Donnerstag, 5. Januar 2017

Drei Anlagethesen für 2017

Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen. Dieses geflügelte Wort gilt auch für die vielen Vorhersagen und Anlagetipps, die nun zu Beginn des Jahres 2017 verbreitet werden. Als rational und selbständig handelnder Investor folge ich ohnehin nicht blind irgendwelchen Empfehlungen. Ich versuche stattdessen, die realen Entwicklungen in meinem Umfeld zu beobachten, zu verstehen und auf dieser Basis klare Thesen für mögliche Aktieninvestitionen aufzustellen. Und hier sind sie, meine drei Anlagethesen für 2017 - persönlich, teils provozierend und ein bisschen politisch:

Die Sicherheitsbranche steht vor goldenen Zeiten.
Krisenherde und Flüchtlingsströme auf der ganzen Welt, Terroranschläge im eigenen Land, dazu noch die - milde ausgedrückt - unüberlegte Politik der Bundesregierung: Ich fühle mich nicht mehr sicher. So geht es wahrscheinlich vielen Menschen in Deutschland und Europa. Aber auch Unternehmen und staatliche Behörden dürften sich mit der Gefährdungslage und ihren Folgen beschäftigen. Insgesamt ist daher anzunehmen, dass schnell und viel Geld in Maßnahmen zur Bewahrung von Sicherheit und Ordnung fließen wird. Davon profitieren zum Beispiel die Hersteller von Waffen, geschützten Fahrzeugen und Uniformen ebenso wie Wach- und Sicherheitsdienstleister. Lohnen könnte sich eine Investition in Assa Abloy AB (A14TVM), einen weltweit führenden Produzenten von Sicherheitstüren und Schließsystemen aus Schweden. Interessant erscheint auch die Aktie des deutschen Technologiekonzerns Jenoptik (622910), der Laser-Entfernungsmesser und Wärmebildkameras für Polizei und Grenzschutz liefert. Und eine Empfehlung aus dem Vorjahr, das IT- und Beratungsunternehmen Accenture (A0YAQA), gilt immer noch, oder besser gesagt jetzt erst recht. Denn die vielen sicherheitsrelevanten Informationen müssen schließlich erfasst und ausgewertet, die entsprechenden Prozesse strukturiert und dokumentiert werden.


Die besten Anlageideen finden sich im Alltag.
Trotz der schwierigen Großwetterlage denke ich, dass sich der durchschnittliche Deutsche weiterhin vor allem um die alltäglichen Dinge des Lebens kümmern wird. Wie um Haus und Hof, da gibt es immer was zu tun. Hier helfen einem die Baumärkte der Hornbach Holding (608340) weiter. Hornbach zahlt seine Dividende in der Regel im Juli. So könnte ich mit der Aktie meine schwachen Dividendeneinnahmen im Sommer etwas aufbessern. Oder man gönnt sich mal was. Zum Beispiel ein kühles Beck's oder Franziskaner der belgischen Anheuser-Busch Inbev (A2ASUV), dem weltgrößten Braukonzern. Auf den regelmäßigen Urlaub will natürlich auch niemand verzichten. Ob ein kurzer Städtetrip oder eine Pauschalreise ans Mittelmeer, gebucht wird im Internet. Dahinter steckt dann sehr oft ein System der Amadeus IT Holding (A1CXN0). Die Spanier sind Spezialisten in Sachen Reisevertriebssoftware.


