Sonntag, 12. November 2017

Was ich aus meinem Investment in Veresen gelernt habe

Veresen Inc. (A1H5KV) war ein kanadisches Energieinfrastrukturunternehmen, das Pipelines und Anlagen für Transport, Lagerung und Verarbeitung von Erdgas in Kanada und den USA betrieb. Am 1. Mai 2017 wurde bekannt gegeben, dass Pembina Pipeline Corp. (A1C563) den kleineren Wettbewerber Veresen übernehmen wird. Die einvernehmliche Transaktion konnte am 2. Oktober 2017 abgeschlossen werden. Wie ich im letzten Artikel bereits schrieb, ist dies der Anlass zu einer persönlichen Bilanz meiner Zeit als Aktionär von Veresen. Ich will verstehen, was ich aus meinem Investment lernen kann. Und natürlich meine Erkenntnisse auf diesem Blog teilen und zur Diskussion stellen. 

Ich bin erstmals am 5. November 2013 bei Veresen eingestiegen. Investiert habe ich insgesamt 1.932,56 € in zwei Käufen. Mein durchschnittlicher Einstandskurs war 9,66 €. Zur Erklärung: Der Einstandskurs ist nicht identisch mit dem Kaufkurs, sondern enthält auch die Provision der Bank und eventuelle Gebühren des Börsenhandelsplatzes. Da ich üblicherweise im Direkthandel kaufe, fällt bei mir nur eine Orderprovision von 9,90 € pro Transaktion an, die auf den Kaufkurs je Stück umgelegt wird.

Die Entwicklung des Aktienkurses verlief alles andere als erfreulich. Am 12. Februar 2016 fiel Veresen auf einen Tiefststand von 4,18 €. Meine Investition lag mit satten 57% im Minus! Da kann man schon mal nervös werden. Vor allem weil es so aussah, als hätte sich Veresen mit dem Jordan-Cove-Projekt verhoben. Dabei geht es um die Errichtung eines Terminals für die Verladung von Flüssiggas, das mit der Fracking-Methode gewonnen wird, in einem Hafen in Oregon. Die zuständige US-Behörde verweigerte die Genehmigung für das umstrittene Projekt. Zu der Zeit habe ich ernsthaft überlegt, die Aktie zu verkaufen. 

Gut, dass ich nichts getan und gewartet habe. Die Geschäfte von Veresen mit Erdgaspipelines liefen einfach weiter. Der Aktienkurs stieg wieder. Nach der Präsidentenwahl in den USA drehte sich die Stimmung zum Projekt ins Positive. Der Aktienkurs stieg weiter. Erst recht nach Ankündigung der Fusion mit Pembina. Der letzte Kurs von Veresen am 2. Oktober belief sich auf 12,75 €. Am Ende kann ich also ein Plus von 32% aus meiner Investition verzeichnen! Wahrlich nichts für schwache Nerven, die Kursbewegungen.

Während meiner fast 4 Jahre als Aktionär pumpte Veresen Monat für Monat für Monat nicht nur Erdgas durch seine Pipelines, sondern auch Dividenden auf mein Konto. Nämlich 0,0833 CAD bzw. 1,0 CAD je Aktie im Jahr. In EUR umgerechnet sehen meine Netto-Dividendeneinnahmen wie folgt aus: 8,26 € in 2013, 89,46 € in 2014, 104,81 € in 2015, 104,51 € in 2016 und 88,17 € in 2017. Insgesamt macht das 395,21 € an Dividenden, so dass ich mehr als 20% meiner Investitionssumme von 1.932,56 € in Form laufender Erträge wieder zurückbekommen habe.

Welche Rendite hat mein Investment in Veresen nun erzielt? Wie üblich habe ich die Berechnung mit Hilfe der Formel für den internen Zinsfuß von Excel durchgeführt. Der Einfachheit halber sind die Dividendenzuflüsse nicht monatlich, sondern nur jährlich angegeben. Als Enddatum habe ich den Tag des Aktienumtauschs in Pembina gewählt. Somit kommen folgende Daten in eine Tabelle:


Kauf 170 Stück: -1.578,55 € am 05.11.2013
Dividende 2013: 8,26 € am 31.12.2013
Dividende 2014: 89,46 € am 31.12.2014
Kauf 30 Stück: -354,01 € am 16.02.2015
Dividende 2015: 104,81 € am 31.12.2015
Dividende 2016: 104,51 € am 31.12.2016
Dividende 2017: 88,17 € am 31.10.2017
Wert 200 Stück: 2.549,00 € am 09.10.2017

Daraus errechnet Excel eine Rendite von 12,78%. Ein zufriedenstellendes Ergebnis für ein Investment von knapp 4 Jahren, finde ich. Mehr zur Berechnung von Renditen ist hier nachzulesen.

Abschließend eine kurze Liste, was ich aus meinem Investment in Veresen gelernt habe:

1) Dividenden sind stabiler als Kursgewinne.
Es bringt nichts, ständig auf die Aktienkurse zu schauen. Das verleitet zu unnötigem Aktionismus. Beinahe hätte ich Veresen zum ungünstigsten Zeitpunkt verkauft. Als langfristig orientierter Kapitalanleger in Qualitätsunternehmen kann ich schlechte Börsenphasen einfach aussitzen und in Ruhe meine Dividenden kassieren.

2) Diversifikation sorgt für Sicherheit.
Vor einer Investition prüfe ich in der Regel, ob ein Unternehmen meine Kaufkriterien erfüllt. Dennoch kann ich die künftigen Aktienkurse und Dividendenzahlungen nicht voraussagen. Mancher Wert wie Veresen stürzt auch regelrecht ab. Das ist jedoch nicht weiter dramatisch, wenn man ein breit gestreutes Portfolio mit Aktien aus unterschiedlichen Ländern und Branchen besitzt.  

