Donnerstag, 22. Dezember 2016

CFDs zur Absicherung des Dividendendepots?

Nein, ich bin nicht unter die Trader gegangen. Keine Spekulationen - da bleibe ich konsequent. Nun kann man zwar mit CFDs auf steigende und fallende Märkte spekulieren. Aber diese Finanzinstrumente ermöglichen es einem Privatanleger ebenso, ein Wertpapierportfolio mit geringem Kapitaleinsatz und zu niedrigen Kosten gegen mögliche Kursverluste abzusichern. Diese konservative Hedging-Strategie erscheint mir gerade in Zeiten, in denen die Börsen von einem Rekordhoch zum nächsten eilen, eine Überlegung wert. Denn ich will keine Kursgewinne realisieren, sondern meine Aktien langfristig halten. Auf der anderen Seite finde ich aber kaum noch attraktiv bewertete Dividendenaktien, die sich für einen Neu- oder Zukauf anbieten. So sammelt sich Monat für Monat weiteres Cash an, das ich bis zu einem möglichen Börsencrash beiseite legen kann. Mein Gedanke war, einen Teil dieser Reserven für den Kauf von Short-CFDs zur Absicherung der Aktienpositionen gegen mögliche Kursrückschläge zu nutzen. Bei einem korrekt aufgebauten Hedge sollten die Gewinne der CFDs die Verluste der Aktienpositionen kompensieren. Aber der Reihe nach:

So funktionieren CFDs 
CFD steht für Contract for Difference (Differenzkontrakt). CFDs sind keine börsengehandelten Wertpapiere, sondern derivative Finanzinstrumente. Das heißt, die Kurse leiten sich von einem Basiswert ab. Das kann zum Beispiel eine Aktie, ein Aktienindex, ein Rohstoff oder eine Währung sein. Der CFD-Handel bildet den regulären Handel nach, ein CFD-Anleger partizipiert also an steigenden und fallenden Kursen des Basiswertes. Allerdings besitzt man den Basiswert nicht real. Das Einzige was passiert, ist ein Barausgleich der Kursentwicklung auf dem CFD-Brokerkonto. Und hier wird das Ganze spannend: Weil es nie zu einer tasächlichen Abwicklung kommt, muss ein CFD-Anleger nicht den vollen Betrag für einen Handel aufbringen, sondern lediglich eine Sicherheitsleistung (Margin) hinterlegen, die auf dem Brokerkonto geblockt wird. Daraus entsteht eine Hebelwirkung, mit deren Hilfe sich bei vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz große Handelsvolumen bewegen lassen. Um das selbst einmal ohne Risiko auszuprobieren, habe ich ein kostenloses Demokonto bei einem CFD-Broker eröffnet.

Das Experiment - Teil 1
Als erstes wollte ich meine 50 Siemens-Aktien absichern. Am 9. Dezember notierten die Papiere Real-Time bei 114,38 EUR. Mit über 32,5% Kursgewinn gegenüber meinem Einstandskurs nahm Siemens zu dem Zeitpunkt mit 5.719,00 EUR die viertgrößte Aktienposition in meinem Portfolio ein. Um den Hedge aufzubauen, orderte ich 50 Short-Kontrakte auf Siemens. Das ging ganz einfach: Man sieht den Chart von Siemens vor sich, klickt auf "Verkaufen", gibt die gewünschte Anzahl der Kontrakte ein und bestätigt die Order. Der Auftrag wurde zum Kurs von 114,69 EUR ausgeführt. Dafür belastete der Broker mein Handelskonto mit 286,73 EUR, was einer Margin von 5% und einem Hebel von 20 entspricht. Da es nur um einen Test ging, habe ich die Position eine Woche später am 16. Dezember geschlossen, das heißt wieder zurück gekauft. Und so sah das Ergebnis aus:


Die Siemens-Aktie stieg von 114,38 EUR auf 115,45 EUR (Gewinn mit 50 Aktien 53,50 EUR).
Der Short-CFD stieg von 114,69 EUR auf 115,40 EUR (Verlust mit 50 CFDs 35,50 EUR).