Antizyklisch denken und Staatsanleihen kaufen.
Diese Anlagethese klingt einigermaßen verrückt - wer kauft denn jetzt Staatsanleihen mit winzigen oder gar negativen Zinsen? Aber gerade weil die gesamte Finanzpresse nur die Risiken betont und davon abrät, denke ich ernsthaft darüber nach. Dabei geht es mir nicht um die Erwirtschaftung einer hohen Rendite. Die sollen meine Dividendenaktien liefern. Ich möchte lediglich mein Anlagevermögen schrittweise weiter diversifizieren und einen kleinen Teil (bis zu 10%) sicher und liquide parken. Das könnte ich zwar auch mit Tages- oder Festgeldern einer Bank tun. Aber wer kann in Zeiten schlingernder Banken schon garantieren, dass eine solche Bankeinlage wieder in voller Höhe zurückgezahlt wird? Da verleihe ich mein Geld doch lieber an Staaten höchster Bonität. Außerdem scheint mir das Risiko von Zinserhöhungen im Euroraum und damit einhergehenden Kursverlusten von Anleihen nicht so groß zu sein. Das Beispiel Japan zeigt, dass beim Schuldenmachen noch viel Luft nach oben besteht und eine Niedrigzinsperiode auch zwanzig Jahre oder länger dauern kann. Und wäre es für einen Kleinanleger mit Staatspapieren nicht ein Vergnügen, all den Experten und Spekulanten, die auf fallende Kurse setzen, eine lange Nase zeigen zu können?

Kommentare:

  1. Deine Überlegungen zur Sicherheit finde ich interessant. Was hältst du von alternativen Energien?

    LG
    Johannes

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    1. Als Aktionär von Siemens bin ich auch an alternativen Energien beteiligt. Zum Portfolio gehören Windenergiesysteme, Energiespeicherlösungen und anderes mehr. Von anderen Investments in alternative Energien, wie Aktien von Solarparkbetreibern oder gar Beteiligungen an geschlossenen Fonds und Genossenschaften etc. halte ich nichts. Sichere Anlagen sind das sicher nicht. Da gab es auf dem grauen Kapitalmarkt schon spektakuläre Pleiten, wie Prokon. Außerdem ist der Energiemarkt in Deutschland hochgradig verzerrt und vieles im Bereich alternative Energien würde ohne Subventionen rasch verschwinden. Ich glaube, bei euch in Österreich ist es noch nicht so schlimm. Felix Austria!

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  2. Hallo Charlie,
    ich folge dir schon etwas länger auf Facebook. Kompliment zu deinem Blog, auch ich finde, dass du sehr sachlich und ruhig als Investor handelst.
    Aber fühlst du dich denn echt nicht mehr sicher? Gab es denn nicht schon immer Anschläge und Terror? RAF in den 80ziger Jahren, die nukleare Bedrohung, die Stationierung von Pershing II Raketen in Deutschland. Ich glaube, die Menschen konnten sich noch nie sicher fühlen, und werden sich auch nie sich fühlen.

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    1. Hallo Stefan,
      ob sich die Sicherheitslage tatsächlich oder nur gefühlt verschlechtert hat, spielt nach meiner Anlagethese keine Rolle. Aktien aus dem Sicherheitsbereich sollten in beiden Fällen gut laufen.
      Persönlich sehe ich aber schon einen Unterschied zwischen den von dir genannten Beispielen und der heutigen Situation: Damals hat der Staat entschlossen gehandelt, um westliche Werte und unsere Lebensweise zu verteidigen. Weiter möchte ich mich zu dem Thema nicht äußern.

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  3. Ist das erste Mal, dass ich Accenture im Zusammenhang mit sicherheitsrelevanten Informationen lese :-) Aber an sich kann man mit denen auf lange Sicht nichts falsch machen. Hatte ich mir im letzten Jahr auch mal angeschaut...

    Zum Thema Sicherheitsfirmen hatte ich auch mal geschaut, aber sowohl Assa Abloy, als auch z.B. Securitas fand ich jetzt nicht so wirklich preiswert...

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    1. Die Anlagethesen sind natürlich nur als Anregung für eigene Recherchen gedacht. Richtig attraktiv ist momentan keine der vorgeschlagenen Aktien bewertet, ich werde sie auch erst weiter beobachten.
      Accenture passt schon in den Sicherheitsbereich, finde ich. Laut Website beraten die zum Beispiel Polizeibehörden und das Thema Cybersecurity gehört auch zum Portfolio.

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