Sonntag, 7. Mai 2017

Übernahme von Veresen

Pembina Pipeline Corp. (A1C563) wird den kleineren Wettbewerber Veresen Inc. (A1H5KV) in einer Transaktion aus Cash und Aktien im Wert von 9,7 Mrd. CAD oder 18,65 CAD je Aktie kaufen. Das haben die beiden Unternehmen am 1. Mai bekannt gegeben. Durch die freundliche Übernahme entsteht ein neues führendes Energieinfrastrukturunternehmen in Kanada. Der Abschluss des Geschäfts wird für das dritte oder vierte Quartal 2017 erwartet.

Veresen halte ich seit dem Jahr 2013 in meinem Aktiendepot. Meine zuverlässige Depotbank wird mir voraussichtlich bald das Kaufangebot von Pembina zustellen und mich um eine Weisung bitten, was mit den Anteilen von Veresen passieren soll. Letztlich stehen drei Möglichkeiten zur Auswahl:

1. Ich nehme das kombinierte Cash-Aktien-Angebot an. Dann erhalte ich eine Auszahlung von rund 4,85 CAD sowie 0,3127 Pembina-Aktien für jede Veresen-Aktie. Und bleibe damit Aktionär des fusionierten Unternehmens.
2. Ich nehme das reine Cash-Angebot an und lasse mich für 18,65 CAD je Aktie auszahlen. Dann bin ich alle Veresen-Anteile los und werde auch nicht Aktionär des fusionierten Unternehmens.
3. Mir ist das alles zu kompliziert und ich verkaufe sämtliche Veresen-Aktien vor der Transaktion zu aktuellen Kursen an der Börse.

Die Option, einfach abzuwarten und gar nichts zu tun, lasse ich außen vor. Denn mir sind die möglichen Folgen zu ungewiss. Werden die verbleibenden Aktionäre von Veresen zwangsweise abgefunden, womöglich zu einem niedrigeren Preis? Oder gibt es einen Nachschlag, falls nicht genügend Aktionäre das Angebot annehmen? Oder verbleiben die alten Veresen-Aktien einfach im Depot, für immer, weil nach der Fusion mit Pembina kein Handel mehr stattfindet? Bevor ich hier zeitintensive Recherchen anstelle, konzentriere ich mich lieber auf die Vor- und Nachteile der drei genannten Optionen.

1. Cash-Aktien-Angebot

Die Fusion eröffnet offensichtlich erhebliche Wertsteigerungspotenziale für die Aktionäre:

  • Pembina bietet Pipeline-, Lager- und Verarbeitungsanlagen schwerpunktmäßig für Öl an, Veresen überwiegend für Gas. Die Portfolios ergänzen sich produkttechnisch und geographisch sehr gut und führen zu einer größeren Reichweite und Diversifikation des fusionierten Unternehmens.
  • Die zusammengeführten Bilanzen von Pembina und Veresen machen das neue Unternehmen finanziell robuster, erhöhen dadurch die Sicherheit gerade in Zeiten niedriger Rohstoffpreise und erleichtern den Zugang zu Kapital zur Finanzierung neuer Wachstumsprojekte.
  • Wichtig für mich ist auch die Perspektive in Sachen Dividende. Während Veresen seit einer Dekade eine unveränderte Dividende von 1,00 CAD je Aktie pro Jahr in monatlichen Raten zahlt, hat Pembina seine Ausschüttungen von 1,37 CAD auf 1,90 CAD erhöht. Das größere Unternehmen sollte in der Lage sein, höhere Gewinne zu erwirtschaften und steigende Dividenden bei gleichzeitig niedrigerer Ausschüttungsquote zu zahlen.

Die Übernahme von Veresen durch Pembina erscheint für die Unternehmen, die Kunden und die Aktionäre sehr positiv. Ich wäre gerne Aktionär des neuen fusionierten Unternehmens. Der einzige Wermutstropfen an dem Cash-Aktien-Angebot ist so gesehen die Cash-Komponente. Denn durch die Teilauszahlung und die Zuteilung von nur etwa 0,3 Pembina-Aktien für meine Veresen-Aktien werden mein Anteil am neuen Unternehmen und die Gewichtung in meinem Gesamtdepot minimal ausfallen. 


2. Cash-Angebot

Da drängt es sich natürlich auf, ob nicht das Cash-Angebot von 18,65 CAD die bessere Wahl ist. Der Aufschlag von ca. 22% auf den letzten Börsenkurs von Veresen klingt attraktiv. Mit einer einmaligen Auszahlung wäre die Angelegenheit erledigt. Und danach kann ich mit den freien Mitteln neu entscheiden, ob und in welchem Umfang ich in das fusionierte Unternehmen aus Pembina und Veresen oder in ein anderes Unternehmen investieren will. 

Problematisch könnte die steuerliche Behandlung der Auszahlung sein. Ich habe bisher keine Erfahrung mit einer solchen Kapitalmaßnahme gemacht. Eine Besteuerung des Gewinns wie bei einem Verkauf der Aktie an der Börse erscheint möglich. Wobei ich einräumen muss, dass ich die steuerliche Beurteilung des kombinierten Cash-Aktien-Angebots auch nicht einschätzen kann.

3. Verkauf an der Börse

Diesen Unsicherheiten könnte ich aus dem Weg gehen, indem ich die Aktien von Veresen vorzeitig an der Börse verkaufe. Der Zeitpunkt wäre günstig. Da der Börsenkurs schon nahe dem Übernahmeangebot notiert, sind keine großartigen Steigerungen mehr zu erwarten. Mit zwei Mausklicks hätte ich das Kapital sofort für neue Investitionen frei zur Verfügung.

Es steht jedoch fest, dass von meinem Kursgewinn die Abgeltungssteuer abgezogen wird. Und neue Investitionsziele zu finden, ist bei den aktuellen Rekordkursen an der Börse auch nicht gerade einfach. Zudem würden meine monatlichen Dividenden von Veresen, die bis zum Abschluss der Übernahme weiter gezahlt werden, mit dem Aktienverkauf wegfallen. 

Alles in allem tendiere ich zur Annahme des kombinierten Cash-Aktien-Angebots. Ich finde das Zusammengehen der beiden Unternehmen überzeugend und sehe gute Chancen, dass die neue Pembina Pipeline Corp. langfristig zu meinen stetig steigenden Dividendeneinnahmen beitragen kann. In der Vergangenheit hat es sich außerdem zumeist bewährt, Aktien durch dick und dünn zu halten, egal welche Fusionen, Abspaltungen und sonstigen unternehmerischen Veränderungen sich ereignen. Und ich bin einfach neugierig, wie die Kapitalmaßnahme in der Praxis ablaufen wird. Wie schon in einem anderen Fall hoffe ich, aus dieser Erfahrung für die Zukunft lernen zu können.

Über weitere Meinungen zur Übernahme von Veresen würde ich mich freuen.

Kommentare:

  1. Hallo Charlie! Das mit der Cashauszahlung hatte ich bei Übernahme der Columbia Pipeline Group - wird tatsächlich behandelt wie ein "normaler" Aktienverkauf.

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