Montag, 28. November 2016

Der beste Aktienmarkt Europas

Schwedische Aktien stehen selten im Fokus der Medien und der Finanzbloggerszene. Dabei bietet Schweden sehr gute Voraussetzungen zur Diversifizierung eines Aktienportfolios. H&M, Volvo und Securitas sind nur einige der großen Werte aus dem Stockholmer Aktienindex Nasdaq OMX30, die auch hierzulande fast jeder kennen dürfte. Aber auch viele kleine und mittlere Unternehmen finden im hoch entwickelten schwedischen Kapitalmarkt den Weg an die Börse. Das private Aktiensparen wird in Schweden seit Jahrzehnten steuerlich gefördert. Für ausländische Anleger ist die Steuerbelastung ebenfalls erträglich. Der Quellensteuersatz auf Dividenden schwedischer Aktien beträgt zwar 30%, kann aber auf Antrag vorab auf 15% reduziert werden, welche deutsche Banken dann automatisch auf die Abgeltungssteuer anrechnen. Am überraschendsten finde ich aber, dass der schwedische Aktienmarkt im langfristigen Vergleich die beste Rendite der entwickelten Staaten Europas gebracht hat. Das zeigt Jeremy Siegel in seinem Standardwerk "Stocks for the Long Run" (bzw. in der deutschen Fassung "Aktien für die Ewigkeit") anhand von Daten der Jahre 1900 bis 2012.

Höchste Zeit also, ein paar Qualitätsaktien aus Schweden ausfindig zu machen, die hinter dieser Performance stehen. Dabei kommt es mir wie immer auf Unternehmen mit einem nachvollziehbaren Geschäftsmodell und einer angemessenen Gewinn- und Dividendenhistorie an. Bei der Recherche auf der Indexseite von Nasdaq bin ich auf drei vielversprechende schwedische Aktienideen gestoßen:

AAK AB (A0F6Q7), oder auch AarhusKarlshamn AB, produziert pflanzliche Öle und Fette, die in Lebensmitteln und Kosmetika verwendet werden. Das Unternehmen mit Sitz in Malmö und Produktionsstätten in Europa, USA sowie Mittel- und Südamerika entstand aus der Fusion der dänischen Aarhus United und der schwedischen Karlshamn im Jahr 2005. Seitdem zeigt die Entwicklung steil nach oben: In den Jahren 2006 bis 2015 stiegen die Umsätze von 10,9 Mrd. SEK auf 20,1 Mrd. SEK (+84%), der Gewinn je Aktie von 4,18 SEK auf 22,17 SEK (+430%) und die Dividende von 4,00 SEK auf 7,75 SEK (+93%). AAK wird von Melker Schörling kontrolliert, einem vermögenden schwedischen Investor, der über seine Beteiligungsgesellschaft mehr als 30% der Aktien hält. Die Papiere gehören zu den Large Caps an der Nasdaq Stockholm. Auch wenn AAK ein defensiver Konsumwert ist, erscheint die Aktie auf dem aktuellen Kursniveau um 560 SEK allerdings mit einem KGV von 25 und einer Dividendenrendite von ca. 1,4% zu teuer.


Indutrade AB (A0HFVY) ist eine europaweit tätige Holding, die technische Bauteile, Systeme und Dienstleistungen für Industrieunternehmen entwickelt und vertreibt. Die Ursprünge von Indutrade gehen auf das Jahr 1978 zurück. Seitdem ist die schwedische Gruppe durch Akquisitionen auf 200 Holdingunternehmen angewachsen. Das Wachstum wird auch in einigen Finanzkennzahlen der letzten zehn Jahre sichtbar: In den Jahren 2006 bis 2015 stiegen die Umsätze von 4,5 Mrd. SEK auf 11,8 Mrd. SEK (+162%), der Gewinn je Aktie von 2,50 SEK auf 7,44 SEK (+197%) und die Dividende von 1,25 SEK auf 3 SEK (+140%). Indutrade schüttet relativ konstant 40% bis 50% seiner Gewinne aus. Da das Geschäftsmodell konjunkturabhängig ist, führt ein Gewinnrückgang (wie im Jahr 2009 geschehen) zu einer entsprechenden Reduzierung der Dividende. Dennoch erwirtschaftete Indutrade auch im Krisenjahr schwarze Zahlen. 2015 wurden die Aktien von Indutrade in das Large Cap Segment an der Nasdaq Stockholm aufgenommen, 2016 gab es einen Aktiensplit 3:1. Bei einem aktuellen Kurs um die 170 SEK erscheint Indutrade mit einem KGV von 22 und einer Dividendenrendite von 1,7% etwas überbewertet.  

