Montag, 20. Februar 2017

Der Hype um Levermann

Obwohl Frau Susan Levermann (die inzwischen übrigens Dreyer heißt) ihren Job als Fondsmanagerin bei der DWS schon vor neun Jahren aufgegeben hat, scheint ihre Wirkung in der Finanzszene heute größer denn je zu sein. Ihr Buch "Der entspannte Weg zum Reichtum" erscheint mittlerweile in der achten Auflage. Blogger berichten regelmäßig über Aktiendepots nach der Levermann-Strategie (zum Beispiel hier). Aktienscreener durchforsten die Börsen nach den attraktivsten Levermann-Werten (zum Beispiel hier und hier). Und in das Zertifikat eines Hobby-Traders auf Wikifolio namens "Qualität, angelehnt an Susan Levermann" haben Anleger unglaubliche 18,5 Mio. Euro investiert. Die riesige Nachfrage dürfte die Aktienkurse maßgeblich beeinflussen, denn das Geld verteilt sich auf nur 14 deutsche Nebenwerte.

Mich lässt dieser Hype um Levermann etwas ratlos und skeptisch zurück. Denn wenn an der Börse alle das gleiche tun, dann geht es meistens schief. Oder ist dieses Mal alles anders? Funktioniert die Levermann-Strategie wirklich? Und was leisten entsprechende Analyse-Tools? Ich wollte es genauer wissen und habe ein IT-Unternehmen interviewt, das den "Aktienassistenten" zur Levermann-Analyse anbietet. 


Was ist der Aktienassistent?

Mit dem aktienassistent.de erhält die oder der Einzelne ein Werkzeug, mit dem sie selbst zu mündigen Aktien-Anlegerinnen oder Anlegern werden können. Die Anlegerin oder der Anleger ist stets selbst für die Investitions-Entscheidung verantwortlich, folgt jedoch auch gleichzeitig einer konkreten Anlagestrategie, der Levermann-Methode, und lässt die emotionale Entscheidungsfindung außen vor.

Wir von Aktienassistent unterstützen dabei vor allem darin, dass sich die Anlegerin/der Anleger nicht ständig intensiv mit der Aktienanalyse oder mit Unternehmensnachrichten beschäftigen muss. Alle erforderlichen Informationen zur Levermann-Analyse werden gesammelt, berechnet und in qualitätsgesicherter Form auf einen Blick übersichtlich dargestellt. Die zeitraubende und aufwendige Datensuche und daraufhin folgende Auswertung entfallen. Die Kauf- oder Verkaufssignale können gemäß der eigenen Einstellung der Punktwerte von Aktienassistent überwacht und bei Veränderung der Anlegerin/dem Anleger per Benachrichtigung berichtet werden, sodass quasi nur die Adjustierung des eigenen Portfolios vorgenommen und dann lediglich bei Veränderungen auch wirklich reagiert werden muss. Somit wird eine direkte Aktienanlage auch für Menschen möglich, die sich eben nicht tagtäglich mit Aktienanlage auseinandersetzen wollen. Auch sogenannte "Börsenlaien" finden damit einen einfachen und vertrauensvollen Weg ihr Geld selbst anzulegen und so für die Zukunft vorzusorgen.

Aus welchen Datenquellen stammen die Kennzahlen, die das Tool für die Aktienanalysen nach Levermann nutzt?

Wichtige Datenquellen sind ariva.de, consorsbank.de, finanzen.net, google.com, reuters.com, onvista.de, xetra.com und yahoo.com. All diese Datenquellen sind im Internet unter anderem auch öffentlich zugänglich und werden von uns vor Einbezug in die Punktwerte nochmal nach Richtigkeit und Vollständigkeit analysiert und bei Bedarf korrigiert.

Der Aktienassistent zur Levermann-Strategie analysiert nur deutsche Aktien. Ist die einseitige Investition in Aktien aus dem eigenen Land nicht zu riskant?

Der Hauptgrund warum wir momentan nur deutsche Aktien analysieren, liegt vor allem darin, dass dies zur Zeit unsere Kernkompetenz ist und wir dazu auch nachweisen können, dass sich die Methode im deutschen Aktienmarkt bewährt hat. Sobald wir eine derartig gute Datenqualität und Sicherheit der Methode für internationale Aktien nachweisen können, werden auch weitere Indizes folgen. Wir stellen unser Tool guten Gewissens für die Aktien zur Verfügung, bei denen wir sicher sind, dass die Analysen nützlich sind.

