere Firmen hast du noch auf Deiner Watchlist.
    lg Dieter

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Dieter,

      ich beobachte gerade verstärkt Disney und Hornbach. Außerdem will ich schon seit längerer Zeit den Industriesektor im Depot ausbauen. Die Klassiker 3M und ITW sind mir aber zu teuer. Nordson finde ich ganz interessant. Auch nicht billig, aber dafür wenigstens ein starkes Wachstum.

      Viele Grüße,
      Charlie

      Löschen
  4. Hallo armer Charlie,
    leider ist heute Stella Jones massiv gefallen (-10%). Kaufst du jetzt weitere Aktien nach?
    Viel Erfolg weiterhin und beste Grüße,
    Marko

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Marko,
      den Kurssturz von Stella-Jones habe ich gar nicht mitbekommen, weil ich nur ein oder zwei Mal die Woche in mein Depot schaue. Ich kaufe jetzt auch nicht nach, weil ich nicht auf irrationale Kursbewegungen achte und immer erst in der zweiten Monatshälfte investiere.
      An meiner grundlegenden Einschätzung des Unternehmens hat sich aber nichts geändert, es könnte also ein guter Einstiegszeitpunkt sein.
      Beste Grüße
      Charlie

      Löschen