Dienstag, 1. November 2016

Nicht mit der Mode gehen

"Unser Grundsatz ist simpel. Er lautet, dass man nicht mit der Mode gehen darf. Weder auf den Märkten, noch sonstwo. Und diese Regel erfordert viel Fleiß." Das ist mein Lieblingszitat der Managerin eines sehr erfolgreichen Londoner Investmentfonds im Energiesektor. Der Anspruch des Fonds ist es, jede einzelne Investition von Grund auf zu verstehen und nicht gängigen Meinungen zu folgen. Dieser Ansatz gefällt mir wirklich sehr gut. Auch ich habe anfangs einige klare Kriterien für den Aktienkauf definiert, um mein Depot systematisch und unabhängig von der täglichen Flut an Finanzinformationen aufzubauen. Und so beteiligt sich der Fonds ganz entgegen des Mainstreams vor allem an konventionellen Kraftwerken und Versorgungsunternehmen. Denn, so die Fondsmanagerin etwas spöttisch, "vor lauter Begeisterung für erneuerbare Energien wird vergessen, dass Stromerzeugung ein paar einfachen physikalischen Gesetzen folgt." Die Fondsinvestments sind äußerst profitabel und bringen eine Rendite zwischen 20% und 25%.

Wer sich jetzt frägt, wann denn endlich der Name dieses unbekannten Fonds kommt, um darin Geld anlegen zu können, den muss ich leider enttäuschen: Der Investmentfonds LSK Capital existiert nur in einem Roman, den ich gerade gelesen habe. Und die geheimnisvolle Fondsmanagerin hat auch noch eine dunkle Stasi-Vergangenheit. Das kommt nach langer Zeit heraus, weil ein Fraunhofer-Institut eine hochmoderne Papierschnipselmaschine entwickelt hat. Klingt skurril, führt im Roman aber zur entscheidenden Wende. So heißt das Buch auch: "Wende", geschrieben von Eva Ladipo.Ein spannender, unterhaltsamer und lehrreicher Thriller über deutsche Geschichte, Energiepolitik und Kapitalanlage. Nach diesem erstklassigen Lesevergnügen habe ich gleich in meine Reserven aus den ETF-Verkäufen gegriffen und zwei Dividendenaktien gekauft, die etwas aus der Mode gekommen sind:


GlaxoSmithKline plc (940561) ist eines der weltweit führenden Pharma- und Konsumgüterunternehmen aus Großbritannien. GSK entwickelt, produziert und vertreibt Medikamente, Impfstoffe, Arzneimittel, Nahrungsergänzungs- und Gesundheitsvorsorgeprodukte. Während Finanzmedien und Investoren gerade viel über eine Einstiegschance beim dänischen Insulinhersteller Novo Nordisk spekulieren, setze ich weiter auf den eher unbeliebten, aber breit aufgestellten Gesundheitskonzern GSK. Zwar hat sich der Aktienkurs in den letzten zehn Jahren in einer Spanne zwischen 11 GBP und 17 GBP faktisch nur seitwärts bewegt. Und die wellenartige Gewinnentwicklung je Aktie, von 0,94 GBP über 0,32 GBP auf 1,72 GBP, erinnert eher an ein zyklisches Industrieunternehmen als an einen defensiven Pharma- und Konsumriesen. Punkten kann GSK aber mit seinem Bekenntnis zu stabilen Dividenden. 2016 und 2017 sollen jeweils 0,80 GBP ausgezahlt werden. Das ergibt eine aktuelle Dividendenrendite von 4,9%. Mein letzter Kauf lag über ein Jahr zurück. Nun aber habe ich den deutlichen Kursrückgang in Euro für eine Aufstockung von GSK genutzt.

McDonald's Corp. (856958) betreibt und konzessioniert 36.000 Schnellrestaurants in 120 Ländern der Welt. In den Selbstbedienungsfilialen unter der Marke des US-Konzerns werden täglich 69 Millionen Fastfood-Gerichte ausgegeben. Mit McCafe wurde außerdem eine Kaffeehauskette in die Burgerläden integriert. Seit 1965 ist McDonald's an der Börse notiert und scheint aus der Zeit gefallen zu sein: Immer noch dasselbe ungesunde Essen, viel Abfall, wenig Service - das kann doch heutzutage nicht mehr funktionieren? Tatsächlich ist der Gewinn je Aktie seit ein paar Jahren leicht rückläufig, dennoch konnte er innerhalb der letzten Dekade von 2,83 USD auf 4,80 USD gesteigert werden. Noch besser sieht es mit der Dividende aus, die in den vergangenen 40 Jahren in Folge angehoben wurde. 2016 werden 3,61 USD ausgezahlt, das ergibt eine aktuelle Dividendenrendite von 3,2%. McDonald's gibt immer mehr eigene Restaurantfilialen ab und setzt stärker auf stabile Lizenzeinnahmen von seinen Franchisenehmern. Mir ist um diese altmodische Restaurantkette nicht bange und so habe ich nahe des 52-Wochen-Tiefs in Euro nachgekauft.