Der Zeitraum für eine Short-Strategie war natürlich recht kurz und denkbar ungünstig, weil Siemens weiter zugelegt hat - es ist eben doch eine Qualitätsaktie. Ich hätte allerdings erwartet, dass der CFD im selben Umfang verliert, wie die Aktie gewinnt. Zwar wird man immer eine geringe Abweichung haben, weil sich die Kurse im Sekundentakt ändern und die Orderabgabe eine gewisse Zeit dauert. Außerdem will auch der CFD-Broker an dem Handel etwas verdienen und erhebt deshalb einen Spread zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Dennoch finde ich diesen großen Unterschied erstaunlich.

Das Experiment - Teil 2
Da es in der Praxis sehr aufwändig wäre, jede einzelne Aktie eines Portfolios mit einem Short-CFD abzusichern, habe ich die Strategie im selben Zeitraum auch mit der Gruppe der 20 US-Aktien in meinem Dividendendepot getestet. Die Papiere kamen zusammen auf einen Kurswert von 87.131,56 EUR. Zur Kompensation möglicher Kursverluste habe ich einen Short-CFD auf den S&P 500 gewählt, weil ich faktisch nur große Blue-Chip-Werte halte. Der Index notierte bei 2.252,00 Punkten und ich orderte 38,6 Kontrakte. Noch kleinere Einheiten waren nicht möglich, aber so sicherte ich zumindest ein Aktienvolumen von 86.927,20 EUR ab. Dafür war gerade mal eine Margin von 823,83 EUR, also nicht einmal 1% erforderlich. Nachdem ich die Position eine Woche später glatt gestellt hatte, sah das Ergebnis so aus:

Die US-Aktien stiegen von 87.131,56 EUR auf 88.835,31 EUR (Gewinn 1.703,75 EUR).
Die Short-CFDs stiegen von 86.927,20 EUR auf 87.320,92 EUR (Verlust 393,72 EUR).

Hier fällt die unterschiedliche Entwicklung noch eklatanter aus. Ein Grund könnte sein, dass sich die Kurse meiner 20 US-Aktien eben doch anders bewegen als der gesamte S&P 500 Index. Zudem kommt noch das Verhältnis zwischen US-Dollar und Euro zum Tragen. Ich bräuchte in diesem Fall also auch noch einen CFD zur Währungsabsicherung.

Mein Fazit
CFDs sind nicht ganz so einfach und transparent zu handeln, wie die Werbung glauben machen will und ich anfangs dachte. Die Entwicklung der getesteten Differenzkontrakte war für mich unverständlich. Eine volle Absicherung meines Dividendendepots gegen mögliche Kursverluste würde noch einige Vorüberlegungen und Rechenarbeit erfordern.

Nicht zu vergessen das größte Risiko des gehebelten CFD-Handels. Als CFD-Anleger haftet man für Verluste nicht nur mit der eingesetzten Margin, sondern mit dem gesamten Guthaben auf dem Brokerkonto. Und über den Totalverlust hinaus kann der Broker den Anleger auch noch zum "Margin Call" verpflichten und verlangen, dass frisches Kapital zum Ausgleich der gehebelten Verluste nachgeschossen werden muss. Das erscheint auch der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht so gefährlich, dass sie solche CFD-Geschäfte für Privatkunden verbieten will.

Ich werde CFDs oder andere "innovative Finanzprodukte" jedenfalls nicht mehr in Betracht ziehen. Als konservativer und langfristig orientierter Aktieninvestor bleibe ich bei meiner Cash-Reserve zur Absicherung und weiteren Aufstockung meines Portfolios. Kann sonst jemand von eigenen Erfahrungen mit CFDs berichten?