Intrum Justitia AB (633824) ist ein führender Kreditmanagement- und Inkassodienstleister in Europa. Das Unternehmen bietet Bonitätsprüfungen, die Überwachung und den Einzug offener Forderungen ebenso wie den Ankauf ganzer Schuldenportfolios an. Gegründet im Jahr 1923 ging es darum, schwedischen Unternehmen nach dem Ersten Weltkrieg zu besseren Kredit- und Zahlungsprozessen zu verhelfen. Seit 2001 gehört die deutsche Wirtschaftsauskunftei Schimmelpfeng zu Intrum Justitia. Im Jahr 2002 erfolgte der Gang an die Börse, 2014 die Aufnahme in das Large Cap Segment der Nasdaq Stockholm. Das Geschäftsmodell eines Inkassounternehmens mag nicht gerade sympathisch sein, dafür aber sehr profitabel: In den Jahren 2006 bis 2015 stiegen die Umsätze von 2,9 Mrd. SEK auf 5,7 Mrd. SEK (+96%), der Gewinn je Aktie von 5,04 SEK auf 15,92 SEK (+215%) und die Dividende von 2,75 SEK auf 8,25 SEK (+200%). Noch im Dezember 2016 soll über eine Fusion von Intrum Justitia mit dem norwegischen Inkassounternehmen Lindorff entschieden werden. Für Investoren sicher positiv, denn ein größeres Kreditvolumen, eine breitere Datenbasis und standardisierte Prozesse lassen weiteres starkes Wachstum für Intrum Justitia erwarten. Der aktuelle Aktienkurs um 290 SEK mit einem KGV von 18 und einer Dividendenrendite von 2,8% könnte eine interessante Einstiegsgelegenheit darstellen.

Weitere Aktienideen aus den Niederlanden und Großbritannien gibt es hier und hier nachzulesen.

Kommentare:

  1. Interessanter Beitrag. Was meinst du zu Investor AB? Bin selbst mit einer kleinen Pos. investiert und zwar in die B-Anteile (WKN 869202).

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    1. Ich sehe Investor AB wie einen kleinen, auf schwedische Aktien fokussierten Fonds. Und die Familie Wallenberg, die Investor AB vor 100 Jahren gegründet hat und immer noch kontrolliert, hat selbst das größte Interesse an Erhalt und Mehrung ihres Vermögens, das in Investor AB steckt. Aus meiner Sicht also ein solides Investment. In meinem Beitrag wollte ich bewusst etwas unbekanntere Aktien vorstellen.

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  2. Hi Charlie,

    MMI von valueandopportunity.com mag Svenska Handelsbanken und bei globalstockpicking.com (Schwedischer Blogger, wenn ich mich recht erinnere) werden auch öfters mal interessante 'Nordische' Unternehmen vorgestell (z.B. Rottneros, Ericsson).

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    1. Hi EasyWISA,
      diese Blogs kannte ich bisher nicht, danke für den Hinweis.

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  3. Hi, ich habe mich mit dem schwedischen Markt (der mir nicht so sehr günstig aussieht) nicht eingehender befasst, aber dem obigen Hinweis würde ich hinzufügen, dass valueanopportunity mit AQ Group https://valueandopportunity.com/2016/06/21/aq-group-isin-se0000772956-a-15-year-42-bagger-without-a-moat/ noch einen extrem interessanten Wert vorgestellt hat ;)

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    1. Hi Tobi, die AQ Group ist ein spannender Tipp, danke. Leider scheint die Aktie in Deutschland nicht handelbar zu sein.

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  4. Hallo Charlie,

    als ich bin auch ein Freund von länderübergreifender Diversifikation und damit zu mindestens einer schwedischen Aktie in meinem zukünftigen finalen Depot.

    Ich denke aber vor 2018 wird das nichts geben (muss noch was sparen) und habe z.Zt. andere Prioritäten (IBM, Chisco, Procter, Coca-Cola, Unilever, Caterpillar und AT&T) Aber ich könnte mir dann durchaus eine Hennes&Mauritz oder eine Swedish Match vorstellen.

    Glück Auf!

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    1. Hallo Delura, in dem Fall würde ich mich für H&M entscheiden. Swedish Match habe ich mir auch schon angesehen, die scheinen ohne Eigenkapital zu arbeiten.

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  5. Hallo Charlie,
    ich finde Svenska Cellulosa hervorragend, die Aktie ist seit Jahren eines meiner Lieblingsinvestments.
    Grüße, Franziskus

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    1. Danke für diesen tollen Tipp, Franziskus. Svenska Cellulosa könnte eine interessante Alternative im Konsumgütersektor sein. Ich wusste gar nicht, dass die Tempo-Taschentücher schwedisch sind...
      Grüße, Charlie

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