Wie im Roman wünsche ich uns viele erfolgreiche Investments gegen die Mode!



Kommentare:

  1. Hi Charlie,
    tolle Verbindung deines Buches zur Ralität. Das tägliche auf und ab an der Börse ist für langfrist Investoren ein Segen. Es gibt immer mal neue Einstiegsgelegenheiten. Ich wünsche Dir weiterhin viel Spaß, Erfolg und Gelassenheit.
    Florian Günther

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  2. Was spricht gegen Novo Nordisk? Ist doch ein tolles Unternehmen!

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    1. Zugegeben, die Aktie von Novo Nordisk ist in den letzten Jahren hervorragend gelaufen. Ich habe das Unternehmen bisher nicht im Detail studiert. Deshalb nur zwei Gedanken, warum ich für die Zukunft eher skeptisch bin:
      Das wichtigste Geschäftsfeld von Novo Nordisk ist die Herstellung von Insulin. Aber ist Insulin mittlerweile nicht von einem Medikament zu einem Rohstoff geworden, den viele Unternehmen herstellen können? Im Wettbewerb wird dann eben beim billigsten Anbieter gekauft. Damit hat Novo Nordisk seine Preissetzungsmacht verloren und muss sich auf niedrigeres Wachstum einstellen.
      Außerdem glaube ich, dass die Staaten der Kostenexplosion durch die Ausbreitung von Diabetes nicht mehr lange zuschauen und in ihren Instrumentenkasten greifen werden: Warnhinweise, Werbeverbote und Zuckersteuer könnten dazu beitragen, dass sich Ernährungsgewohnheiten ändern und Nahrungsmittelhersteller auf andere Inhaltsstoffe umstellen, so dass der Bedarf an Insulinpräparaten sinken würde. Auf ein Glas Nutella für 5 € mit dem Aufdruck "Zucker tötet" hätte ich jedenfalls keinen Appetit...

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  3. Hallo Charlie,

    Erst heute habe ich mir bei McCafe einen Cappucino bestellt. Ich habe schon länger ein paar Anteile dieser Firma.
    Ich bin der Meinung, dass diese Bude nicht so schnell von der Bildfläche verschwinden kann.
    Haben sie die besten Burger? Nein
    Gehört MCD zu den gesünderen Restaurants? Nein
    Aber wie du bereits angesprochen hast: das Franchise-Geschäft und die wahnsinnig gut durchdachte Logistik macht es für andere schwer hier mithalten zu können.

    mfG Chri

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    1. Hallo Chri,

      noch ein McDonald's-Kunde und -Aktionär, sehr schön! Ich denke auch, dass MCD nach wie vor der Maßstab für alle Wettbewerber in der Systemgastronomie ist.

      Beste Grüße,
      Charlie

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  4. Mir schmeckt es dort immer noch und so bin ich weiter überzeugt, immerhin ist MCD einer der grössten Immobilienbesitzer der Welt.

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    1. Stimmt, das Immobiliengeschäft von McDonald's habe ich gar nicht angesprochen. Danke für den Hinweis, Dieter.

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  5. Warum Glaxo? Der Umsatz ist zurück gegangen, die Verbindlichkeiten sind gestiegen. Das Unternehmen scheint ja Gewinne insgesamt historisch betrachtet einzubüßen!

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    1. Mir gefällt GlaxoSmithKline aufgrund der breiten Aufstellung im Pharma- und Konsumgüterbereich. Damit wird das Risiko der Abhängigkeit vom Erfolg einzelner Medikamente und Wirkstoffe abgefedert.
      Der Umsatz von GSK ist zurückgegangen, weil u.a. das Portfolio der Krebsmedikamente an Novartis verkauft wurde. Vom zugeflossenen Geld gab es im Frühjahr aber eine schöne Sonderdividende.
      Die Bilanz von GSK mit nur 10% Eigenkapital ist natürlich nicht der Hit. Aber dieses Risiko ist mir bewusst und es wird mit einer satten Dividendenrendite vergütet.

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  6. McD kann nicht pleite gehen, da meine Frau und ich unsere Dividende immer in Burger investieren :)

    Schöner Artikel Charlie

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    1. Und noch ein McDonald's-Kunde, wunderbar!
      Danke, Alexander.

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  7. Schöner Artikel! Danke für ganz viel Inspiration!

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    1. Danke für das Lob!
      Ein Ultrarunner, meinen Respekt! Ganz so lange laufe ich nicht, aber ich kenne das Buch von Scott Jurek. Auch sehr inspirierend!

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