3) Kurs halten bringt Geld.
Ich verkaufe eine Aktie nur dann, wenn die Dividende gekürzt oder gestrichen wird. Es war die beste Entscheidung, auch bei Veresen an dieser Linie festzuhalten. Bei einem Verkauf hätte ich je nach Zeitpunkt entweder Kursverluste realisieren oder Gewinne versteuern und die verbleibende Summe neu anlegen müssen. Stattdessen wurden mir für meine Veresen-Anteile einfach 85 Aktien von Pembina zum Einstandswert von 22,55 € gutgeschrieben. Ich nehme weiter am nordamerikanischen Energiemarkt teil und erhalte monatliche Dividenden. Das meiste Geld verdient, wer seiner Anlagestrategie durch dick und dünn folgt.

Kommentare:

  1. Danke für die ausführliche Info und viel Erfolg weiterhin!

    Viele Grüße
    Stefan C.

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  2. Hallo charlie,
    ich glaube, dass sind genau die Erfahrungen, die du uns hier geschildert hast, die dafür Sorgen, dass der Investor allgemein ruhiger wird. Schon darüber zu lesen. Wahrscheinlich muss man diesen Weg selbst einmal gegangen haben.

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  3. Hallo Charlie,

    es hat sich gezeigt, dass sich in den meisten Fällen v.a. Geduld auszahlt. Aber ein wenig Glück war ja auch dabei, dass die Dividende trotz operativer Probleme nicht gekürzt wurde. Das war ja bei Unternehmen in der Branche in den letzten 2-3 Jahren ja doch eher die Ausnahme...

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    1. Zugegeben, ein wenig Glück war bei Veresen auch dabei. Den US-Pipelinebetreiber Kinder Morgan habe ich dagegen vor zwei Jahren nach einer Dividendenkürzung verkauft.

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  4. Hallo Charlie,

    danke für die Erfahrungen. Ich habe selber schon ähnliche Fälle erlebt. Ich denke, man muss das selber durchmachen und daraus lernen. Ich kann deine Schlussfolgerungen aber nur bestätigen. Einfach mal die Pobacken zusammenkneifen und dabeibleiben, wenn die Probleme lösbar erscheinen. Wenn das Portfolio breit aufgestellt ist, dann kaufe ich sogar manchmal solche Problemkandidaten gezielt nach. Das hat sich fast immer ausgezahlt, aber man muss schon etwas intensiver über das Investment nachdenken.

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  5. Auch von mir Danke für Deine reflektierten Erfahrungsberichte! Und noch eine vielleicht sehr naive technische Frage eines nur-Börsenkäufers: für viele Deiner Werte sehe ich an deutschen Börsen kaum Handel. Heimatbörsen scheinen auch nicht so attraktiv, da ich in kleinen Tranchen handle hätte ich da schnell >3% Transaktionskosten, was ich nicht so cool fände. Gibt es da im Direkthandel in DE okaye Kurse und Liquidität? Oder brauchst du da viele "Versuche" bis ein Kauf klappt? VG mentalmarkt

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    1. Ich kann mich an keine besonderen Probleme beim Erwerb meiner Aktien erinnern. Entweder nutze ich den Direkthandel oder die Börse Frankfurt für meine Transaktionen. Sollte dort in seltenen Fällen kein Angebot bestehen, weiche ich auf andere deutsche Börsen aus.
      Es kann schon sein, dass der Spread bei manchen weniger liquiden Werten höher ausfällt, aber als langfristiger Investor ist mir das nicht so wichtig.

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  6. Hallo Charlie
    Wirklich ein toller Blog. Habe vor kurzem auch damit begonnen mir ein Depot
    aufzubauen und habe direkt eine frage zu Brookfield Infrastr. meine dieses Unternehmen ist eine L.P wie sieht es da mit der Dividendenbesteuerung aus?
    Danke im voraus und VG.

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    1. Die Besteuerung der Dividenden von Brookfield Infrastructure erfolgt über die persönliche Einkommensteuererklärung. Ich empfehle dazu folgenden Blogartikel:

      http://www.armercharlie.de/2016/07/die-besteuerung-der-dividenden-von-brookfield.html

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    2. Danke für den Link. Macquairie Infrastructure Com. sieht im Moment
      ja auch günstig aus, ist wie Brookfield auch im bereich Infrastruc. tätig. Macquarie oder Brookfield welches ist jetzt das bessere Invest
      und wie wird Macquarie wieder besteuert:-))

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    3. Mit Macquarie Infrastructure habe ich mich noch nie beschäftigt, deshalb kann ich die Frage leider nicht beantworten.

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  7. Was man daraus lernen kann, liegt eigentlich auf der Hand:
    Die Analyse von Privatanlegern mit völlig unzureichenden und der Allgemeinheit zugänglichen Mitteln bringt nichts.
    Entscheidend ist Glück und Zufall!

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    1. Danke für deine Einschätzung. Was schlägst du denn statt dessen vor?

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    2. Da habe ich wirklich kein passendes Rezept.
      Denke den heiligen Gral hat wohl Niemand an der Börse in der Tasche.
      Mein Problem ist, ich finde alle paar Tage total interessante Unternehem an der Börse und man möchte hier und da invetieren aber zum Glück gebietet ja einen der Kontostand einhalt:-)) bin ja auch erst am Anfang und bin daher froh das es einige gut recherchierte Blog`s im Netz gibt, so wie Deinen.

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  8. Wahre Worte und trifft den berühmten auf den Kopf. Tja der kleine Privatanleger daher bin froh wenn man solche lesenswerten Blogs wie diesen hier gefunden hat.
    Schönes Wochenende:-)

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