Dienstag, 31. Oktober 2017

Aktien sind sozial gerecht

Ich denke nicht gerne über das Thema "soziale Gerechtigkeit" nach. Noch seltener diskutiere ich darüber mit Familie, Freunden oder Kollegen. Das ist nämlich sehr anstrengend. Man findet kaum einen gemeinsamen Nenner. Zum Beispiel frage ich mich manchmal, ob es nicht ungerecht ist, dass Menschen in sozialen Berufen, wie Erzieher oder Pflegekräfte, schlechter bezahlt werden als ein Facharbeiter, der den ganzen Tag gleichförmig eine Maschine bedient. Oder ob es sein kann, dass jemand nach 45 oder mehr Jahren Arbeit nur eine Rente erhält, die knapp über dem Existenzminimum liegt. Darüber lässt sich trefflich streiten, aber wie genau nun eine Gesellschaft aussehen soll, in der es gerecht zugeht, kann ich auch nicht beantworten. Denn es ist nicht allgemein definiert, was eigentlich Inhalt und Maßstab dieser Gerechtigkeit sind. Vielmehr hängt dies von unterschiedlichen Wertvorstellungen, Erfahrungen und Lebensumständen jedes Einzelnen ab. So ist es kein Wunder, dass Google bei einer Suche nach dem Schlagwort "soziale Gerechtigkeit" in 0,43 Sekunden ungefähr 1.380.000 Ergebnisse findet. Damit die Anzahl der Treffer künftig noch höher ausfällt, hat der Hobbyinvestor jetzt sogar zu einer Blogparade zu dem Thema aufgerufen.

Wenn ich daran schon teilnehme, möchte ich zumindest über einen Lebensbereich schreiben, in dem das Ziel der sozialen Gerechtigkeit vollständig verwirklicht wurde. Ich meine, so etwas gibt es tatsächlich. Nämlich die Kapitalanlage in Aktien.

Das klingt erst mal überraschend. Doch es war die längste Zeit der Geschichte das Privileg von wenigen Auserwählten, sich an wachsenden und profitablen Unternehmen zu beteiligen. Die breite Masse der Bevölkerung blieb von dieser Möglichkeit ausgeschlossen. Als im Jahr 1602 die Vereinigte Ostindien-Kompanie (VOC) der Niederlande als erstes Unternehmen überhaupt Aktien ausgab, erwarben wohlhabende Kaufleute Anteile an dieser Handelsgesellschaft. Das Unternehmen konnte mit dem eingenommenen Kapital expandieren, zusätzliche Schiffe bauen lassen und neue Handelsrouten erschließen. Die Kaufleute ihrerseits verschafften sich so Zugang zu den importierten Waren, etwa Gewürzen, Kaffee und Textilien. Man musste also bereits reich sein, um noch reicher zu werden. Wer auf den Handelsschiffen der VOC anheuerte, der konnte dagegen von Aktien nicht mal träumen. Nur jeder Dritte überlebte eine Fahrt in die niederländischen Handelskolonien und zurück.

Selbst als sich mit der Zeit liquide Wertpapiermärkte an öffentlich zugänglichen Börsen entwickelten, war die Aktienanlage für den breiten Mittelstand keine einfache Angelegenheit. An Informationen über Unternehmen und Börsenkurse kam man erst mit einiger Verspätung heran, in der Regel über eine Tageszeitung oder den Aushang einer Bank. Damals mussten Aktien auch tatsächlich noch in Papierform gelagert werden. Das hatte natürlich Auswirkungen auf die Kosten der Depotführung. Genauso wie die satten Provisionen für Kauf und Verkauf der Aktien, die man dem freundlichen Berater der Sparkasse für seine Dienste bezahlen musste. Im Ergebnis kam der Aktienerwerb wieder nur für vermögende Anleger in Betracht, nicht für Kleinsparer. Man musste reich sein, um reich zu werden.