Die Analysen der Levermann-Kennzahlen liefern jede Woche neue Ergebnisse, welche Aktien gekauft und verkauft werden sollen. Werden Investoren damit nicht zu häufigen, unnötigen und teuren Depotumschichtungen verleitet?

Im Vergleich mit einem beliebten Wikifolio haben wir festgestellt, dass es besser ist, bei Veränderungen in der Levermann-Punktzahl schnell zu reagieren. Deshalb liefern unsere Analysen tagesaktuelle Ergebnisse.

Zur Vermeidung von zu vielen Umschichtungen empfehlen wir, tendenziell den Abstand zwischen Kauf-Punktzahl und Verkaufspunktzahl etwas großzügiger zu wählen. Benachrichtigungen unsererseits sorgen dafür, dass der Aufwand minimiert wird und der User lediglich seine Umschichtungen aber nicht die Informationssuche selbst tätigen muss.

Zudem lässt sich sagen, dass die Levermann-Methode die einzelnen Aktien nach festgelegten Kriterien beurteilt. Wenn eine Aktie mit ihrem Punktwert sinkt und dadurch ein Verkaufssignal auslöst, ist das keineswegs eine unnötige Depotumschichtung. Vielmehr würden wir von einem notwendigen Handlungsschritt sprechen. Viele Aktien halten sich aber auch sehr lange auf dem jeweiligen Punktwert und große Umschichtungen kommen gar nicht allzu oft vor, wie man möglicherweise vermuten würde.

Natürlich hat man mit einem ETF viel weniger Aufwand und kann die Marktentwicklung ohne Umschichtungen mitnehmen. Ziel der Levermann-Methode ist es aber natürlich, langfristig besser als die durchschnittliche Entwicklung abzuschneiden und dafür muss man eben auch einen etwas höheren Aufwand einbringen.


Wer sich für die Levermann-Strategie interessiert, findet im Internet dazu verschiedene Tools, die kostenlos angeboten werden, oder auch Wikifolios, in die man günstig investieren kann. Warum soll ich mich ausgerechnet für den Aktienassistenten entscheiden?

 
Wir denken, dass uns Informationsqualität, Transparenz und Kundennähe absolut auszeichnen. Bei Aktienassistent wissen die User, woher wir unsere Daten beziehen und wie wir die Kennzahlen berechnen. Die Analysen werden so aufbereitet, dass sie für unsere User zugleich zeitsparend sind, und dennoch stets nachvollziehbar. Großer Wert wird auf die zuverlässigen und tagesaktuellen Daten gelegt, sodass wir uns da als bester Anbieter auch bezeichnen würden. Wir kümmern uns um die Qualität der Daten auf unserer Webseite, vergleichen, plausibilisieren, prüfen die Daten im Zweifelsfall lieber noch mal nach.

Bei einem Wikifolio kann man sich die Frage stellen, ob es wirklich von den Gebühren her günstiger ist als ein klassischer Fonds und ob der Trader wirklich besser qualifiziert ist als ein Fondsmanager, und ob man damit das Emittentenrisiko vermeiden kann. Wir meinen, dass die Antwort auf alle 3 Fragen eher Richtung "Nein" geht. Deshalb finden wir, ist es besser, dass unsere Kunden selbst Manager ihrer Finanzen sind und ihr Vermögen verwalten. Dabei sind sie nicht alleine und können sich bei Problemen oder Fragen stets an uns wenden. Das war uns von Anfang an besonders wichtig. Wie unser Name eben auch schon aussagt: wir sind ein "Assistent", somit jemand, der Unterstützung gibt, einem etwas abnimmt und Zeit für anderes, wichtigeres schenkt.
 


Soweit das Interview. Wer hat eigene Erfahrungen mit der Levermann-Strategie oder dem Aktienassistenten?
 