Kommentare:

  1. JOERG
    Ja, nutze CfDs zur Absicherung (zB Anf.2015) und fuer Gelegenheiten (=Kaeufe nach temp. Einbruch, zB Brexit). Jedoch mit kleinen Summen (max. 10% vom Depotwert). zB halte ich Tagesgeld, gehe aber mit einem Teil via CfDs Index-Long (damit das TG auch die Chance auf etw. Rendite hat :-)).
    Kosten: es gibt Haltekosten (zZ ca. 2-4% pro Jahr je nach Broker, die werden taeglich abgezogen), da ja egal ob long oder short du immer einen virtuellen Wertpapierkredit aufnimmst, deshalb sinkt auch der Wert deines CfD-Depots bei gleichen Kursen ueber die Zeit. Dafuer bekommst du Dividenden-Anpassungen gutgeschrieben (im S&P500 ca. 1,5% im EuStx50 ca. 3% im Dax30 nix, da PerformanceIndex).
    Es ist gut sich mit einem DemoKto heranzutasten.
    Es kostet einige Zeit bis man sich auskennt (ich lerne seit vielen Jahren). Es kommt nur fuer einen Bruchteil der Buy&HoldAnleger in Frage. Du brauchst starke Nerven wegen der gehebelten Schwankungen.
    85% aller Teilnehmer schrotten ihren Trading-Account im ersten Jahr. Deshalb nur Spielgeld/kleine Summen einsetzen: bei zB 1000 EUR Einzahlung nur Positionen insgesamt im Wert von 2-3000 EUR eingehen (also nur Hebel 2-3, nicht 10-100!).
    Nach 2-3 Jahren Erfahrung evtl Hebel ausweiten. Ein grosses Depot komplett absichern wuerde ich mit CfDs nicht.
    Wie gesagt, wenn man weiss was man tut vielleicht 10-15% des ETF-Depots absichern, im Extremfall 30% (momentan bin ich aber noch long).
    Es ist eine Art Faehigkeit (CfDs handeln zu koennen) die ggfls zu bes. Zeiten (Crashs) die Moeglichkeit gibt schnell zu handeln. Deshalb bleib ich etwas in Uebung.
    Ehrlicherweise ist es aber weniger zum Geld verdienen (viel verdienen kann man nur mit hohem Risiko = Russisches Roulette) als den Spieltrieb zu befriedigen?
    Mit dem Alter/fallender Notwendigkeit noch schnell viel Geld zu verdienen, wird der Trieb dann weniger :-) ... also keep calm ...

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    1. Ein sehr anschaulicher und ehrlicher Bericht zum CFD-Handel, danke Joerg! Ich wünsche Dir weiterhin eine glückliche Hand bei den Investments. Dein Fazit "keep calm" gefällt mir am besten, wobei ich meinen Spieltrieb lieber mit Fussballwetten befriedige.

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  2. Hallo Armer Charlie, zum CFD kann ich jetzt nichts beisteuern, möchte aber als relativ neuer Leser des Blogs meine Hochachtung vor Deiner Anlegerleistung und der sprachlichen Darstellung aussprechen, die fundiert, anschaulich, unaufgeregt und überhaupt nicht besserwisserisch daherkommt. Ich habe auch schon einige Werte aus dem Depot für mich übernommen.
    Mich würde interessieren, was Du von folgendem Wert hältst (schüttet monatlich aus) US73936Q8437
    Einen Guten Start ins neue Jahr wünsche ich!
    Klaus

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    1. Hallo lieber Klaus Michels, danke für das Lob!
      Wenn ich die ISIN richtig übernommen habe, dann handelt es sich bei dem genannten Wert um einen Closed-End Fund, einen geschlossenen Fonds amerikanischer Bauart. Ich bin mir nicht sicher, ob man die Anteile in Deutschland überhaupt erwerben kann und wie die Auszahlungen steuerlich behandelt werden. Da ich Fonds aller Art aber sowieso kritisch sehe, investiere ich lieber weiter in mein Aktienportfolio, das schüttet auch monatlich aus.
      Ich glaube aber, im Blog von Tim Schäfer schon Leserkommentare zu CEFs gelesen zu haben. Vielleicht startest Du dort mal einen Aufruf und findest jemanden, der dazu mehr sagen kann?

      Beste Grüße vom Armen Charlie

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