Erst in jüngster Vergangenheit wurden bei der Kapitalanlage in Aktien unglaubliche Fortschritte erzielt. Heute kann sich jeder über das Internet kostenlos Zugang zu Unternehmensinformationen verschaffen. Es gibt einen transparenten und geregelten Aktienmarkt mit laufender Preisbildung. Der elektronische Börsenhandel und der Wettbewerb zwischen den Banken haben die Transaktionskosten beim Erwerb von Aktien minimiert. Nie war es einfacher, ein Depot zu eröffnen, Anteile von prosperierenden Unternehmen zu erwerben und als Miteigentümer langfristig an deren Gewinnen teilzuhaben. Es sind nur wenige Schritte zum Aktieninvestor. Und das Beste ist: Alle haben das Recht dazu. Herkunft, Beruf und Einkommen spielen keine Rolle mehr. Das nenne ich soziale Gerechtigkeit.

Eine Krankenpflegerin kann 5 Siemens-Aktien kaufen und von der globalen Automatisierung der Industrie profitieren. Ein Facharbeiter kann 25 Aktien des Öl- und Gaskonzerns Royal Dutch Shell kaufen und mit den Dividenden seine künftige Rente aufbessern. Und eine alleinerziehende Mutter kann ein Juniordepot eröffnen und 15 Aktien des Sportartikelherstellers Nike kaufen, um ihr Kind am weltweiten Fitness- und Gesundheitsboom teilhaben zu lassen und ihm einen guten Start ins Erwachsenenleben zu ermöglichen. Diese Investitionsbeispiele erfordern nicht mehr als eine Sparleistung zwischen 600 und 700 Euro und etwas persönliche Überwindung. 

Aktien bieten Dir, mir und allen anderen Anlegern die gleichen Chancen auf Vermögenszuwachs. Das ist fair. Das ist sozial gerecht. Alles andere ist Eigenverantwortung.

Montag, 9. Oktober 2017

Dividendeneinnahmen im August und September 2017

Nachfolgend veröffentliche ich die Listen meiner Dividendeneinnahmen nach Steuerabzug in den letzten beiden Monaten:

August 2017:

Wertpapiername    Dividende
ABBOTT LABS16,62 €
AT+T INC.30,55 €
CVS HEALTH CORP.15,57 €
GENERAL MILLS 21,39 €
KONINKIJIKE DSM21,44 €
MAIN STREET CAP.11,62 €
PROCTER+GAMBLE      30,24 €
REALTY INCOME13,26 €
VERESEN INC.8,29 €
VODAFONE GRP PLC71,28 €
Summe    240,26 €

September 2017:

WertpapiernameDividende
APA GROUP55,72 €
BHP BILLITON PLC53,49 €
BROOKFIELD INF.83,14 €
CHEVRON CORP. 33,15 €
COMMONWEALTH BK.77,09 €
CON. EDISON21,33 €
COTY INC.23,23 €
ELI LILLY   15,92 €
FORTIS INC.19,93 €
HERSHEY CO.12,18 €
IMPERIAL BRANDS PLC10,56 €
INTL. BUS. MACHINES 46,05 €
JOHNSON+JOHNSON25,80 €
MAIN STREET CAP.11,43 €
MCDONALDS CORP.28,88 €
MICROSOFT CORP.  16,91 €
REALTY INCOME13,08 €
RECKITT BENCK. GRP27,15 €
ROYAL DUTCH SHELL A87,53 €
SSE PLC 104,44 €
STELLA-JONES INC.8,27 €
UNILEVER CVA39,74 €
UTD. TECHNOLOGIES21,50 €
VECTOR GROUP LTD       57,79 €
VERESEN INC.8,34 €
WAL-MART STRS15,84 €
Summe918,49 €

Zur Zeit komme ich kaum dazu, die Dividendeneinnahmen regelmäßig in meine Übersichtstabelle einzutragen. Es sind aber auch so viele einzelne Zahlungen! Nachdem ich es nun endlich geschafft habe, die Dividenden von August und September zusammenzutragen, veröffentliche ich heute verspätet die Listen beider Monate. 