Kommentare:

  1. Hallo Charlie,

    ich habe mir ja selbst ein Tool gebaut, welches auf Grundlage von Kennzahlen eine bestimmte Prognose wagt. Das Tool hat auch einige interessante Investmentmöglichkeiten 'entdeckt' (z.B. KPS Consulting, die ich vorher nicht kannte). Allerdings fand es auch viel Schrott, weil sich im Nachhinein herausgestellt hat, dass Zahlen gefaked waren (z.B. Mox Telecom oder die deutsch-Chinesen). Die Nutzung der Strategie ist besser, als nix. Aber meiner Meinung nach sollte man die gefundenen Werte immer nur als Ausgangspunkt weiterer Analysen nehmen.

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    1. Hi,

      Stimme ich voll zu. Hab mir auch mein eigenes Tool programmiert, welches mir die Daten aus dem Internet ercrawled und in einem Modell bewertet. Ich habe auch einige weitere Kennzahlen drin, die Levermann nicht betrachtet.

      Nicht nur, dass die Daten von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich sind. Einige der Daten sind schlichtweg falsch. Es ist für mich ein Rätsel, was für eine Datenbasis die Anbieter verwenden, aber jedenfalls sollte man die Kennzahlen unbedingt mit den Geschäftsberichten des Unternehmens vergleichen.

      Ich nutze mein Tool daher nur für den Anfang. Erst dann fange ich an konkret zu recherchieren, mir die Quartalszahlen, Jahresabschlüsse und Ad-Hoc Meldungen durchzulesen...

      Alles Gute,

      Ferhat von http://weniger-schlecht-investieren.de/

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    2. Ein klares Resümee bis jetzt: Analyse-Tools helfen bei der Suche und Filterung potenziell interessanter Aktien. Vor einer Investition ist aber eine eigene Lektüre der Geschäftsberichte und Überprüfung der Kennzahlen notwendig. Danke, EasyWISA und Ferhat.

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    3. Hallo,

      danke für diesen interessanten Beitrag.

      Als Entwickler eines Aktienscreeners für Wachstumswerte schließe ich mich euren Aussagen vorbehaltlos an: ein Tool - sprich Algorithmen - wird niemals die eigene Analyse ersetzen können.

      Datenfehler wurden bereits angesprochen. Diese auszuschließen, ist völlig unmöglich. Man kann nur versuchen, die Fehler auf ein Minimum zu reduzieren. Übrigens: "Google" als Datenquelle - da musste ich doch schon schmunzeln.

      Selbst unter dem Vorbehalt, dass alle Daten korrekt seien, so sind doch die Daten selbst bereits ein Ergebnis von Wahlmöglichkeiten und Auslegungen.

      Auch psychologisch ist es besser, wenn man sich selbst ein Bild vom Unternehmen macht und erst dann ggf. investiert. Ansonsten fehlt die Grundüberzeugung und besteht - gerade bei der Zielgruppe der Anfänger - die Gefahr eines Panikverkaufs in Crashzeiten, wenn plötzlich der Glaube an die Magie des Tools verloren geht.

      Gruß!

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    4. Hallo Torsten, vielen Dank für den wertvollen Hinweis, dass die Finanzkennzahlen selbst nur eine Folge rechtlicher und bilanzpolitischer Überlegungen der Unternehmen darstellen.

      Ich komme auch immer mehr zur Überzeugung, dass "weiche" Kriterien, wie das eigene Verständnis für das Geschäftsmodell und das Vertrauen in das Management, für den Investmenterfolg mindestens so wichtig sind wie harte Finanzdaten.

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  2. Levermann war eines der ersten Bücher, die ich über Finanzen gelesen habe. Da ich ein grundlegend systematisch denkender Mensch bin, war ich schnell begeistert. Schlussendlich ziehe ich die ETF-Anlage vor, weil mir die Investition in Einzelaktien doch (trotz der Kennzahlen) wie ein Glücksspiel vorkommt. :-)

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    1. Mit einer Anlage in ETFs hat man das Problem der Aktienauswahl natürlich nicht, das stimmt. Die Auswahl der passenden ETFs ist aber auch nicht ganz einfach. Ich bin mit ETFs jedenfalls nicht glücklich geworden und setze voll auf Aktien:
      http://www.armercharlie.de/2016/09/warum-ich-alle-etfs-verkauft-habe.html

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