Im September machen sich die Nachkäufe von IBM, Shell und SSE bemerkbar und schieben meine monatlichen Einnahmen zum zweiten Mal im Jahr 2017 auf über 900 Euro. Der Wert steht für mich aber noch unter Vorbehalt, denn meine Depotbank hat dieses Mal seltsamerweise die jährliche Stockdividende der Vector Group Ltd. (874420) nicht besteuert. Das Unternehmen schüttet seit 19 Jahren in Folge eine Stockdividende von 5% des Aktienbestandes aus. Der monetäre Gegenwert der gutgeschriebenen Aktien wurde im letzten Jahr mit der Abgeltungssteuer belastet, was insgesamt zu einer "negativen Dividende" führte. Ich bin gespannt, ob die ING-DiBa das noch nachholt. Kann möglicherweise sonst noch jemand von Erfahrungen mit der Besteuerung der Stockdividende von Vector Group berichten? 

Ansonsten bin ich mit der Entwicklung der Dividenden sehr zufrieden. Nach heutigem Stand hat mir mein Aktienportfolio von Januar bis September 2017 insgesamt Dividendeneinnahmen von 5.070,41 Euro netto gebracht. Auf meiner Seite Dividendeneinnahmen ist eine Übersicht aller Dividenden seit dem Jahr 2008 veröffentlicht. 

Donnerstag, 5. Oktober 2017

APA Group und andere Hochdividendenwerte

Die APA Group (577578) ist der größte Pipelinebetreiber Australiens. Das Unternehmen besitzt und betreibt ein 15.000 km langes Pipelinenetz, mit dem es die Hälfte der australischen Erdgasversorgung sicherstellt. Dazu kommen Einrichtungen zur Lagerung und Verarbeitung von Erdgas, Gaskraftwerke sowie Solar- und Windparks. Insgesamt 1.600 Beschäftigte kümmern sich um APA's Infrastrukturanlagen im Wert von 20 Mrd. AUD.

Im Prinzip ist die APA Group ein langweiliger Energieversorger und damit ein typischer Hochdividendenwert. Erst wird viel Geld in die Infrastruktur investiert. Dann folgt durch den Abschluss langfristiger Nutzungs- und Lieferverträge ein sicher planbarer Strom an Einnahmen. Davon wird ein großer Teil an die Anteilsinhaber ausgeschüttet. Ich halte seit 2013 eine kleine Position APA-Aktien, die ca. 1,5% meines Portfolios ausmachen. Die Dividendenrendite beträgt pro Jahr (in Euro umgerechnet und nach Steuern) rund 5% des investierten Kapitals.

Eine Besonderheit der APA Group ist die Konstruktion als "Stapled Security". Darunter ist eine nur in Australien verbreitete Wertpapierklasse zu verstehen, in der mehrere verschiedene Unternehmen sozusagen "gestapelt" und in einem einzigen Anteilsschein gebündelt an der Börse gehandelt werden. Hinter APA stehen folgende Unternehmen:
  • Australian Pipeline Trust (APT): Der APT hält und managt die Vermögenswerte des Unternehmens, also die Infrastrukturanlagen sowie Kapitalanteile an Investments im Energiebereich. 
  • APT Investment Trust (APTIT): Ein Investitions- und Finanzierungsvehikel für die APA Group. Als "Pass-through-Trust" leitet APTIT alle Einnahmen aus Energieinvestments an die Anteilseigner weiter. 
  • Australian Pipeline Limited: Die für die beiden Trusts verantwortlich handelnde Aktiengesellschaft. Zu 100% im Besitz der APT Pipelines Limited. 
  • APT Pipelines Limited: Die Aktiengesellschaft für die Finanzierung der Vermögenswerte und das operative Geschäft der APA Group. Zu 100% im Besitz des APT. 
Graphisch sieht das Konstrukt so aus:
(Quelle: Präsentation der Finanzergebnisse der APA Group zum Abschluss des Geschäftsjahres am 30.06.2017)

Auf die Konstruktion der APA Group als Stapled Security bin ich erst durch das im März 2017 erschienene Buch "Bargeld statt Buchgewinn - Mit Hochdividendenwerten zum passiven Monatseinkommen" aufmerksam geworden. Darin beschreibt der Autor Luis Pazos eine Reihe auch weniger bekannter Anlagemöglichkeiten zur Erzielung überdurchschnittlich hoher laufender Erträge.

Ein Blick auf die Entwicklung einiger Finanzkennzahlen von APA in den vergangenen zehn Jahren (Geschäftsjahre 2008 bis 2017) verdeutlicht die Qualität dieser Dividendenaktie: